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Kylian Mbappé:Der Pariser Junge ist unbescheidener geworden

In jüngerer Vergangenheit hat Kylian Mbappé sein selbstreflektorisches Repertoire etwas revidiert: Es ist eine Nuance unbescheidener geworden. Neulich sagte er, er gehe immer auf den Platz mit der inneren Überzeugung, der Beste zu sein. Wahrscheinlich rührt das auch daher, dass er überzogen hart kritisiert wird, wenn seine Darbietung mal nicht stratosphärisch gut ist; kann ja vorkommen.

Zuletzt passierte es mit der Nationalmannschaft, gegen die Ukraine. Die Medien rüttelten schon am Heldensockel. Früher hätte er ironisch zurückgegeben: "Ich habe euch halt verwöhnt." Nun aber war er so genervt von der Kritik, dass er sich offen beklagte - mit eingebauter Drohung. Seine Leistung, sagte er, werde ständig seziert, Tag für Tag, weil er im Gegensatz zu vielen Kameraden aus dem Nationalteam in einem französischen Verein spiele - in der Heimat und für die Heimat. Man las darin schon ein halbes Adieu.

Seit Monaten wartet der Emir von Katar, Besitzer von PSG, auf ein Zeichen der Mbappés. Der Vertrag läuft im Sommer 2022 aus, und die Katarer möchten unbedingt, dass ihre Pariser Vitrine auch vor und während der WM im eigenen Land, im Winter 2022, bestmöglich besetzt ist. Strahlen soll sie, mit "Kyky". Doch die Familie ziert sich. Man hat ja offenbar eine tolle Alternative.

Wie Vorbild Ronaldo könnte Mbappé bald ein Galáctico sein: Real Madrid ist sehr interessiert

In Spanien glauben sie, Real Madrid stehe kurz vor einer Verpflichtung Mbappés. Florentino Pérez, Reals Präsident, hätte den Stürmer schon 2017 gerne übernommen von AS Monaco, wo er von seinem 13. Lebensjahr an geformt worden war. Damals war für Mbappé Paris aber verlockender. Der Titi parisien, der Pariser Junge also, wollte allen zeigen, dass er daheim bestehen kann - neben Neymar, mit Neymar, vielleicht auch einmal über Neymar. Gewänne PSG in diesem Jahr die Königsklasse, wäre ein Wechsel nach Madrid, seinem Jugendtraum, gleich wahrscheinlicher. Mit Paris hätte er dann alles erreicht: mehrere Meistertitel, mehrere Pokaltrophäen, den Henkelpott - mit 22.

Umgekehrt wäre bei Real mal wieder Zeit für einen echten Galáctico, für einen Toptopstar der neuen Generation, und da kann es nur zwei Optionen geben: Mbappé - und den noch jüngeren Norweger Erling Haaland, 20, von Borussia Dortmund, ein Mann von noch erstaunlicherer Frühreife und einer noch verrückteren Torstatistik in der Champions League. Mit beiden soll Florentino Pérez schon eingehend gesprochen haben, gar nicht mal so versteckt. Für Mbappé wäre der Sieg in der Champions League gewissermaßen eine Befreiung. Er könnte gehen, ohne dass man ihn jemals eines Verrats bezichtigen würde. Pflicht erfüllt, für Stadt und Vaterland, ganz oben angekommen.

© SZ/sjo/moe
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