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PSG in der Champions League:Der Präsident, dem der Emir vertraut

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi.

(Foto: Franck Fife/AFP)

Nasser bin Ghanim al-Khelaifi verwaltet das Geld seines Freundes und Herrschers. Er will mit Paris Saint-Germain endlich die Champions League gewinnen - dafür muss nun ein Sieg gegen die Bayern her.

Von Paul-Anton Krüger

Vom Sohn eines Perlenfischers zum Fußballmagnaten, so geht die Legende vom Aufstieg des Nasser bin Ghanim al-Khelaifi, heute Präsident und Vorstandschef des Fußballklubs Paris Saint-Germain. Wie so oft bei Legenden ist wohl etwas Wahres dran: Die Familie hat sich vermutlich einst einem der traditionellen Erwerbszweige im Emirat Katar gewidmet, in dessen Hauptstadt Doha Khelaifi am 12. November 1973 geboren wurde. Da aber hatte die Perlenindustrie, japanischen Züchtungen geschuldet, ihren Niedergang längst erlebt.

Khelaifi hat einmal über sich gesagt, er entstamme einer "normalen Familie", was in den wohlhabenden Golfmonarchien heißt: nicht qua Zugehörigkeit zur Herrscher-Sippe reich geboren. Nach der Schule studierte er an der Qatar University. Doch mehr als sein Master of Business Administration dürfte es seine Liebe zum Tennis gewesen sein, die seine Karriere als Manager und Multifunktionär im Sport befördert hat. Denn auf dem Court traf er den sechs Jahre jüngeren Tamim bin Hamad al-Thani, den heutigen Emir.

Groß ist die Begeisterung der katarischen Royals für Sport, nicht nur wenn es darum geht, dem kleinen Emirat international Aufmerksamkeit zu verschaffen. Sagenumwoben ist in Doha etwa die Palastliga, bei der bekannte Fußballer an den Hof geladen werden, um gegen Mitglieder des königlichen Clans zu kicken. Aber auch der Tennissport erfreut sich großer Beliebtheit. Nicht allzu überraschend finden es Kenner des Landes daher, dass der damals beste Spieler des Landes zum Trainingspartner und Freund des tennisverrückten Tamim avancierte.

Er spielte mit dem Emir Tennis an der Côte d'Azur

Khelaifi spielte von 1992 an zehn Jahre einige Profiturniere, erreichte in der Weltrangliste Platz 995, trat im Davis Cup an. Das Emirat zählte damals nicht einmal 200 000 Staatsbürger. Tamim stand zwar als Mitglied der königlichen Familie hoch im gesellschaftlichen Rang, dass er aber mit nur 34 Jahren seinen Vater auf dem Thron beerben sollte, war längst nicht absehbar.

Tennisprofi Khelaifi trainierte längere Zeit in Nizza, der heutige Emir wurde mit ihm zusammen öfter auf Plätzen an der Côte d'Azur gesichtet. Die beiden entwickelten eine Vorliebe für Frankreich - und zumindest Khelaifi auch Bewunderung für den Fußballklub PSG. Ein Foto aus jenen Jahren zeigt ihn in einem Trikot des Vereins zwischen den Dünen seiner Heimat.

Von 2003 an arbeitete er beim Fernsehsender Al-Jazeera, einem Prestigeprojekt der Königsfamilie. Sechs Monate nach der Krönung seines Freundes im Juni 2013 berief ihn dieser zum Chef der Sportsparte, die unter dem Namen Be In Sports abgespalten wurde. Da stand er bereits mehr als zwei Jahre an der Spitze der Qatar Sports Investment (QSI), des Vehikels des Emirs für strategische Investitionen im Sport, befüllt vom Staatsfonds, der die gewaltigen Einnahmen aus dem Gasgeschäft anlegt.

Es war die QSI, die den dümpelnden französischen Hauptstadtverein PSG vor zehn Jahren kaufte und Khelaifi zum Präsidenten machte. Vielfältige andere Geschäfte rund um Fernsehrechte und die Vergabe vom Sportwettkämpfen zogen Korruptionsermittlungen nach sich. Khelaifi, der auch dem Organisationskomitee für die höchst umstrittene Fußball-WM 2022 in Katar angehört, hat alle Anschuldigungen immer zurückgewiesen. Für sein Privatvermögen reichen die Schätzungen von Hunderten Millionen bis zu einstelligen Milliardenbeträgen.

Das Vertrauen des Emirs, der mehr als 1,5 Milliarden Euro investiert hat, um Stars vom Kaliber eines Neymar zu verpflichten, hat Nasser bin Ghanim al-Khelaifi offenkundig noch. Und es dürfte weiter wachsen, wenn es ihm endlich gelingen sollte, die Champions League zu gewinnen. Dafür müsste sein Team an diesem Dienstag den FC Bayern nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel in Schach halten. Die Münchner hatten ihm 2020 im Finale noch die Krönung seiner Karriere durchkreuzt.

© SZ/jok
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