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Niko Kovac beim FC Bayern:Hoeneß weicht aus, Chef-Skeptiker Rummenigge schweigt

Kovac, der schon vor dem Spiel mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander gefordert hatte, bleibt auch als Meistertrainer ungeschminkt ehrlich. "Hier sitzt kein Roboter. Ich schäme mich auch nicht, Gefühle zu zeigen beziehungsweise sie mitzuteilen. Das macht uns ja auch menschlich." Doch am Samstag trat der Mensch Kovac auch als großer Stratege auf.

Die Bosse schlingern ja durch diese Woche, sie lassen zahlreiche Gelegenheiten verstreichen, Klarheit zu schaffen. Kovac schaffte es innerhalb weniger Tage, mit so viel Klarheit aufzutreten, dass es für seine Vorgesetzten immer schwieriger wird, sich von ihm zu trennen, vorausgesetzt, sie wollen das noch. Kovac sagte: "Ich rede mit meinen Chefs. Es ist so: Wenn man redet, dann hört man schon auch raus, in welche Richtung es geht. Und ich glaube schon, dass ich es richtig interpretiert habe. Daher gehe ich davon aus, dass ich meinen Vertrag erfüllen werde." Es waren Aussagen, deren Wirkung gleich einem dreifachen so good glich. Sie verengen all die Interpretationen ja auf zwei Szenerien. Erstes Szenario: Kovac hat am Samstag verkündet, dass er bleibt. Zweites Szenario: Die Bosse trennen sich doch von ihm, müssen dann aber erklären, wie sie es zulassen konnten, dass sich ihr Trainer, ein Meistertrainer noch dazu, in einer Sicherheit fühlen konnte, die es offenbar nicht gab.

Die Bosse selbst, die in dieser Saison nur selten eine gute Figur gemacht haben, gerade im Umgang mit ihrem jungen Trainer, traten am Samstag als dritte Fraktion auf. Sie schafften es, Kovac auch als Meistertrainer weiterhin nicht mit bedingungslosem Zuspruch zu unterstützen.

Als Erster marschierte am frühen Samstagabend Uli Hoeneß dem Ausgang der Arena entgegen. Der Präsident hatte Kovac als Wunschtrainer nach München geholt (zumindest als zweitliebsten Wunschtrainer nach dem ewigen Jupp Heynckes), in den vergangenen Wochen hatte er mit seinen Aussagen den Trainer oft geschützt. Am Samstag sagte er: "Ich habe immer gesagt, ich werde mich an den Spekulationen nicht beteiligen, deshalb werden Sie zu dem Thema von mir nichts hören." Man solle das Thema "aus unseren Köpfen" bekommen. Spielraum für Interpretationen hinterließ auch er reichlich.

Etwas deutlicher positionierte sich später Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Der Trainer hat von mir die absolute Unterstützung", sagte er, "das wird sich auch nicht ändern." Da er aber auch herumdruckste, folgte die Nachfrage, ob Kovac sicher in der neuen Saison Trainer bleibe. Salihamidzic sagte: "Die Fakten sprechen dafür, ja." Er sagte aber nicht einfach nur: Ja. Und Karl-Heinz Rummenigge schließlich, der Chef-Skeptiker der vergangenen Wochen, zog es vor, gleich ganz zu schweigen.

Dass Niko Kovac in München bleiben wird, ist am Samstag wahrscheinlicher geworden, auch weil der Trainer gerade die Diskussionen selbst lenkt. Doch sollten die Bosse sich weiterhin so bedeckt halten über ihren Trainer, erscheinen auch in der neuen Saison die guten Zeiten nicht zwangsläufig so good, so good, so good.

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