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Klopp-Abschied vom BVB:"Trösten kann dich in so einem Moment nichts"

Borussia Dortmund v VfL Wolfsburg - DFB Cup Final

Das war's: Jürgen Klopp verabschiedet sich von den BVB-Fans

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Jürgen Klopp verliert das Pokalfinale und tritt als Trainer von Borussia Dortmund ab. Nach sieben emotionalen, meist erfolgreichen Jahren fehlt das Happy End.
  • Tränen gibt es vor den Fans. Doch vor der Kamera bewahrt Klopp die Fassung.
  • Zu den Statistiken zum Pokalfinale geht es hier

Dann war er da: der Franz-Beckenbauer-Moment. Die meisten Spieler von Borussia Dortmund lagen trauernd nahe der Ersatzbank, doch Jürgen Klopp betrat ganz alleine den Rasen des Olympiastadions. Die gelbe Mütze hatte er tief ins Gesicht gezogen, der Trainer machte ein paar Schritte auf die Dortmunder Fans zu, sofort schwoll die Kulisse an. "Jürgen Klopp, Jürgen Klopp", schallte es ihm entgegen. Viele, ergreifende Sekunden lang. Der Trainer winkte einfach nur zurück. Wie Beckenbauer 1990 nach dem WM-Sieg in Rom.

Kurz darauf der nächste, unwirklich anmutende Moment. Die Siegerehrung stand an, die Angestellten des BVB holten sich einer nach dem anderen mit hängenden Köpfen ihre Silbermedaillen ab. Klopp kam als Letzter. Wieder dieses Getöse, dieser monströse Applaus. Nie war es an diesem Finalabend so laut, wie in jener Sekunde, als Klopp traurig am güldenen Pokal vorbeischritt.

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Es war Klopps letztes Spiel für seinen BVB gewesen, dieses 1:3 im Finale des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg. Er hätte das Spiel am Samstagabend so gerne gewonnen zum Abschied, denn es stand lange fest, dass er danach gehen würde. Weg aus Dortmund, in eine ungewisse Zukunft. Trotzdem wusste im finalen Moment niemand, wie er sich verhalten sollte.

Auch Klopp nicht. Er wollte noch einmal jubelnd mit dem Lastwagen um den Borsigplatz fahren, hatte er gesagt. Nun war er ein Verlierer. Was sollte er tun? Cool bleiben, nicht zu viel von sich preisgeben? Oder die Emotionen einfach zulassen?

Jürgen Klopp in Berlin

Mit Tränen, aber ohne Pokal

Klopp wurde später auf die Szene angesprochen, er allein auf dem Rasen. Ob der Applaus der Fans ihn getröstet habe? "Nein", sagte Klopp. Es ging ihm schlecht. Wunderschön sei der Applaus gewesen, doch: "Trösten kann dich in so einem Moment nichts."

Er war angefasst, die Stimme stockte. Wer konnte es ihm verdenken, nach sieben emotionalen, teilweise sehr erfolgreichen Jahren bei seinem Herzensklub. Nach einer enttäuschenden Saison, in der er als Trainer auch an seine Grenzen gestoßen war, hatte er sich für Veränderung entschieden. Die gelbe Mütze trug Klopp noch immer tief ins Gesicht gezogen, als er sagte: "Gerade eben habe ich festgestellt, dass der Abschiedsschmerz kommt." Und: "Er tut verdammt weh."

BVB in der Einzelkritik

Unromantisch überrumpelt

Was Klopp über das Spiel zu sagen hatte, war gar nicht so wichtig. Der BVB hatte früh geführt, durch einen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang, fing sich bis zur Halbzeit allerdings noch drei teilweise vermeidbare Tore. Ein weiterer Gegenschlag des BVB hätte das Spiel wieder kippen können, doch das Tor fiel nicht, trotz passabler Gelegenheiten. Klopp haderte ein bisschen, doch dann war er schon wieder bei sich selbst.

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