Zum Tod von Gerd Müller:"Er ist mit niemandem zu vergleichen"

Zum Tod von Gerd Müller: Auf dem Siegerfoto der WM 1974 ist er einer von vielen - dabei war Gerd Müller (in der hinteren Reihe hinter Nationaltrainer Helmut Schön) der Mann des entscheidenden Tors. Seinetwegen durften sich freuen (in der vorderen Reihe von links nach rechts): Torwart Norbert Nigbur, Uli Hoeneß, Jupp Heynckes, Rainer Bonhof, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, Bernd Hölzenbein, Berti Vogts, Wolfgang Overath; hinten: Funktionär Hans Deckert, Horst Dieter Höttges, Sepp Maier, Heinz Flohe, Gerd Müller, Jürgen Grabowski, Paul Breitner, Hans Georg "Katsche" Schwarzenbeck und Bernd Cullmann.

Auf dem Siegerfoto der WM 1974 ist er einer von vielen - dabei war Gerd Müller (in der hinteren Reihe hinter Nationaltrainer Helmut Schön) der Mann des entscheidenden Tors. Seinetwegen durften sich freuen (in der vorderen Reihe von links nach rechts): Torwart Norbert Nigbur, Uli Hoeneß, Jupp Heynckes, Rainer Bonhof, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, Bernd Hölzenbein, Berti Vogts, Wolfgang Overath; hinten: Funktionär Hans Deckert, Horst Dieter Höttges, Sepp Maier, Heinz Flohe, Gerd Müller, Jürgen Grabowski, Paul Breitner, Hans Georg "Katsche" Schwarzenbeck und Bernd Cullmann.

(Foto: Pressefoto Baumann/imago)

Für den jungen Rainer Bonhof war Gerd Müller eine Lichtgestalt. 1974 sind sie gemeinsam Weltmeister geworden. Erinnerungen an einen besonderen Torjäger - und an einen Freund.

Interview von Javier Cáceres

Am 7. Juli 1974 reckte Gerd Müller den WM-Pokal auf der Ehrentribüne des Münchner Olympiastadions in die Höhe, nach dem 2:1-Finalsieg gegen die Niederlande. Der Mann, der die Trophäe in die Hände des Bombers legte, war der damalige Gladbacher Rainer Bonhof, der später auch in Valencia, Köln und bei Hertha BSC spielen sollte. Bonhof, 69, ist heute Vizepräsident von Borussia Mönchengladbach. Ein Telefonat unter dem Eindruck der Nachricht des Todes von Gerd Müller.

SZ: Herr Bonhof, Sie waren auf eine sehr spezielle Art und Weise mit dem nun verstorbenen Gerd Müller verbunden. Wenn man Müller vor Jahren darauf ansprach, welches das wichtigste, spektakulärste oder schönste Tor seines Lebens gewesen war, sagte er: Das 2:1 gegen Holland im WM-Finale 1974 in München. Sie legten ihm den Ball auf.

Rainer Bonhof: Wir haben nicht so oft über dieses Tor gesprochen. Irgendwann, bei so einem Treffen in München, hab ich ihm gesagt: "Gerd, du bist der einzige Mensch auf dieser Welt, der das Tor hätte machen können." Und das war ja auch so. Ich hatte den Ball von der rechten Flanke so scharf nach innen gespielt, dass ihm der Ball vom Fuß gesprungen ist. Und dann hat er ihm einem Holländer durch die Beine gespielt und ins Tor geschossen, zum 2:1. Er war der Einzige, der so etwas zustande bringen konnte.

Wer war Gerd Müller für Rainer Bonhof?

Erst mal muss man Gerd Müller als feinen Kerl sehen. Das wissen alle, die ihn je kennenlernen durften, erst recht beim FC Bayern. Gerd war ein sehr angenehmer Mensch, und eigentlich auch ein sehr lustiger Mensch. Ohne ihn hätte Deutschlands Fußball nicht das Standing gehabt, das er hatte und um das wir jetzt wieder kämpfen. Und ohne ihn wäre der FC Bayern nicht, was der FC Bayern jetzt darstellt. Das ist so.

Können Sie sich an die erste Begegnung mit Müller erinnern?

Ja, die ist aber hundert Jahre her ...

Nicht ganz.

So richtig kriege ich das auch nicht mehr zusammen. Das muss im März 1972 gewesen sein. Ich bin damals in den Kader der Partie gerutscht, mit der das Münchner Olympiastadion eröffnet wurde. Gegen die Sowjetunion. Da bin ich als 18-, 19-jähriger Bursche hin - und sollte mit Gerd Müller zusammenspielen. Als Mannschaftskamerad! Das war für mich im Grunde unfassbar. Der Gerd war eine Lichtfigur, sogar für mich, der ich als Gladbacher verwöhnt war: mit Spielern wie Berti (Vogts), Günter Netzer, Herbert Wimmer. Er schoss Tore ohne Ende.

Das war die Saison, in der er den fabulösen Rekord von 40 Toren in einer einzigen Bundesligaspielzeit aufstellte, den erst Robert Lewandowski übertroffen hat. Im Todesjahr von Müller. Ist das nicht verrückt?

Lewandowskis Geste, das Trikot hochzuziehen und Gerd Müllers Konterfei zu zeigen, war großartig. Das hat er sehr gut gemacht. Niemand kann Robert Lewandowski verübeln, dass er einen Rekord aufstellen will.

Sie haben mit vielen Weltklassespielern gespielt, Sie haben alles an Fußball gesehen, das es gegeben hat. Gibt es auch nur einen Spieler, der Müller ähnlich war? Vielleicht Lionel Messi, der auf vergleichbar uneitle Weise Tore schießen kann wie früher Müller?

Damit würde man dem Gerd nicht gerecht. Er ist mit niemandem zu vergleichen, auch nicht mit Messi. Mit keinem Spieler aus der aktuellen Zeit. Gerd Müller war Gerd Müller. Er war einzigartig.

Viele alte Mannschaftskameraden sind in den letzten Tagen und Wochen bei Gerd Müller gewesen und haben im Grunde Abschied genommen. Sie auch?

Ich war auch da, klar. Ich war mehrmals mit dem Uli (Hoeneß) dort. Und wenn wir mit Borussia Mönchengladbach im Trainingslager am Tegernsee waren, sind wir erst recht zu Gerd gefahren. Immer. Dann hat er sich teilweise auch daran erinnert, wer man war. Es waren auch schwierige Besuche. Es ging einem schon nahe, wenn er einen nicht erkannte. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, bei ihm zu sein, ihm Abwechslung zu geben. Nun ist er tot. Es ist ein trauriger Tag, für uns, die wir ihn liebten, für den deutschen Fußball, für dieses Land.

© SZ/bkl/klef/and
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