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Uli Hoeneß über Alaba:"Er hat einen geldgierigen Piranha als Berater"

Bayern Präsident Uli Hoeneß

Uli Hoeneß ist kein Freund des Beraters von David Alaba.

(Foto: dpa)

Der Bayern-Ehrenpräsident äußert sich kritisch zu den Vertragspokern um David Alaba und Thiago - und gibt Einblicke ins Gehaltsgefüge beim Triple-Sieger.

Uli Hoeneß scheint an diesem Sonntag groß in Form zu sein. Der Bayern Ehrenpäsident hat gleich an mehreren Fronten Mitteilungsbedarf - kein Wunder, er ist ja auch im "Doppelpass" des Senders Sport1 zu Gast. Dort sprach Hoeneß etwa über den Vertragspoker mit David Alaba, der sich unerwartet in die Länge zieht. Noch immer ist nicht klar, ob der Abwehrspieler denn in München bleibt oder ob er nach England oder Spanien wechselt.

Besondere Erwähnung fand in der Sendung dann der Spielerberater Pini Zahavi. Diesen betrachtet Hoeneß als das größte Hindernis im seit Monaten wabernden Poker um Alaba. Der Abwehrmann ist beim Triple-Gewinner FC Bayern die spannendste Personalie auf einem von der Corona-Krise geprägten Transfermarkt. "Er hat einen geldgierigen Piranha als Berater", äußerte Hoeneß über den 77 Jahre alten Zahavi, der angeblich für eine Unterschrift Alabas unter einen neuen Vertrag für sich selbst ein Honorar "im zweistelligen Millionenbereich" verlange: "Es geht wirklich nur um Geld und sonst gar nichts. David ist ja schon beim besten Verein der Welt."

Hoeneß verriet, dass der seit dem 16. Lebensjahr für den FC Bayern auflaufende Alaba einen Vier- oder Fünfjahresvertrag erhalten soll. Der Verein will ihn aber nicht zum Spitzenverdiener machen, was wohl ein Jahressalär von über 20 Millionen Euro bedeuten würde. Es gehe auch darum, dass die Gehaltsstruktur nicht durcheinandergerate. Torjäger Robert Lewandowski (32) und Torhüter Manuel Neuer (34) seien "das Maß aller Dinge. Darüber geht nichts", sagte Hoeneß deutlich.

"Die letzten ein, zwei, drei Millionen Euro machen ihn nicht glücklicher", sagte Hoeneß zu den Forderungen der Alaba-Partei. Alle im Verein hofften, dass der 28-Jährige bleibe. Alabas Vertrag beim Champions-League-Sieger läuft am 30. Juni 2021 aus, was den Poker stark beeinflusst. "Der Super-Gau wäre - und das ist das Ziel von Herrn Zahavi -, David nächstes Jahr vom FC Bayern ablösefrei loszulösen. Das muss der FC Bayern unbedingt verhindern", sagte Hoeneß. Unter Trainer Hansi Flick ist der Österreicher vom einstigen Außenverteidiger zum anerkannten Abwehrchef aufgestiegen.

Flick beobachtet insbesondere die Personalien Alaba und Thiago, der Wechselambitionen hegt, besonders aufmerksam. Der Triple-Coach mahnte gerade erst, "dass wir nachlegen, wenn wir Spieler verlieren, damit wir zumindest eine gute Qualität in der Breite haben". Für die neue Saison plane er aktuell noch mit beiden Leistungsträgern.

Mittelfeldspieler Thiago, dessen Vertrag ebenfalls 2021 endet, hatten die Bayern laut Hoeneß vor Monaten "ein super Angebot über vier Jahre" gemacht. Der Spanier sagte erst zu, strebt aber inzwischen doch eine Veränderung an. Der FC Liverpool und Manchester City gelten als Ziele. Beide Premier-League-Clubs "blufften" aktuell, polterte Hoeneß: "Sie versuchen, uns jetzt zu erpressen, um dann ein billiges Angebot hinzuhauen." Zum Ende der Transferfrist am 5. Oktober müsse sich der FC Bayern dann die Frage stellen, ob man sich das gefallen lasse oder Thiago trotz auslaufenden Vertrages nicht ziehen lasse.

"Da beginnt im Moment ein Stil auch unter großen Clubs sich breitzumachen, den ich so nicht gekannt habe", sagte Hoeneß nach über 40 Jahren im Profigeschäft. Er selbst sieht den FC Bayern personell gut genug aufgestellt, um auch das Mammutprogramm der kommenden Monate bewältigen zu können. Nach dem Triple bestehe zudem kein Handlungsdruck. "Man kann experimentieren mit drei Titeln", meint Hoeneß. Er verwies auf etliche Talente vom eigenen Campus, und notfalls könne man auch im Winter mögliche "Lücken schließen".

Flicks Kaderwünsche stoßen laut Hoeneß auch an finanzielle Grenzen. "Auf die Kaderplaner hat er alleinigen Einfluss, auf den Finanzstatus hat er keinen Einfluss", sagte Hoeneß zur Einwirkung des Trainers. Der für rund 50 Millionen Euro von Manchester City verpflichtete Leroy Sané werde in München der "Königstransfer" des Sommers bleiben. Denn auch der Bundesliga-Krösus verfüge nur über begrenzte Mittel in der Corona-Krise. Zum Budget sagte Hoeneß: "Solange wir keine Zuschauer in den Stadien haben, fehlen auch dem FC Bayern 50 bis 60 Millionen Euro."

Und noch ein anderes Thema beschäftigt den langjährigen Bayern-Macher: Die möglicherweise ausbleibende Rückkehr der Fans in Fußballstadien. Hoeneß blickt in der Corona-Krise gespannt und besorgt zugleich auf die langsam geplante neue Normalität. "Meine größte Sorge ist, ob die Leute auch alle wieder kommen, oder ob sie ängstlich sind", erklärte er hinsichtlich wieder nahezu ausverkaufter Stadien.

"Wenn in ein Stadion für 70 000 Zuschauer 20 000 kommen, ist das kein Problem", begründete Hoeneß seine Skepsis. Aber wenn in die 75 000 Fans fassende Münchner Allianz Arena wieder 60 000 Besucher dürften, müsse man erstmal abwarten, ob das auch angenommen werde, solange es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gebe. Mittel- oder langfristig könnte der Fußball darunter leiden, befürchtet Hoeneß.

Er rechnet damit, dass die Politik in der neuen Bundesliga-Saison nach und nach Zuschauer wieder zulassen wird. "Der FC Bayern ist gut vorbereitet auf den Tag X", versicherte Hoeneß. Dass der Liga-Konkurrent RB Leipzig zum Bundesligastart schon wieder vor 8500 Zuschauern spielen darf, während in München am kommenden Freitag beim Eröffnungsspiel gegen den FC Schalke 04 noch keine Fans zugelassen sind, stellt für Hoeneß keine Wettbewerbsverzerrung dar: "Das ist halt ein Fakt. In Sachsen gibt es kaum Infektionen, in Bayern gibt es mehr. Das wird sich ausgleichen", glaubt Hoeneß.

© SZ/dpa/jbe
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