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Fußball-WM:Marokkos Eigentor sorgt für Straßenfeste in Iran

WM 2018 - Marokko - Iran

Moment des Spiels: Marokkos Aziz Bouhaddouz (M, am Boden) liegt nach seinem Eigentor zum 0:1 am Boden.

(Foto: dpa)

Mit dem zweiten Sieg seiner WM-Geschichte hat sich Iran dank eines späten Eigentores in der extrem kniffligen Gruppe B die Chance auf das Achtelfinale erarbeitet. Bei seiner fünften Endrundenteilnahme bezwang das "Team Melli" im Duell der Außenseiter Marokko glücklich mit 1:0 (0:0). Allerdings warten noch Titelanwärter Spanien und Europameister Portugal. Ein Eigentor von Aziz Bouhaddouz (90.+5) vom FC St. Pauli entschied das Spiel vor 62 548 Zuschauern in St. Petersburg und ließ Iran damit zum ersten Mal seit dem 21. Juni 1998 wieder bei einer WM jubeln.

In der Hauptstadt Teheran haben Fans am Abend spontane Straßenpartys gefeiert. In den späten Abendstunden gab es in mehreren Stadtteilen Teherans Autokorsos und Hupkonzerte. Mit "Iran, Iran"-Rufen bejubelten die Menschen den 1:0-Sieg, auf einigen Straßen tanzten laut Augenzeugen junge Männer und Frauen auf den Straßen, obwohl dies im islamischen Iran streng verboten ist. Die iranischen Behörden hatten zwar die Public Viewings verboten, aber gegen die spontanen Straßenfeste scheint auch die Polizei machtlos zu sein.

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Marokko enttäuschte beim WM-Comeback nach 20 Jahren auf ganzer Linie. Die Nordafrikaner hatten in der Qualifikation kein einziges Gegentor kassiert und sich mit ihren in Europa ausgebildeten Jungstars und dem erfahrenen Kapitän Mehdi Benatia gute Chancen ausgerechnet. Nach einer ordentlichen Anfangsphase rückte der Sieg und damit die Aussicht auf das Achtelfinale jedoch von Minute zu Minute in weitere Ferne. Auch Amine Harit von Schalke 04 konnte kaum Akzente setzen.

Ex-Münchner Benatia hat die größte Chance

Iran war über weite Strecken der Partie jedoch noch ungefährlicher, vor allem die ersten zehn Minuten zeigten die Schwächen der international unerfahrenen Spieler gnadenlos auf. Nervös und sichtlich beeindruckt von den lautstarken Fans der Marokkaner gaben sie fast jeden Ball beinahe freiwillig ab. Marokkos Trainer Herve Renard freute sich am Feldrand über den Schwung seiner Elf, ärgerte sich aber über die schwachen Abschlüsse. Hakim Ziyech säbelte schon nach drei Minuten über den Ball und verpasste auch nach 80 Minuten die Führung.

Die größte Chance der Marokkaner besaß jedoch der ehemalige Münchner Benatia (19.), der aus kurzer Distanz scheiterte. Die Iraner atmeten durch, befreiten sich tatsächlich vom Dauerdruck ihrer Gegner und wurden sogar selbst gefährlich. Stürmer Sardar Azmoun, in Russland für Rubin Kasan tätig, hatte die Führung auf dem Fuß, scheiterte jedoch kurz vor der Pause (43.) ebenso am starken Torwart Monir El Kajoui wie Alireza Jahanbakhsh im Nachschuss.

Für Aufregung bei Iran sorgt Ausrüster Nike

Für Aufregung im iranischen Quartier in Moskau hatte Ausrüster Nike gesorgt, der wegen politischer Sanktionen kurzfristig die Lieferung der Schuhe stoppte. Auch die Fans in der Heimat hatten sich den WM-Auftakt anders vorgestellt. Das angekündigte Public Viewing im Azadi-Stadion von Teheran wurde offenbar ohne Angaben von Gründen untersagt, nachdem die Betreiber angekündigt hatten, auch Familien den Eintritt zu gewähren. Frauen ist es in dem konservativen muslimischen Land noch immer nicht erlaubt, ins Stadion zu gehen.

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Der Rasen ist ein paar Millimeter zu hoch und zu stumpf, im Badezimmer fehlt das Wasser. Der Sowjetcharme der DFB-Unterkunft bezirzt im Team noch niemanden.   Von Philipp Selldorf

Auf dem rasen dominierte nach der Pause der Kampf, allerdings nie derart unübersichtlich, dass das deutsche Trio Felix Zwayer (Berlin), Bastian Dankert (Rostock) und Mark Borsch (Mönchengladbach) im Moskauer Video-Studio zum Einsatz kommen musste. Schiedsrichter Cüneyt Cakir aus der Türkei leitete das Spiel souverän.