Fußball-Weltverband:Blatter eröffnet Fifa-Kongress - und verteidigt sich

FIFA President Blatter arrives for opening ceremony of 65th FIFA Congress in Zurich

"Schwierige Zeiten für die Fifa": Sepp Blatter eröffnet den Kongress des Weltfußballverbandes.

(Foto: REUTERS)

Fifa-Boss Blatter eröffnet den Kongress und nennt die Korruptionsvorwürfe gegen den Fußball-Weltverband die Taten Einzelner. Zuvor fordert ihn Uefa-Präsident Platini zum Rücktritt auf - doch Blatter lehnt ab.

Blatter eröffnet Fifa-Kongress

Sepp Blatter hat den Fifa-Kongress in Zürich trotz der Ermittlungen gegen hochrangige Funktionäre eröffnet. "Dear friends of football", begann er seine Ansprache. Der Fifa-Präsident, der am Freitag wiedergewählt werden will, begrüßte die Anwesenden. Er sagte: "Wir stehen heute alle zusammen." Dann wurde er ernst und sprach von "schwierigen Zeiten für die Fifa". Die Korruptionsvorwürfe seien die "Taten von Individuen" gewesen, die "Schande über den Fußball gebracht haben."

"Viele Menschen halten mich für verantwortlich für den Weltfußball", sagte Blatter. Er könne aber nicht alles und jeden überprüfen. "Wenn Menschen etwas Falsches tun, werden sie das verstecken", sagte Blatter und sprach sich selbst von persönlicher Schuld frei.

Uefa fordert Rücktritt von Blatter

Zuvor hatte Uefa-Präsident Michel Platini Blatter zum Rücktritt aufgefordert. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag berichtete der Franzose von einem Treffen mit Blatter: "Sepp, bitte verlasse die Fifa", habe er zu dem 79-Jährigen gesagt. "Es wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Fußball ist wichtiger als Personalien."

Blatter habe einen Rücktritt aber abgelehnt. "Heute kann ich nicht aufhören, nicht zu Beginn des Kongresses", habe er gesagt. Platini appellierte in seinem Statement an die anderen Kontinentalverbände, am Freitag Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien zu wählen. "Wir brauchen einen neuen Präsidenten", forderte Platini. Entgegen ursprünglicher Überlegungen will die Uefa den Fifa-Kongress nicht boykottieren und bei der Präsidentenwahl zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votieren.

Für den Fall eines Wahlsiegs von Blatter wollte Platini einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausschließen. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte er.

Britische Regierung will Blatters Rücktritt

Auch die britische Regierung von Premierminister David Cameron fordert den Rücktritt von Blatter. Der Premier schließe sich der Kritik seines Sportministers John Whittingdale an, sagte sein Sprecher in London. Die Regierung unterstütze - wie auch der englische Fußballverband FA - die Gegenkandidatur von Prinz Ali bin al-Hussein bei der für Freitag geplanten Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands.

Rufe der britischen Boulevardpresse, die nächste Fußball-Weltmeisterschaft solle in England stattfinden, schloss sich der Sprecher nicht an. Der Fokus müsse nun auf den Ermittlungen und Reformen des Verbands liegen. England hatte sich um die WM 2018 beworben. Sportminister Whittingdale hatte im Parlament gesagt, Regierung und FA müssten über die Möglichkeit sprechen, sich aus der Fifa zurückzuziehen.

Mitgliedsverbände beraten über Wahlverhalten

Nach den dramatischen Entwicklungen steht die Fifa weltweit am Pranger. Eine Mehrheit für Joseph Blatter bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen scheint zumindest nicht mehr garantiert. In mehreren Sitzungen berieten Vertreter verschiedener Konföderationen am Donnerstag über ihre Strategie vor dem für Freitag geplanten Urnengang.

Unterstützung bekommen die Blatter-Gegner derweil auch aus anderen Kontinentalverbänden. Nach dpa-Informationen wollen die Vertreter der südamerikanischen Konföderation Conmebol bei internen Gesprächen am Donnerstag ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der Concacaf-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden. Der Kontinentalverband trennte sich derweil von seinem festgenommenen Präsidenten Jeffrey Webb - zumindest vorläufig. Neuer Präsident ist der bisherige Stellvertreter Alfredo Hawit aus Honduras. Auch der ebenfalls festgenommene Eduardo Li, Verbandspräsident von Costa Rica, wurde vorerst verbannt. Fifa-Vizepräsident Webb und Li waren am Mittwoch bereits vom Weltverband vorläufig von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen worden.

Afrikanischer und asiatischer Verband stehen zu Blatter

Die afrikanischen Fußball-Verbände haben sich gegen eine Verschiebung des Fifa-Kongresses ausgesprochen und wollen am Freitag wie zuvor betont kollektiv für Amtsinhaber Joseph Blatter stimmen. Das teilte der afrikanische Dachverband Caf am Donnerstag mit. Die Caf ist die größte Fifa-Konföderation und stellt mit 54 Nationalverbänden mehr als ein Viertel aller 209 Fifa-Mitglieder.

Auch die asiatische Fußball-Konföderation AFC steht an der Seite von Joseph Blatter. "Die AFC ist enttäuscht und traurig, spricht sich aber gegen jede Verzögerung der Präsidentschaftswahlen am 29. Mai aus", teilte der Kontinentalverband auf seiner Internetseite mit.

Die AFC versicherte, Blatter könne sich der Stimmen Asiens in seinem Bemühen um eine weitere Amtszeit gewiss sein: "Wir bestätigen unsere auf dem AFC-Kongress 2014 getroffene Entscheidung, Joseph S. Blatter zu unterstützen."

Ex-Fifa-Vizepräsident Warner stellt sich

Nach den Korruptionsvorwürfen aus den USA hat sich der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner der Polizei in seinem Heimatland Trinidad und Tobago gestellt. Er soll bald gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt werden, wie örtliche Medien am Mittwoch berichteten. Zunächst sei Warner aber noch in Gewahrsam geblieben, korrigierte die Zeitung Trinidad Express frühere Angaben.

Der ehemalige Fifa-Funktionär müsse auch seinen Pass abgeben und sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden. Der nächste Gerichtstermin findet im Juli statt. Zuvor hatte das US-Justizministerium die Auslieferung Warners beantragt. Die Ermittler werfen ihm organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vor.

Russland kritisiert US-Ermittlungsbehörden

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Sepp Blatter in der Korruptionsaffäre den Rücken gestärkt. Putin sagte, der Fifa-Präsident habe seine Unterstützung. Mit der Festnahme von sieben Fifa-Managern in Zürich überschritten die USA ihre rechtliche Zuständigkeit. "Das ist schon wieder ein offenkundiger Versuch der USA, ihr Rechtssystem auf andere Staaten auszuweiten", sagte Putin. Die Festnahmen seien ein Versuch, die Wiederwahl Blatters zu verhindern.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/ebc/kjan/ska/fued
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