Korruption bei der Fifa:Aufstand! Gegen die Fußballregierung!

FIFA President Blatter addresses a news conference in Zurich

Sepp Blatter regiert die Fifa - und wenn's kracht, regiert er einfach weiter.

(Foto: REUTERS)

Die Ermittlungen gegen die Fifa gehen jeden etwas an, dem der Fußball am Herzen liegt. Sepp Blatters Männerbund muss gezwungen werden, sich mit dem Rechtsverständnis der realen Welt zu befassen.

Kommentar von Ralf Wiegand

Das Hotel Baur au Lac in Zürich ist eine feine Adresse. Das Haus gibt es schon seit 170 Jahren, mit Blick auf Alpen und Zürichsee gleichermaßen. Auf der Homepage verspricht die Geschäftsführung: "Es vergeht kein Tag ohne ein besonderes Ereignis." Wie wahr. Der 27. Mai hielt sogar ein sehr besonderes Ereignis bereit: Augenzeugen berichten, der Einsatz der Polizei in der Fünf-Sterne-Burg sei einem Anti-Terror-Kommando ähnlich gewesen.

Sieben Festnahmen gab es, als die Beamten nach Mitgliedern des Welt-Fußballverbandes Fifa suchten und unter anderem im Frühstückssalon fündig wurden. Einige der unter Korruptionsverdacht stehenden Herren, so hieß es, hatten schon ihr Rührei auf dem Teller, als sie abgeführt wurden. Das Geschirr hat dann sicher jemand ganz diskret abgeräumt.

Korruption ist ein Wort, an das sich die Welt gewöhnt hat. Sie ist eine messbare Größe in Politik und Wirtschaft, die Organisation Transparency International erstellt regelmäßig eine "Corruption Perception Index" genannte Tabelle, in der Nationen mit der höchsten Verbreitung von Bestechung und Bestechlichkeit auf den hintersten Plätzen geführt werden. 2014 waren das Somalia, Nordkorea und Sudan. Die Weltregierung des Fußballs fehlt in der Rangliste. Zieht man die jüngsten Vorwürfe heran, würde sich die Fifa unter den Schurkenstaaten wohl gut machen.

Das Besondere an der Fifa im Gegensatz zu Nordkorea, dem Sudan und Somalia ist, dass sie nicht am Ende der Welt in einem abgeschlossenen Gebiet agiert. Sie ist überall, als Geschäftspartner von Regierungen und Konzernen. Auch in Deutschland. Jeden, der Spielen der Nationalmannschaft mit Leidenschaft folgt, von der Fifa lizenzierte Fanartikel kauft - solche etwa, die das Land regelmäßig in eine schwarz-rot-goldenes Außenspiegel-Überzieher-Meer verwandeln -, jeden, der eine Reise zu einem großen Turnier bucht oder, wie die Deutschen 2006, es gleich selbst organisiert: Im Prinzip alle, deren Herz für dieses Spiel schlägt, geht die Fifa an. Sie besitzt den Fußball.

Der Verband macht Regeln, schreibt Gesetze, hat eigene Gerichtsbarkeiten. Er verteilt wie eine Regierung das verdiente Geld an die Mitgliedsprovinzen, kann nationale Verbände ausschließen oder aufnehmen, Spieler sperren oder begnadigen. Stellt jemand diese Regeln infrage, greift die Fifa bis zum letzten Dorfverein durch und lässt Zwangsabstiege von den nationalen Verbänden exekutieren.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB