Champions League der Frauen:Der Rekordsieger triumphiert

Lesezeit: 3 min

Champions League der Frauen: Der Grundstein für diesen Sieg: Amandine Henry (links) feiert ihr 1:0 für Olympique Lyon gegen den FC Barcelona.

Der Grundstein für diesen Sieg: Amandine Henry (links) feiert ihr 1:0 für Olympique Lyon gegen den FC Barcelona.

(Foto: Daniela Porcelli/Sports Press Photo/Imago)

Mit 3:1 besiegt Olympique Lyon die Titelverteidigerinnen des FC Barcelona - und gewinnt auch dank eines Traumtores zum achten Mal die Champions League.

Von Anna Dreher

Dieses Finale zwischen den Fußballerinnen des FC Barcelona und Olympique Lyon begann mit einem Knaller, der zum Vorboten für den Verlauf dieses Spiels werden sollte. Lyons Ada Hegerberg musste sich in der Nähe des eigenen Strafraums entscheiden, was sie mit dem Ball tun wollte. Sie wartete kurz ab und beschloss dann, ihn weg vom Tor zu passen, wo sie Amandine Henry sah. Doch die Französin kam nicht richtig ran und dann kam auch noch Barça-Kapitänin Alexia Putellas auf sie zu gerannt.

Beide verloren die Balance, im Fallen war es Henry, die die Kontrolle behielt, sich schnell aufrappelte - und spektakulär aus mehr als 25 Metern abzog. Aber nicht irgendwie. Sie donnerte den Ball präzise in einem schönen Bogen ins rechte Eck, wie es nur wenige Menschen vermögen. Danach wirkte Henry derart erleichtert, als sei ihr schon in diesem Moment bewusst gewesen, was dieses Tor in der sechsten Minute noch für Szenen nach sich ziehen sollte.

Zwei Stunden später fand sie sich in einem Haufen aus Mitspielerinnen wieder, mit Freudentränen in den Augen und überwältigt von dem, was eben geschehen war. Zum achten Mal hat Lyon die Champions League gewonnen. Der Sieger von 2020 setzte sich gegen den Sieger von 2021 durch. "So ein Spiel mit so einer Leistung zu gewinnen, gegen so ein unglaubliches Team, ist großartig", sagte US-Nationalspielerin Lindsey Horan. Von Anfang bis Ende hatten die Fußballerinnen von Trainerin Sonia Bompastor, die im April 2021 die Profis übernommen hatte, keinen Zweifel daran gelassen, dass an diesem Abend vor 32 257 Zuschauern im Juventus Stadion von Turin wieder Olympique Lyon in den silbernen Pokal graviert werden würde.

Bei der letzten Begegnung der beiden Klubs im Endspiel der Königsklasse 2019 war Barcelona gegen den Rekord-Champion chancenlos untergegangen. Die Partie damals war ein Wendepunkt für die Fußballerinnen aus Katalonien. Danach wollten sie härter, öfter und länger trainieren. Eine Entwicklung, die 2021 im Triple gipfelte. Diese eine Niederlage also hatte eine ganz neue Kraft freigesetzt. Doch nun wirkte es, als ob die Schmach wie ein Schatten auf den Spanierinnen lag und sie verunsicherte.

Wo ist Barcelonas Magie? Wo das Tiki-Taka?

Dem Team von Jonatan Giráldez unterliefen ungewöhnliche Fehler. Und es gelang der Defensive nicht, Lyon unter Kontrolle zu bringen. In der 23. Minute vollendete Hegerberg eine Flanke von Delphine Cascarino mit einem druckvollen Kopfball zum 2:0 vollendete. Der Treffer markiert das 59. Tor der Norwegerin in diesem Wettbewerb, so oft hat hier keine andere getroffen. Wo war Irene Paredes? Was machte Mapi Leon? Und Fridolina Rolfö? Barcelonas Defensive ließ Hegerberg gewähren. Und wenn die 26-Jährige drei Minuten später etwas präziser abgeschlossen hätte, wäre schon da nach einem Patzer der Barça-Defensive das 2:0 gefallen.

Champions League der Frauen: Die Coaches vor dem Finale: Sonia Bompastor (links) und Jonatan Giraldez.

Die Coaches vor dem Finale: Sonia Bompastor (links) und Jonatan Giraldez.

(Foto: Alberto Lingria/Reuters)

Lyon traf in Abwesenheit der verletzten deutschen Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan (Kreuzbandriss) über das gesamte Spiel die besseren Entscheidungen und ließ die Gegnerinnen in dieser ohnehin intensiven Partie kaum zur Ruhe kommen. Und Olympique ließ Weltfußballerin Putellas kaum gewähren. Die herausragende Mittelfeldakteurin wurde permanent gestört, von einer Spielerin, von zwei, von drei Spielerinnen - und unter einen solchem Druck unterliefen nicht nur ihr, sondern allen in diesem technisch hoch veranlagten und ansonsten für seinen dominierenden Stil gerühmten Team immer wieder Fehler.

"Wir haben viel Selbstvertrauen. Wir wissen, dass wir große Erwartungen geweckt haben", hatte Putellas zuvor noch gesagt. Aber wo blieb die Magie? Wo das Tiki-Taka? Barcelona wurde überrannt, statt sich zu entfalten. Nicht zuletzt in der 33. Minute, als letztlich Hegerberg den Ball im Strafraum von rechts diagonal weitergab und Catarina Macario ihn mit links an den Pfosten lenkte, von wo er über die Linie rollte. 3:0 - und gerade mal eine halbe Stunde war vorbei. Dass Sandra Paños nicht direkt danach wieder hinter sich greifen musste, verhinderte Barças Keeperin höchstselbst, als sie einen Hammer von Hegerberg wegboxte (36.).

Und dann bäumte sich Barcelona doch noch auf. Caroline Graham Hansen brachte eine ihrer berüchtigten Vorlagen in die Strafraummitte, präzise auf die heraneilende Putellas, die sich nun nicht mehr aufhalten lassen wollte. Flach, unhaltbar für Lyons Torhüterin Christiane Endler, traf sie zum 1:3 in der 41. Minute.

Es war ein Weckruf, der den Titelverteidigerinnen in der zweiten Hälfte mehr Sicherheit gab, der sie mutiger agieren ließ und die Offensive öfter in Tornähe brachte. Was auch an den Einwechslungen von Asisat Oshoala und Ana Maria Crnogorčević lag. Auf der Tribüne konnten sich die Zuschauer gar nicht beruhigen. Patricia Guijarro hätte aus 45 Metern beinahe noch Endler überrascht, der Ball ging aber an die Latte (59.). Die Fans von Lyon versuchten, die Fans von Barcelona mit ihren Gesängen zu übertrumpfen, mal setzten sich die einen, mal die anderen durch. Und unten auf dem Platz wurde die Partie ausgeglichener. In der Schlussphase war es Barcelona, das öfter angriff und die Richtung vorgab. Sie befreiten sich aus der anfangs so engen Umklammerung Lyons. Aber am Ende spielten sie nicht nur gegen Olympique, sondern auch gegen die Zeit - und verloren.

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