Bundesliga:"Das hat uns beflügelt"

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Bundesliga: Umkämpftes Spiel vor historischer Kulisse: Frankfurts Geraldine Reuteler (Mitte) im Duell gegen Sydney Lohmann (links) und Sarah Zadrazil vom FC Bayern München.

Umkämpftes Spiel vor historischer Kulisse: Frankfurts Geraldine Reuteler (Mitte) im Duell gegen Sydney Lohmann (links) und Sarah Zadrazil vom FC Bayern München.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Zum Saisonauftakt spielt Frankfurt gegen Bayern 0:0. Viel wichtiger aber ist der Rekord von 23 200 Zuschauern. Im Bestreben, die EM-Euphorie aufrechtzuerhalten, soll es künftig auch Montagsspiele geben.

Von Anna Dreher, Frankfurt

Nach dem Abpfiff folgte Stille. Irgendwer hatte die Musikbeschallung des Stadions vergessen. Aber als sich die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt aus ihrem Kreis gelöst hatten und auf den Weg über den Rasen machten, wurde es wieder laut. So viel Applaus, so viel Jubel kam auf, als hätten sie eben ein Finale erreicht. Dabei war dieser Wettbewerb gerade erst losgegangen. Zum Saisonauftakt der Bundesliga gab es ein zwar torloses, jedoch leidenschaftlich geführtes Spiel gegen den FC Bayern. Die Besonderheit des Abends war von vornherein ohnehin weniger auf spektakuläre Treffer ausgelegt, sondern auf den Rahmen dieser Begegnung. Und der war tatsächlich außergewöhnlich.

23 200 Besucher sind am Freitag gekommen, so viele wie nie in der 33-jährigen Geschichte der Frauen-Bundesliga. Den bisherigen Rekord hatten jene 12 464 Zuschauer aufgestellt, die sich 2014 die Partie des VfL Wolfsburg gegen den 1. FFC Frankfurt angeschaut hatten. Und nun war also gelungen, was mit dem Umzug vom Brentanobad in das große Stadion im Stadtwald erreicht werden sollte: Die Begeisterung rund um die Europameisterschaft in England und den Endspiel-Einzug des deutschen Nationalteams in den Alltag mitzunehmen.

"Das hat uns beflügelt, wir haben das auf dem Platz gespürt", sagte Frankfurts Nationalspielerin Laura Freigang. "Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wären wir jede Woche hier." Bayerns Giulia Gwinn fand: "Das war für uns etwas ganz Besonderes und genau das, was wir uns erhofft haben, dass die Euphorie nach der EM anhält. Das war sehr laut und ist etwas, das man auf dem Feld aufsaugt."

Das Thema bestimmte in Frankfurt den ganzen Tag, vor dem Abendspiel hatte der Deutsche Fußball-Bund zum Forum "FF27 Frauen im Fußball" geladen. 27, weil sich der DFB mit dem belgischen und dem niederländischen Verband um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2027 bewirbt. FF steht für Fast Forward, Aufbruchstimmung soll nun mehr denn je herrschen, um den Frauenfußball weiterzuentwickeln und ihm dauerhaft mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Vergangene Saison lag der Schnitt bei weniger als 1000 Zuschauern pro Partie - das soll bis zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Australien und Neuseeland deutlich und vor allem nachhaltig gesteigert werden.

Der DFB sieht eine Chance in Montagsspielen für die Frauen-Bundesliga

Sportliche Leistungen würden sich über gute Rahmenbedingungen entwickeln, sagte Martina Voss-Tecklenburg auf dem Podium, und in diesem Bereich gebe es noch einige Aufgaben zu erledigen: "Das sind so vielfältige Themen, wir haben noch viel vor uns und in der Liga gut was zu tun, um das Entwicklungspotenzial voranzutreiben", mahnte die Bundestrainerin. "Jetzt müssen wir nachhaltig dranbleiben, jetzt müssen wir hartnäckig bleiben." Spielerinnen müssten abgesichert sein, Investitionen dauerhaft getätigt werden.

Bundesliga: "Jetzt müssen wir hartnäckig bleiben": Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bei der Talkrunde zur Entwicklung des Frauenfußballs.

"Jetzt müssen wir hartnäckig bleiben": Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bei der Talkrunde zur Entwicklung des Frauenfußballs.

(Foto: Gawlik/Beautiful Sports/Imago)

Ihr fehle in der Diskussion zudem häufig der Aspekt, welchen Mehrwert Vereine von einer Mädchen- und Frauenfußballabteilung hätten. Die Integration helfe doch allen Klubs dabei, den nächsten Schritt zu machen. Wieso werde überhaupt bei den Zielgruppen getrennt zwischen Frauen und Männern? "Wenn ich Fan bin, bin ich doch Fan eines Vereins."

Ein Baustein zur Steigerung der Aufmerksamkeit soll auch die Vergabe der Medienrechte für die Jahre 2023 bis 2027 sein. Holger Blask, als Geschäftsführer Marketing und Vertrieb beim DFB für die TV-Vermarktung zuständig, hatte zuvor schon über Montagsspiele als Alleinstellungsmerkmal gesprochen. Am Freitag bestätigte er diesen Schritt: "Es wird ein Spiel am Montagabend geben." Die erste, zweite und ab kommendem Jahr auch die dritte Liga der Männer habe sich dagegen entschieden, sagte Blask: "Hier steckt offenkundig Potenzial drin, es wird nur die Frauen-Bundesliga geben. Das Interesse ist da." Man habe verschiedene TV-Pakete zusammengestellt, die vom 29. September an auf den Markt kämen. Die Anstoßzeit könne der jeweilige Medienpartner in einem gewissen Rahmen mitbestimmen. Eine Entscheidung soll im Oktober getroffen werden.

Am Abend wirkte dann vor allem die Kulisse der Gegenwart bei allen nach, die als Zeichen für das Potenzial gewertet wurde, das nun genutzt werden soll. Von einem "historischen Tag" sprach Eintracht-Trainer Niko Arnautis. "Das ist ein Traum. Es können heute alle ziemlich stolz darauf sein, was hier geschaffen wurde", sagte Siegfried Dietrich, Generalbevollmächtigter der Eintracht. "Das hat eine Signalwirkung für die Frauen-Bundesliga - und sicher auch für die anderen Vereine."

Zum Saisonstart von Meister und Pokalsieger Wolfsburg gegen die SGS Essen (4:0) kamen am Samstag trotz Regen 3217 Besucher ins AOK Stadion. Und zwei weitere Partien, das steht bereits fest, werden demnächst in einem großen Rahmen stattfinden. Die TSG Hoffenheim empfängt Wolfsburg beim zweiten Spieltag am 24. September im Sinsheimer Stadion. Das Spitzenspiel zwischen dem VfL und dem FC Bayern (am Wochenende vom 21. bis 23. Oktober) findet in der Volkswagen Arena statt. Schon bald könnte es also einen neuen Zuschauerrekord geben.

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