Jérôme Boateng in Frankreich:Boateng gegen Messi - war da nicht mal was?

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Messi stürmt, Boateng fällt um: Schlüsselszene aus dem Champions-League-Halbfinale des FC Bayern in Barcelona im Mai 2015

(Foto: Bernd König/imago)

Jérôme Boateng trifft mit seinem neuen Klub Lyon auf Paris und Lionel Messi. Alte und neue Bilder spielen eine Rolle - auch jene des Prozesses wegen Körperverletzung.

Von Javier Cáceres, Paris

Es gibt Bilder, die gehen nicht weg. Und Jérôme Boateng dürfte sich wünschen, dass sie alle so banal wären wie jene, die just an diesem Wochenende aufpoppen werden und um eine Nebensache namens Fußball kreisen. Am Sonntag gastiert Boateng mit seinem neuen Klub Olympique Lyon im Prinzenparkstadion der französischen Hauptstadt - und trifft dort auf Lionel Messi, der sein Heimdebüt für Paris Saint-Germain feiert.

Boateng gegen Messi, war da nicht mal was?

Et voilà: Mai 2015, Champions-League-Halbfinale im Camp-Nou-Stadion des FC Barcelona, 3:0 für die Hausherren und vor allem die Szene vor dem 2:0, die jeden Messi-Ikonologen beschäftigt. Messi deutete an, im Strafraum nach links zu ziehen, zog den Ball dann aber doch nach rechts; Boateng drehte sich um die eigene Achse und sank zu Boden, als ob jemand eine Axt an ihn gelegt hätte. Als er auf dem Bauch lag, hatte Boateng, immerhin, eine privilegierte Sicht darauf, wie Messi auch Bayerns Torwart Neuer düpierte, mit einem subtilen Lupfer.

Boateng wurde von Olympique Lyon Anfang September verpflichtet, wenige Tage vor seinem 33. Geburtstag, vor allem aber: wenige Tage vor der Entstehung eines anderen Bildes, das ihn noch länger verfolgen wird. Das Foto vom Prozess in München, an dessen Ende er wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Euro verurteilt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Boateng eine frühere Lebensgefährtin im Juli 2018 im Karibik-Urlaub geschlagen und beleidigt hatte. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage haben laut Amtsgericht München Berufung eingelegt, am Donnerstag tat dies auch der Beklagte. Boateng räumte im Verfahren einen heftigen Streit ein, er bestreitet aber, die Frau geschlagen zu haben.

Hat sein neuer Klub erst nach dem Transfer vom Prozess erfahren?

Auch in Frankreich hat der Fall Beachtung gefunden. In den sozialen Netzwerken wurde Boateng schwer attackiert. Boateng hat sich medial bislang nicht geäußert; von Lyon gab es auf eine Gesprächsanfrage der SZ keine Reaktion. So ist offen, ob die Kolportage französischer Medien stimmt, dass der Klub von den Vorwürfen erst erfuhr, als Boateng bereits unterschrieben hatte, eine Auflösung des Vertrags aber nie zur Debatte gestanden habe, auch nicht nach dem Prozess.

Als Boateng am Wochenende erstmals für Olympique eingewechselt wurde, feierten ihn die Fans in Sprechchören. Sie sehen in ihm den zweimaligen Champions-League-Sieger und zehnmaligen Deutschen Meister, der den jungen Spielern mit seiner Erfahrung Orientierung bieten kann. Sportlich jedenfalls.

Am Donnerstag wurde Boateng von Trainer Peter Bosz, früher Coach in Dortmund und in Leverkusen, erstmals in die Startelf berufen. Beim 2:0-Sieg bei den Glasgow Rangers bot Boateng eine ordentliche Vorstellung. Man merkte ihm an, dass sein letztes Pflichtspiel fast vier Monate zurücklag, die Leistung aber war solide genug, um von der Zeitung L'Équipe mit 4 von 10 Punkten benotet zu werden.

Als er in der 65. Minute ausgewechselt wurde, hatte Lyon schon das Endresultat hergestellt (2:0), es darf daher vermutet werden, dass Boateng geschont wurde. Um am Sonntag in Paris in der Startelf zu stehen und einem Dämonen namens Vergangenheit zu begegnen. Der marterte ihn wohl nicht lange, weil er sich rasch daran erinnerte, dass er doch 2014 mit Deutschland gegen Messi (und die Argentinier) Weltmeister geworden war.

© SZ/Grö/cca/and
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