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Formel E:Ansturm der Anbieter

Die neue Serie erlebt einen Ansturm der Anbieter. Davon aber sollte sich keiner täuschen lassen. Wie gut das Produkt bei den Konsumenten langfristig ankommt, ist nämlich keineswegs klar. Die E-Formel ist eine Wette auf die Zukunft, ein spannendes Start-up. Mehr aber erst mal noch nicht. Die Übertragung des Rennens am 12. November in Marrakesch verfolgten bei Eurosport gerade einmal 80 000 Zuschauer.

Zum Vergleich: Die Formel 1 kam einen Tag später mit dem Großen Preis von Brasilien bei RTL im Schnitt auf 6,83 Millionen. Selbst für sie war das aber ein herausragender Wert. Seit vor einigen Jahren die Hybridtechnik Einzug hielt, erreicht die Formel 1 derlei Ausschläge nur noch selten. Die Autos seien zu leise geworden, lautet ein Kritikpunkt. Manche Traditionalisten behaupten gar: Vernünftige Technik sei generell kontraproduktiv, weil sie einem Grundprinzip des Spektakels zuwiderlaufe; der Motorsport müsse unvernünftig sein. Gerade das begründe seine Faszination.

Die Formel E setzt auf Stadtrennen. Weil die Autos nicht röhren und nicht stinken, kann sie dort antreten, wo die Menschen von röhrenden und stinkenden Autos genug haben. Mitten in Berlin zum Beispiel, in Paris oder in New York. Sie hat damit das Zeug dazu, etwas zu werden, was die Formel 1 nie war: ein Metropolen-Spektakel. Hinkommen und ankommen sind aber zweierlei. Die entscheidende Frage ist, wie groß das Interesse an den Autos, die nicht röhren und stinken, sondern nur pfeifen und quietschen, wirklich ist.

Noch befindet sich das Projekt in der Aufbauphase. Und viele der Aufbauhelfer für die neue Welt stammen aus der alten. Titelträger Sébastien Buemi zum Beispiel, Nelsinho Piquet oder Nick Heidfeld. Der 39-Jährige war in seinen elf Formel-1- Jahren bei sechs Rennställen beschäftigt (Prost, Sauber, Jordan, Williams, BMW, Renault). 2011 endete Heidfelds Karriere auf der großen Bühne, seit dem Start der Formel E ist er nun schon auf der kleineren dabei. Seine Einschätzung zu dem Hersteller-Ansturm: "Das macht die Sache sportlich nicht einfacher, aber wir freuen uns alle darüber."

Trotz der Konkurrenz sei die Stimmung unter den Fahrern "extrem gut". Man versuche in der Formel E eben noch "an einem Strang zu ziehen", sagt Heidfeld: Wenn die Formel 1 ein riesiger Kuchen sei, von dem jeder ein Stück abhaben wolle, dann sei die Formel E eine kleine Torte, an der alle gemeinsam backen.

© SZ vom 18.11.2016
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