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Ermittlungen um Fifa-Boss Infantino:Fifa-Boss Infantino und der Oberstaatsanwalt sind alte Freunde

In jedem Fall scheint die Person Infantino bei der Schweizer Justiz einen besonderen Status zu haben. Am Wochenende enthüllte das Medienkonsortium European Investigative Collaborations (EIC) Mails, die zeigen, wie eng der Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold mit Fifa-Boss Infantino verbandelt ist, einem Jugendfreund. Arnold war es, der das erste Treffen im März 2016 einfädelte, indem er den Gesprächswunsch der Fifa an die BA weitertrug - und sogar selbst an dem Treffen teilnahm, an der Seite der Fifa.

Auch danach hielt er Infantino auf dem Laufenden. Pikant: Im Mai bot sich Arnold laut der Schweizer Zeitung Tagesanzeiger Infantino gar als stellvertretender Fifa-Generalsekretär an. Weil Arnold auch Geschenke angenommen haben soll, kündigte die Generalstaatsanwaltschaft eine Untersuchung an. Arnold bestreitet die Vorwürfe; er sagt, er pflege nur privaten Kontakt zu Infantino.

Eine Strafanzeige gegen Infantino im Kontext der WM-2006-Affäre weist die Behörde ab

Es gibt einen weiteren Vorgang, der das Verhältnis BA/Infantino tangiert. Der Kontext: die WM-2006-Affäre, in der die Behörde gegen die früheren deutschen WM-Organisatoren um Franz Beckenbauer wegen Verdachts auf Untreue ermittelt. Ende August fragte die SZ die BA, ob es korrekt sei, dass in diesem Zusammenhang Anzeige gegen Infantino erstattet worden sei. Erst eine Woche später kam eine Antwort: Es habe im Mai eine Anzeige gegen Infantino gegeben, verfasst von Theo Zwanziger, dem früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes und eine der Personen, gegen welche die BA ermittelt. Vorwurf: ungetreue Geschäftsbesorgung im Rahmen der WM-2006-Affäre. Aber es wurde kein Verfahren gegen Infantino eröffnet, wie die BA Zwanzigers Anwalt am 4. September mitteilte - nach der SZ-Anfrage.

Hintergrund der Anzeige war, dass die Fifa im Geld-Karussell um die WM 2006 eine zentrale Rolle spielte. Im Jahr 2002 hatte der vormalige Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus dem WM-Organisator Beckenbauer zehn Millionen Franken geliehen, die am Ende diverser Transaktionen beim Fifa-Skandalfunktionär Mohammed bin Hammam in Katar landeten - mit bis heute nicht geklärtem Zweck. Bei der Rückzahlung 2005 überwiesen die deutschen WM-Macher das Geld (6,7 Mio. Euro) an die Fifa und deklarierten es als Beitrag für eine Gala, die nie stattfand. Und die Fifa leitete es am selben Tag an Louis-Dreyfus weiter - mit verändertem Verwendungszweck.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die Organisatoren der WM 2006

Die BA ermittelt deshalb gegen die WM-Macher um Beckenbauer: Sie hätten gewusst, dass die Rückzahlung die Tilgung einer Schuld war, die nichts mit dem DFB zu tun hatte. Zwanziger indes beklagt: Warum tut Infantino nichts, um das Geld bei Bin Hammam zurückzuholen, zumal im Emirat Katar die nächste WM stattfindet? Ist das nicht ungetreue Geschäftsführung?

Die BA folgte dem nicht. Ihr Argument: "Es ist (...) nicht ersichtlich, dass die Zahlungen von (...) CHF 10 Millionen im Jahr 2002 von der Fifa stammten respektive über Bankverbindungen der Fifa abgewickelt wurden. Es ist somit auch nicht nachvollziehbar, welcher Anspruch der Fifa daraus entstanden wäre, und welchen Anspruch sie diesbezüglich heute noch gegen Mohammed bin Hammam geltend machen könnte." Zudem habe sich die Fifa als Privatklägerin dem Verfahren angeschlossen und könne etwaige Schäden im Zusammenhang mit der Zahlung von 2005 nach wie vor geltend machen.

Der Umgang Infantinos mit Paris und Manchester führt zu den nächsten relevanten Vorwürfen

Also verfügte die BA zu der Strafanzeige eine "Nichtanhandnahme". Bemerkenswert: Der Schritt besagt gemäß Schweizer Gesetzestext, dass der fragliche Straftatbestand "eindeutig" nicht erfüllt sei. Zwanziger sagt nun: "Ich musste am eigenen Leib erfahren, wie parteiisch diese Bundesanwaltschaft arbeitet. Die Erkenntnisse der letzten Tage bestätigen meinen Verdacht. Wenn die Schweizer Justiz ihr Gesicht nicht verlieren will, ist es unglaublich wichtig, diesen Laden jetzt zu durchforsten."

Funktionäre in Europa treibt um, ob die BA nicht auch aufgrund weiterer, neuer Vorwürfe gegen Infantino ermitteln müsste. Der soll als Uefa-General Financial-Fairplay-Prozesse gegen Topklubs aus Paris und Manchester manipuliert haben; gegen die Regeln und zu Lasten der Uefa, die deshalb viel zu geringe Bußgelder erhielt. Als Generalsekretär hatte Infantino jedoch eine klare Vermögensbetreuungspflicht für die Uefa. Und dass er in Paris SG den Klub des Emirats Katar begünstigt haben soll: Gehört das nicht eruiert im Zuge bereits laufender Ermittlungen der BA zu Katar? Bern hat viele Fragen zu beantworten.

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