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FC Bayern im Supercup:Eine Reise, die nur wenige verstehen

FC Bayern München: Thomas Müller und Benjamin Pavard gegen Schalke 04

Thomas Müller (re.) und Benjamin Pavard spielen seit langem wieder einmal vor Fans.

(Foto: imago images/MIS)

Fußball im Risikogebiet und dann auch noch mit bis zu 20 000 Zuschauern: Der Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla stößt auf viel Unverständnis - die Kritik an der Uefa wächst.

Von Sebastian Fischer

Eigentlich hatte er sich auf sein erstes Spiel im Stadion seit einem halben Jahr ziemlich gefreut, allen Risiken zum Trotz. Matthias Hentschel, der Vorsitzende vom "Club Nr. 12", dem Zusammenschluss der aktiven Fans des FC Bayern, hatte seine Karte für den Supercup an diesem Donnerstag schon gekauft, auch die Zugfahrt nach Budapest schon gebucht, gemeinsam mit ein paar Freunden wollte er reisen. Doch als er am Montag die Aussagen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder las, der vor einer Reise in die vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärte ungarische Hauptstadt warnte und eine Verschärfung der Quarantäneregeln ankündigte, da stornierte er. Seitdem ist Hentschel vor allem wütend auf die Uefa; wütend darauf, dass Europas Fußball-Union das Spiel, auf das er sich so freute, noch nicht abgesagt hat: "Offensichtlich ist denen das Risiko egal."

CSU-Chef Söder gab am Dienstag bekannt, was er tags zuvor bereits vorausgesagt hatte: Die Aufhebung der Quarantänepflicht für Rückkehrer von einer weniger als 48 Stunden dauernden Reise in ein Risikogebiet gilt in Bayern jetzt nicht mehr für Besucher von Sportveranstaltungen, "das trifft insbesondere das Thema Supercup". Doch die Uefa bleibt der Kritik zum Trotz bei ihrem Plan, die Begegnung zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla als eine Art Pilotprojekt für die Rückkehr von Zuschauern im europäischen Fußball austragen zu wollen: Rund 20 000 Menschen, 30 Prozent des Fassungsvermögens der Puskas-Arena, sollen zusehen dürfen.

Die Zahl jener Anhänger, die aus dem Ausland anreisen, wird aber weitaus geringer sein, als sich der Verband das vorgestellt hatte. Söder sagte zwar, dass Testmöglichkeiten bei der Rückkehr zur Verfügung stehen würden; mit einem ärztlichen Zeugnis, wonach keine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt, sind Reiserückkehrer von der Quarantäne ausgenommen. Aber er bat darum, dass sich jene, die weiterhin nach Budapest wollen, "noch mal ganz genau überlegen, ob das sinnvoll ist". Viele haben das schon getan.

Am Montag hatte Markus Söder vor einem "Fußball-Ischgl" gewarnt, in Anlehnung an den österreichischen Skiort, der im Frühjahr zum Corona-Hotspot geworden war. Von einem möglichen Kontingent von 3000 Tickets hatte der FC Bayern ohnehin nur 2100 angefragt, 800 potenzielle Zuschauer hatten am Dienstag schon vor Söders Verkündungen ihre Tickets zurückgegeben. Aus Sevilla lagen der Uefa sogar weniger als 500 Anfragen vor.

Hentschel, der Bayern-Anhänger, sagt, er kenne durchaus Fans, die weiterhin ins Stadion wollten. Es gebe keine gemeinsame Reise der organisierten Fanszene, wie es vor Corona üblich war, jeder entscheide das für sich selbst, betont er. Hentschel, 31, erzählt aber auch von Bekannten, die sich am Montag zuerst im Parkhaus an der Allianz Arena auf das Virus testen ließen - und ihre Reise danach doch stornierten. Auch am Dienstag konnten sich Fans auf Initiative des Klubs am Stadion noch testen lassen, unter dem Motto, das einem Foto auf der Arena-Webseite zufolge hinter den Testern im Schutzanzug auf einem Transparent stand: "Super Cup? Super Safe!".

Keine Sponsorenvertreter sollen mitreisen

So überzeugt wie das klingt, sind im Verein allerdings nicht alle. Nach dem 8:0 gegen den FC Schalke am ersten Bundesliga-Spieltag sagte Trainer Hansi Flick zur anstehenden Reise: "Es ist schon eine Sache, die man nicht ganz so versteht." Gewinnen will er den nächsten Titel natürlich trotzdem, und so ging am Dienstag die sportliche Vorbereitung weiter: Robert Lewandowski, der am Montag noch im Training gefehlt hatte, war wieder dabei. Gegen Schalke hatte sich der Stürmer eine Prellung am linken Fuß zugezogen, am Donnerstag soll er einsatzbereit sein.

Wenn die Mannschaft am Mittwochnachmittag mit einem Charterflieger nach Budapest reist, soll der Kreis um die Profis möglichst klein gehalten werden, keine Sponsorenvertreter reisen mit, auch keine Köche zum Beispiel, insgesamt nur rund 30 Leute. Auch DFB-Präsident Fritz Keller, der wohl zu einer deutschen Delegation hätte gehören können, sagte dem Sport-Informationsdienst, dass er nicht anreisen werde: "Wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen."

Die Uefa beteuert, dies werde am Donnerstag auch in der Puskas-Arena geschehen. Für die Entscheidung, den Supercup unbeirrt nach Plan austragen zu wollen, wird der Verband allerdings nicht nur aus Deutschland kritisiert. Der Bürgermeister von Porto, Rui Moreira, drohte der Uefa am Montag gar mit einer Klage. Ursprünglich war die Stadt in Portugal als Austragungsort vorgesehen, und die kritische Corona-Lage dort als Grund für die Verlegung angegeben worden, sagte Moreira: "Sie hätten sagen können, die Champions League wurde in Lissabon ausgetragen, wir wollen nicht ins gleiche Land gehen. Das wäre nachvollziehbar gewesen." So aber bezichtigte er die Uefa, die Unwahrheit zu sagen. Er sagte: "Ich wüsste nicht, dass es in Budapest keine Pandemie gibt..."

Viktor Orban, Ungarns Ministerpräsident, wird übrigens als Tribünengast erwartet. Und vielleicht sitzt in seiner Nähe wie so oft auch sein Vertrauter Sandor Csanyi, der als reichster Mann Ungarns gilt und dem nationalen Fußball-Verband vorsteht. Er sitzt auch als Vizepräsident im Uefa-Exekutivkomitee.

© SZ vom 23.09.2020/ska
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