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Kader von RB Leipzig:Zu viel der Guten

RB Leipzig: Spieler bejubeln ein Tor gegen Mainz 05

Emil Forsberg (Mi.) feiert mit Yussuf Poulsen (re.) und Dani Olmo (li.) nach seinem 1:0.

(Foto: AFP)

RB-Trainer Julian Nagelsmann wird zum Dirigenten der guten Laune: Er muss eine Fülle an formstarken Spielern verwalten und sorgt dabei nicht nur für Begeisterung. Nun steht noch ein weiterer Transfer kurz bevor.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Dani Olmo hatte es kommen sehen. Und doch wirkte es, als ob er es nicht glauben wollte, dass an der Seitenlinie die Tafel mit seiner Rückennummer hochgehalten wurde. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann stand dort, und auch er wirkte, als würde er ahnen, dass ihn eine Diskussion mit einem enttäuschten jungen Mann erwartete, und er versuchen würde, ihr umgehend die Spitze zu nehmen. Er suchte Olmo, als der spanische Nationalspieler seinen größtenteils mit hängendem Kopf beschrittenen Weg vom Feld abgeschlossen hatte. Doch zu besänftigen war der nicht: Er gab Widerworte, das war deutlich zu sehen. Auch wenn der Wortlaut aus der Ferne nicht zu vernehmen war, so stand recht eindeutig zu vermuten, dass Olmo höflich, aber bestimmt fragte: Warum ich? Warum jetzt? Warum überhaupt?

Knapp 70 Minuten waren da gespielt, das Endergebnis von 3:1 gegen den 1. FSV Mainz 05 stand bereits fest, und Olmo war gerade der Hinterkopf aufgeschlagen worden; der Mainzer Moussa Niakhaté hatte ihn unabsichtlich mit dem Knie getroffen. Das Blut, das geflossen war, konnte noch gar nicht richtig trocken sein - Olmo hatte weiterspielen wollen.

Gute Spieler riechen einander, hat der einstige Fußball-Regisseur Bernd Schuster einmal in einem anderen Zusammenhang gesagt, und Olmo hatte am Sonntag einen Partner gefunden, mit dem er kongenial harmoniert hatte: den Schweden Emil Forsberg. Hätte dieser seinen Schlenzer aus der 40. Minute nicht knapp verzogen, so wäre ein Tor viral gegangen, wie man neudeutsch sagt: wegen des geistesgegenwärtigen Absatzkicks, mit dem der spielfreudige Olmo den Schweden bedient und drei Mainzer außer Gefecht gesetzt hatte. "Wir mögen es, Fußball zu spielen und Kombinationen zu finden", sagte Forsberg. Und fürwahr, das hatten sie. Ohne Ende.

"Wir haben sehr viele Spieler auf einem ähnlichen Niveau, die sich alle gegenseitig pushen", berichtete Nagelsmann, und das trat gegen phasenweise völlig überforderte Mainzer überdeutlich zutage. Kevin Kampl, Tyler Adams und Amadou Haidara ließen den Ball mit Olmo und Forsberg geschwind kreisen; die Leipziger spielten 746 Pässe, die Mainzer 268, und dass sie nicht untergingen wie im Vorjahr, hatte vor allem damit zu tun, dass die Leipziger viele Chancen ausließen.

Norwegens Mittelstürmer Alexander Sörloth soll kommen

Forsberg traf erst durch einen - von Olmo herausgeholten - Foulelfmeter zur Führung und lieferte unter anderem einen Pfostentreffer nach feinem Solo; das 2:0 von Yussuf Poulsen fiel nach Olmo-Flanke per Kopf. In der 51. Minute bediente Forsberg wiederum Amadou Haidara, auf dass dieser kurz nach dem Anschlusstreffer von Jean-Philippe Mateta den 3:1-Endstand erzielen konnte (51.). Dass Olmo ausgewechselt wurde, hatte einerseits mit der Verletzung aus dem Unfall mit Niakhaté zu tun; "beim Kopf bin ich immer ein bisschen empfindlich", sagte Nagelsmann. Andererseits war es auch eine Frage des herausfordernden Personalmanagements.

"Wir haben noch viele Spieler auf der Bank, die sauer sind, wenn sie nicht spielen ...", sagte der Coach, auch Forsberg zählte neulich noch dazu. Nagelsmann hatte ihm beim Champions-League-Turnier in Lissabon fantastische Trainingsleistungen attestiert, aber weitgehend außen vorgelassen. "Ich habe mich lange gut gefühlt", sagte Forsberg am Samstag. Das gilt offenkundig auch für den aus Salzburg nach Leipzig delegierten Koreaner Hwang Hee-Chan, der durch die Olmo-Auswechslung zu seinem Bundesligadebüt im Heim-Stadion kam; "das ist auch etwas Schönes für einen Zugang", argumentierte Nagelsmann. Später kam noch Christopher Nkunku für Forsberg von der Bank. Dort saßen noch der zuletzt verletzte Marcel Sabitzer und Ademola Lookman, der den Verein offenbar verlassen soll. Denn das Gedränge um die Planstellen in Leipzigs Offensive wird nicht kleiner.

Am Montag wurde der norwegische Mittelstürmer Alexander Sörloth zum Medizincheck in Leipzig erwartet. Der wurde dann aber kurzfristig abgesagt. Noch am Sonntag hatte RB-Boss Oliver Mintzlaff bei Sky bestätigt, dass man "auf der Zielgeraden" sei, Manager Markus Krösche äußerte sich ähnlich. Allerdings sind mehr Parteien als sonst involviert. Sörloth, 24, steht bei Crystal Palace unter Vertrag; der englische Klub hatte ihn zuletzt an den türkischen Erstligisten Trabzonspor verliehen. Sollte sich die Verpflichtung bewahrheiten, worauf alles hindeutet, hätte Trainer Nagelsmann eine weitere Alternative im Sturm, die nach dem Weggang des ausgeliehenen Tschechen Patrik Schick (nunmehr Leverkusen) und dem Abschied von Timo Werner nach London durchaus benötigt wird. "Spieler mit Qualität sind immer herzlich willkommen. Wir haben so viele Spiele", sagte Poulsen, der in direkter Konkurrenz zu Sörloth stehen würde. Der 1,94 Meter große Norweger hatte in der Türkei für Trabzonspor 24 Tore erzielt - und die wollen auch erst mal geschossen sein.

© SZ vom 22.09.2020/ska
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