Robben und Ribéry beim FC Bayern Sie gehen im Kitsch

Ein Abschied wie gemalt: Arjen Robben (links) und Franck Ribéry

(Foto: REUTERS)
  • Was die Menschen am Samstag in München wirklich berührt hat, war die Verabschiedung von Franck Ribéry und Arjen Robben.
  • Beide schießen in ihrem letzten Heimspiel ein Tor.
  • "Das kann man nicht besser inszenieren, das kann man nicht besser schreiben", sagte Trainer Kovac.
Aus dem Stadion von Benedikt Warmbrunn

Auf einmal tauchte er nochmal in dem Strafraum vor den eigenen Fans auf, in diesem Rechteck, in dem er hunderte gute Szenen hatte, in dem er Gegenspieler kunstvoll austanzte und alle narrte, Tore in formvollendeter Schönheit erzielte, in dem er so oft sein einzigartiges Gespür für den Moment zeigte. Franck Ribéry stand vor den Fans, der Boden vor ihm war überdeckt mit Glitzerschnipseln. Er nahm sich das Mikrofon. Doch nun überwältigte ihn der Moment. Franck Ribéry, 36 Jahre alt, zwölf davon als Fußballspieler des FC Bayern, weinte.

Sie haben am Samstagnachmittag in der Arena des FC Bayern schon auch den Meistertitel gefeiert, dessen Gewinn ja so spannend ausgefallen ist wie keiner seiner sechs Vorgänger. Das Feiern dieser Titel ist für einen Serienmeister allerdings auch eine Sache der Routine. Was die Menschen am Samstag aber wirklich berührt hat, weswegen sie auch gekommen sind und was ihnen vermutlich mehr bedeutet hat als der Titel, das war diese Verabschiedung. Der letzte Auftritt von Ribéry und Arjen Robben in der eigenen Arena.

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Die erste große Flügelzange der Vereinsgeschichte

Schon vor dem Anpfiff hatten die beiden erste Abschiedsgrüße erhalten. Beim Aufwärmen wurden sie kurz zur Seite gebeten, für ein paar erste Worte des Dankes. Und natürlich auch, um erstmals den Applaus der Anhänger zu empfangen. Dass sie dabei im Aufwärmen ihrer ja nicht gerade unempfindlichen Muskeln gestört wurden, war nicht weiter dramatisch: Trainer Niko Kovac ging in seinem Dank nicht so weit, dass er sie in die Startelf stellte. Dass Ribéry und Robben genauso wie Rafinha vor dem Anpfiff von den Bossen Umarmungen und Bilder erhielten, beeinträchtigte daher die nötige Konzentration ebenfalls nicht weiter.

Ein letzter Nachmittag von Ribéry und Robben in der eignen Arena also. Von den zwei Spielern, die den Klub geformt haben wie nur wenige zuvor. Von der Spielanlage her, als erste große Flügelzange der Vereinsgeschichte. Von den Erfolgen her, die sie den Fans beschert haben, allen voran den Titel in der Champions League 2013, Zuspiel Ribéry, Siegtor Robben. Geformt haben die beiden den FC Bayern aber auch, indem sie den Menschen Freude am Stadionbesuch geschenkt haben. Durch ihre Art, Fußball zu spielen. Und durch ihre persönliche Art. In München sind ja längst mehr als nur zwei Fußballer, sie sind Rib & Rob, Robbery.

Ribéry, dieser französische Schlingel, war den Fans dabei schon immer sehr nahe, nie um einen Scherz verlegen, immer fröhlich. Bei Robben dauerte es ein bisschen. 2012, nach dem verlorenen Finale Dahoam, bei dem Robben einen Elfmeter verschoss, hatten ihn ja auch die eigenen Anhänger ausgepfiffen. Längst vergessen.

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"Das kann man nicht besser inszenieren"

Der Jubel in der Arena war am Samstag bei den ersten drei Toren bei diesem 5:1 gegen Frankfurt laut, natürlich, diese drei Tore sicherten ja den Titel. Noch lauter wurde es aber, als Ribéry eingewechselt wurde, in der 61. Minute. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so laut, wurde es auch fünf Minuten später, als Robben ins Spiel kam. Es war jetzt endgültig ihr Nachmittag.

Es braucht wahrscheinlich so eine Karriere wie die von Ribéry in München und wie die von Robben, der ja immerhin zehn Jahre in München gespielt hat, um dann auch noch von all den höheren Mächten im Fußball verabschiedet zu werden. 74. Minute: Ribéry dribbelt in den Strafraum, an zwei Frankfurtern vorbei, dann löffelt er den Ball ins Tor, sein 86. Ligatreffer. 78. Minute: David Alaba legt den Ball quer, das Tor war leer, Robben musste den Ball nur noch einschieben, sein 99. Treffer in der Bundesliga. Beide wurden anschließend jeweils begraben unter ihren Mitspielern. "Das kann man nicht besser inszenieren, das kann man nicht besser schreiben", sagte Trainer Kovac.

Um kurz vor 18 Uhr stand dann Ribéry vor den eigenen Fans, weinend. Er wollte etwas sagen, er kämpfte mit den Emotionen, "Dankeschön", sagte er, stammelte, dann sammelte er all seine Kraft. Er rief: "Mia san mia." Er rief es in akzentfreiem Bairisch.

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