Basketball:Süßes oder Saures

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Basketball: "Er wird sehr viel für uns tun können": Isaac Bonga (l.), hier gegen Crailsheims Myles Stephens, kam nach Verletzung zu seinen ersten Einsätzen beim FC Bayern.

"Er wird sehr viel für uns tun können": Isaac Bonga (l.), hier gegen Crailsheims Myles Stephens, kam nach Verletzung zu seinen ersten Einsätzen beim FC Bayern.

(Foto: Marcel Engelbrecht/Eibner/Imago)

Dem völlig missglückten Start in die Euroleague lassen die Bayern-Basketballer einen souveränen Sieg in der Bundesliga folgen. Hoffnungen ruhen auf den Debütanten Elias Harris und Isaac Bonga.

Von Christoph Leischwitz

Ein schlechter Start, und dann steht auch noch Halloween vor der Tür - schöne Bescherung! Zumindest scheinen die Basketballer des FC Bayern noch nicht komplett den Humor verloren zu haben. Andreas Obst, Freddie Gillespie und Cassius Winston dachten eigentlich, sie müssten ein hauseigenes Interview geben, doch dann ging plötzlich bei jedem Einzelnen von ihnen das Licht aus, und ein Monster schrie sie von hinten an. Der vergleichsweise unerschrockene Obst hatte eine souveräne Antwort parat: "Mich kann gerade gar nichts mehr schocken", sagte er. Dabei hatte er wohl auch den Horror-Start in die Euroleague im Kopf.

Nach einem 72:78 bei Roter Stern Belgrad am Freitag sind die Bayern nämlich nach fünf sieglosen Spieltagen Letzter in der europäischen Spitzenklasse, zum Vergleich: Alba Berlin liegt auf Rang fünf. Am Sonntagnachmittag nun, bei der Bundesliga-Pflichtaufgabe gegen die Merlins Crailsheim, blitzte das Können zumindest oft genug auf, um nicht noch einen schauerlichen Tag zu erleben.

Eine Stunde vor dem Tip-off im Audi Dome saßen viele Gäste noch draußen im Biergarten, andere schminkten sich für das Familien-Event mit Halloween-Ambiente. In der Halle verfolgten die Zuschauer einen nie gefährdeten 88:77 (49:40)-Erfolg. "Offensichtlich wollten wir zurück in die Spur kommen", freute sich Trainer Andrea Trinchieri anschließend, auch wenn er auch diesmal einige Schwächen im Spiel seines Teams detektiert hatte.

Trinchieri ist im Prinzip permanent am Improvisieren. Viele der Schwächen, sagt der Cheftrainer, rührten daher, dass "viele nicht in derselben Verfassung" seien. So freute sich der 54-jährige Headcoach dann besonders darüber, dass ganz allmählich Konstanz einkehrt: "Es ist das erste Mal in drei Jahren, dass ich an einem Freitag und an einem Sonntag denselben Kader zur Verfügung habe. Das erste Mal!"

Auch der einstige Bamberger Harris findet sich nach seinen Gastspielen in Spanien und Japan gut ein

Zu diesem Kader, der im ersten Viertel gegen Crailsheim mit 33 Punkten loslegte, gehörten auch zwei Spieler, die am Freitag ein Belgrad ihr Bayern-Debüt, nun ja, gefeiert hatten. Isaac Bonga verbuchte gleich im ersten Ballbesitz einen Assist, im zweiten seine ersten beiden Bundesliga-Punkte der Saison. Der gebürtige Koblenzer war aus der NBA nach München gewechselt, stößt aber wegen einer Syndesmose-Verletzung eigentlich erst jetzt zum Team.

Am vergangenen Freitag in Belgrad stand er ein paar Minuten auf dem Parkett, diesmal gleich unter den ersten Fünf. Sechs Punkte mögen zwar nicht allzu viel sein, aber immerhin kam der 22-Jährige auf acht Rebounds und vier Assists. "Isaac war physisch wie mental am Anfang voll da, aber gegen Ende ein bisschen leer", sagte Trinchieri. Das sei verständlich, schließlich habe er die komplette Vorbereitung verpasst, "und es war sein zweites Spiel in Europa nach vier Jahren über dem Atlantik". Aber schon jetzt sei klar: "Er wird sehr viel für uns tun können."

Das gilt ebenso für Elias Harris. Auch der einstige Bamberger fand sich gut ein nach seinen Gastspielen in Spanien und Japan, im Gegensatz zu Bonga fand er jedoch mit zunehmender Spieldauer immer besser in die Partie. In Belgrad kam er schon auf zehn Punkte, gegen Crailsheim waren es am Ende sogar 21, dazu acht Rebounds. "Er ist ein Veteran, er hat uns sehr geholfen", befand der Trainer kurz nach dem Spiel. Harris war übrigens der Einzige, der annähernd mit Andreas Obst mithalten konnte. Der Shooting Guard bekam diesmal etwas mehr Einsatzzeit und bedankte sich mit einem Punkt pro Spielminute (25).

Im Training, sagt Trinchieri, gehe es momentan vor allem darum, dass sich seine Spieler kennenlernten, im Prinzip steckt das Team wegen der vielen Absenzen in den vergangenen Wochen immer noch in einer Art Vorbereitungsphase. Ausgerechnet jetzt kommt die beste Mannschaft Europas nach München, der aktuelle Euroleague-Meister Efes Istanbul ist am Donnerstagabend (20.30 Uhr) zu Gast. "Null zu fünf ist tough", räumt Trinchieri ein, aber man sei "kompetitiv" gewesen und werde das auch gegen den klaren Favoriten sein. Aber es ist wahrscheinlich, dass es nach einem süßen Sonntag am Donnerstag wieder Saures gibt.

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