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Thomas Müller beim FC Bayern:Ein Kovac-Satz, der hängen bleibt

FC Bayern München: Thomas Müller und Niko Kovac beim Spiel gegen 1899 Hoffenheim

Angespanntes Binnenklima: Für Niko Kovac (re.) ist Thomas Müller (li.) gerade nur Ersatz.

(Foto: Frank Hoermann/SvenSimon)

Seine Englischkenntnisse hat Thomas Müller nie zurückgehalten, er hat Abitur, ist viel in der Welt herumgekommen, und wer so redefreudig ist wie Thomas Müller, 30, aus Pähl am Ammersee, der schnappt genug Vokabular auf, um sich fließend verständigen zu können. Ein Interview, das zumindest zu Teilen auf Englisch geführt worden war, hat es sogar geschafft, viral zu gehen, wie es im englisch eingefärbten Deutsch so bemüht weltläufig heißt. Nachdem Müller mit Deutschland 2014 den WM-Pokal gewonnen hatte, befragte ihn eine Fernsehjournalistin auf Englisch dazu, dass er nicht Torschützenkönig geworden sei, sie sagte: How does it make you feel? Müller sagte, dass ihn das "ois ned" interessiere, "der Scheißdreck". Er rief: "Weltmeista samma!" Die Trophäe für den Torschützenkönig, den goldenen Schuh, könne sich die Journalistin sonstwohin schmieren. Dann verschwand er. Es waren gute Zeiten für Müller.

Am frühen Samstagabend verlässt Müller die Münchner Arena, er hat am Nachmittag das einzige Tor des FC Bayern vorbereitet und auch sonst gut gespielt, nun sagt er: "Nothing to say, wie der Engländer sagt." Dann verschwindet er. Es sind nicht ganz so gute Zeiten für Müller.

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Wenn die Zeiten für ihn nicht so gut sind, dann gilt das auch für den Verein, den Müller, ein Bayer durch und durch, verkörpert wie kein anderer im Kader. So war das mehr als ein Jahrzehnt lang, und so muss das dann ja auch am ersten Oktober-Samstag 2019 sein. Oder?

Am meisten gesprochen wird über: Thomas Müller

1:2 (0:0) hat der FC Bayern sein Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim verloren und damit auch die Tabellenführung. Sie könnten im Klub am Samstag über die Ursachen der Niederlage reden, über die mangelhafte defensive Abstimmung, über offensive Einfallslosigkeit. Sie könnten darüber reden, dass Niederlagen wie diese vorkommen im Laufe einer Saison; Kapitän Manuel Neuer unternimmt einen Versuch in diese Richtung, indem er von einem "Warnsignal" spricht. Sie könnten sich darauf einigen, dass diese Niederlage genauso wenig aussagekräftig ist wie das 7:2 ein paar Tage zuvor in der Champions League gegen Tottenham. Die Wahrheit liegt zwischen diesen beiden Ergebnissen, sie liegt also in einem Bereich, in dem die Bayern wohl weiter sehr gute Chancen auf die Meisterschaft haben. Trainer Niko Kovac sagt immerhin: "Wir sind anscheinend noch nicht so weit, das gute Spiel alle vier Tage zu bringen."

Doch am meisten gesprochen wird am Samstag über: Thomas Müller.

Wobei das daran liegen könnte, dass nicht viele andere Themen aufkommen können, da die meisten Spieler in einer Nothing-to-say-Stimmung die Arena verlassen. Joshua Kimmich bittet darum, "die anderen" zu befragen. Niklas Süle sagt, dass er "eigentlich nicht" was zu sagen habe, auch Serge Gnabry will "heute nicht" sprechen. Neuer sagt, dass er in einer "japanischen Medienrunde" gewesen sei. Und Thiago gesteht: "Ich habe keine Worte."