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1:2 gegen Hoffenheim:Bayerns lange Mängelliste

Bayern München - 1899 Hoffenheim

Serge Gnabry vom FC Bayern (rechts) und Thiago können ihre vergebene Chance und die Niederlage gegen Hoffenheim nicht fassen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Ruhig ging es hinterher in der Interviewzone zu, jedenfalls auf der Seite der Münchner. Das lag aber nicht daran, dass es nichts zu sagen gab, sondern daran, dass kaum jemand etwas sagen wollte. Ein Spieler des FC Bayern nach dem anderen trat aus dem Kabinengang, schüttelte nur kurz mit dem Kopf oder winkte ab und ging vorbei an den Medienvertretern und ließ sie zurück mit den Fragen zur 1:2 (0:0)-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim.

Es war das unerwartete Ende einer ohnehin verblüffenden Woche, die noch am Dienstag den rauschhaften 7:2-Sieg in der Champions League beim Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur bereitgehalten hatte. Nun endete der Abschluss vor der Länderspielpause für die Münchner schon vor ihrem gemeinsamen Wiesn-Besuch an diesem Sonntag mit einem Kater. "Sehr ärgerlich für uns", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, behielt aber eine grundsätzlich selbstgewisse Tonalität bei. "Wir haben die Bundesliga noch mal spannend gemacht", sagte er und gab nebenbei bekannt, dass man den Franzosen Lucas Hernández (Kniereizung) ebenso wie den Österreicher David Alaba (Rippen-Haarriss) nicht zu ihren Nationalmannschaften entsenden werde.

FC Bayern in der Einzelkritik

Boateng lässt sich doppelt tunneln

Fest eingeplant gewesen war eigentlich ein weiterer Sieg gegen die zuvor sehr mäßig in die Saison gekommenen Hoffenheimer gewesen. Der vierte Sieg während des Oktoberfestes hätte es sein sollen und damit eine weiße Wiesn-Weste, was zuletzt 2015 unter Pep Guardiola gelungen war, mit dem sogar fünf Siege während des Volksfestes angehäuft worden waren. Stattdessen setzte es die erste Niederlage dieser Bundesligasaison und die erste Heimniederlage gegen die TSG überhaupt. Es war sogar eine, die Trainer Niko Kovac als "nicht unverdient" einstufte. Immerhin über den Gang auf die Wiesn mit einem Kater wegen des missglückten Vorspiels konnte Salihamidzic noch mit Sarkasmus scherzen. "Das sind wir schon gewohnt", erinnerte er süßsauer an die Vorjahre, in denen sich die Münchner sogar einige Misserfolge während dieser Zeit erlaubt hatten.

Schon in der ersten Halbzeit hatte sich der Eindruck eingestellt, dass die denkwürdigen Ereignisse in London nicht in den Ligaalltag überführt werden können. Schleppend trugen die Bayern ihre Angriffe vor, nachdem sie in der vierten Minute durch Hoffenheims Sargis Adamyan beinahe schon in Rückstand geraten wären. Diesmal konnte Jérôme Boateng gerade noch dazwischenfunken. Später aber nutzte Adamyan bei seinem Startelfdebüt die Chancen zum 0:1 (54.) und 1:2 (79.) und tunnelte Boateng dabei jeweils. Anzulasten waren dem Innenverteidiger die Gegentreffer aber nur bedingt. Sondern vielmehr seinen Vorderleuten, die sie mit ihren Ballverlusten heraufbeschworen hatten.

Zunächst verlor Corentin Tolisso den Ball im Aufbau vorm eigenen Strafraum, dem 1:2 ging ein Ballverlust des eingewechselten Ivan Perisic voraus. "Zwei Gegentore aus zwei Fehlpässen - das ist das, was du in der Bundesliga oder international nicht machen darfst", tadelte Kovac und zog ein Zwischenfazit, das im krassen Kontrast zur Feststimmung nach dem Triumph in Tottenham stand. Er sagte: "Wir sind anscheinend noch nicht so weit, das gute Spiel alle vier Tage zu bringen."

Salihamidzic weist dezent auf Einstellungsfragen hin

Es fügte sich durchaus in die übergeordneten Eindrücke, dass den Bayern nicht nur über mehrere Spiele hinweg Konstanz und Kontrolle abgehen, sondern auch jeweils in den einzelnen Spielen. "Wir haben immer so Phasen, in denen wir gefährdet sind, Tore zu kriegen", erkannte Salihamidzic. Eine Dauerdominanz über 90 Minuten hinweg könne niemand erwarten, sagte er zwar. Aber wünschen würden er, Kovac und auch die anderen Münchner sich schon, mit mehr Geschick und Abgeklärtheit in den weniger dominanten Phasen zu agieren.

Diesmal aber, sagte Salihamidzic, "waren wir einfach nicht gut, nicht da", man habe "zu wenig Kontrolle gehabt", sich "viele einfache Fehler geleistet", "und auch über außen konnten wir nie richtig Druck erzeugen". Die lange Mängelliste unterfütterte er mit einem wenig dezenten Hinweis zu Einstellungsfragen: "Man sieht, dass man auch in der Bundesliga 100, 120 Prozent bringen muss und nicht nur in der Champions League." Oder wie es Kovac bedauernd formulierte: "Der letzte Eindruck ist immer der, der bleibt." Mit diesem werden sie nun anstoßen an diesem Sonntag auf der Wiesn, als Verlierer, fünf Tage nach dem 7:2 in Tottenham.

Zumindest Robert Lewandowski hatte am Samstag aber jene Konstanz gezeigt, die die Bayern insgesamt nicht nachweisen konnten. Sein zwischenzeitliches 1:1 nach einer perfekten Flanke aus dem Halbfeld vom eingewechselten Thomas Müller (74.) war Lewandowskis 15. Tor im elften Pflichtspiel der Saison. Nur bei der 0:2-Niederlage im Supercup bei Borussia Dortmund hatte der Stürmer nicht getroffen. Nun winkte auch er ab, als er später durch die Interviewzone ging - am Vortag des Mannschaftbesuchs auf der Wiesn. Eine "Teambuilding-Maßnahme" sei das gemeinsame Zuprosten, sagte Salihamidzic noch. Er findet den Moment dafür offenbar durchaus passend.

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