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FC Bayern:Guardiola über Lahm: "Es war eine Ehre, sein Trainer zu sein"

Bayern München - Bor. Mönchengladbach

"Lahm war mein Spieler", sagt Guardiola über seinen Kapitän.

(Foto: dpa)

Vor dem Rückspiel gegen Atlético schwärmt Pep Guardiola von Philipp Lahm. Der Trainer des FC Bayern und sein Kapitän - das war die perfekte Kombination.

Von Thomas Hummel

Pep Guardiola hat es in diesem Moment einfach mal gelassen mit dem super-super und dem toll-toll. Oder mit dem super-super-super-toll-toll-toll. Mit seinen Lobesarien, die aufgrund zu häufiger Wiederholung kaum mehr jemand ernst nimmt. Guardiola suchte ehrlich nach den richtigen Worten. Er war gefragt worden, wie wichtig Philipp Lahm für seine Mannschaft ist.

Guardiola holte tief Luft, sein Gesichtsausdruck wurde weich. Fast rührselig. "Die Leute können nicht verstehen", setzte er an, schnaufte, "wie glücklich Pep war, Philipp Lahm als Fußballer zu haben." Er sprach tatsächlich von sich selbst in der dritten Person, als wäre es ihm ein bisschen peinlich, seinen Enthusiasmus und seine Wertschätzung in der Ich-Form auszudrücken.

"Er ist ein perfekter Kapitän"

Der Trainer des FC Bayern und sein Kapitän - das war schon im Sommer 2013 eine Art Fußballliebe auf den ersten Blick. Hier der Intellektuelle, der Detail-Liebhaber, der Taktik-Guru. Dort der schlaue Rechtsverteidiger, dem der eigene Beruf bisweilen langweilig wurde, weil er selbst zumeist weiter dachte als seine Vorgesetzten. Philipp Lahm war froh, dass ihm der Guardiolismo die Sinne erweiterte. Und Pep Guardiola war froh, dass da einer selbst die kompliziertesten Einfälle noch auf den Platz übersetzen konnte.

Einmal malte der Trainer während einer laufenden Partie einen Zettel, sieben von elf Spielern sollten ihre Positionen wechseln. Philipp Lahm nahm das Papier, erklärte vor einem Eckball den Mitspielern den neuen Plan. Anschließend gewann Bayern das Spiel. "Er ist ein perfekter Kapitän. Ein Spieler, der alles versteht", erklärte Guardiola. Seine Rührseligkeit nahm mit jedem Wort zu.

Die beste Theorie verhindert allerdings nicht, im Halbfinale der Champions League in arge Nöte zu kommen. Das 0:1 im Hinspiel bei Atlético Madrid ist kein gutes Resultat, das wissen Trainer und Kapitän. Vor allem Lahm hatte vorher angemahnt, "auf jeden Fall ein Auswärtstor zu schießen". Man hätte das als Aufforderung an die Offensiven missverstehen können. Doch wer ihn dann sah im Estadio Vicente Calderón, der spürte bis unters Dach, dass er es selbst am meisten erzwingen wollte.

Philipp Lahm spielt mit 32 Jahren ja wieder Rechtsverteidiger. Laut Guardiola ist er "einer der besten Rechtsverteidiger in der Welt in der Geschichte". Dabei hatte er doch in die Mitte des Platzes wechseln wollen für den Rest seiner Karriere. Ins Zentrum, wo sich mehr bewegt und sich mehr bewegen lässt als rechts draußen. Doch weil darauf sofort rechts hinten ein gefährlicher Leistungssturz folgte, versetzte ihn zuerst Bundestrainer Joachim Löw während der WM in Brasilien wieder nach hinten. Das tat schließlich auch Guardiola. Bei Löw quittierte Lahm nach dem WM-Sieg den Dienst. Mit dem Spanier verabredete er, dass er nun eben zwei Positionen spielt: Rechtsverteidiger und Mittelfeldspieler.

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