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FC Bayern:Ab jetzt der Maßstab

Bayern s Lea Schüller celebrates after scoring the opening goal during the UEFA Women s Champions League 2nd leg quarter; Fußball - Frauen - Champions League - Bayern Lea Schüller celebrates after scoring the opening goal during the UEFA Women s Champions

Schon wieder ein Tor: Lea Schüller trifft gegen den FC Rosengard zum 22. Mal in dieser Saison - und sichert dem FC Bayern den Einzug ins Halbfinale der Champions League.

(Foto: Johan Nilsson/TT/imago)

Die Münchnerinnen ziehen ins Halbfinale der Champions League ein und sind dabei, Wolfsburg als Ligaprimus abzulösen. Karl-Heinz Rummenigge fordert zeitgleich, der deutsche Frauenfußball müsse "insgesamt höherschalten".

Von Anna Dreher

Linda Dallmann hätte es aus der Distanz in der zehnten Minute machen können. Oder Marina Hegering sechzig Sekunden später per Kopfball und in der 21. Minute per Volley. Aber der entscheidende Schuss kam dann doch von Lea Schüller, der so verlässlichen Tormaschine des FC Bayern. Nach einer von Carolin Simon aus dem Lauf gespielten Flanke sprang Schüller hoch und nickte den Ball ins Tor des FC Rosengard ein. Danach strahlte sie, als wäre ihr 22. Saisontreffer in der 22. Minute der entscheidende zum Titelgewinn gewesen. Das war er nicht, entscheidend zum Einzug ins Halbfinale der Champions League war er dafür schon. "Yesss", sagte Schüller später, "das ist überragend. Jede von uns hat davon schon mal geträumt."

Nach dem 3:0 im Hinspiel in München hatte es am Donnerstagabend nicht mehr gebraucht als dieses 1:0 in Malmö. Rosengard brachte die Fußballerinnen des FC Bayern nur selten in Bedrängnis. "Wir haben viel durchgewechselt und rotiert, aber es hat sich jede Spielerin in den Ball reingeworfen, um den Sieg zu sichern", sagte Trainer Jens Scheuer. "Ich habe ihnen ein Chapeau ausgesprochen. Da merkt man einfach: Die Mannschaft will und will und will."

Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte gehören die Münchnerinnen nun zu den vier besten Klubs der Königsklasse. 2019 war ihnen das erstmals gelungen, gegen den FC Barcelona war dann Schluss. Ob sich das dieses Jahr ändert? Am letzten April- und ersten Maiwochenende geht es gegen den Chelsea FCW mit Bayerns früherer Kapitänin Melanie Leupolz. Chelsea hatte dem VfL Wolfsburg im Viertelfinale den ersten herben Dämpfer der Saison zugefügt. "Das ist als Verantwortliche wahrscheinlich mein Lieblingssieg", sagte Chelsea-Trainerin Emma Hayes. "Wir haben schon vorher gegen sie gespielt und wurden gedemütigt. Sie sind der Maßstab, das ist ein stolzer Tag für den englischen Fußball."

Nach dem Sieg gegen Rosengard ist der FC Bayern seit 26 Partien ungeschlagen

In dieser Saison allerdings scheint der FC Bayern das Prädikat Maßstab übernommen zu haben. Mit fünf Punkten Vorsprung auf den Doublesieger und Champions-League-Finalisten von 2020 führen die Münchnerinnen die Bundesliga an. Die erste Begegnung in dieser Runde gewannen die Bayern im November 4:1, für den VfL war das die erste Liganiederlage seit 21 Monaten. Und während die Münchnerinnen gerade das Verlieren verlernt haben, hat die jahrelange Nummer eins Probleme, ihre Dominanz aufrecht zu erhalten - was auch an den Abgängen von Pernille Harder (Chelsea) und Sara Gunnarsdottir (Olympique Lyon) liegt.

Im DFB-Pokalhalbfinale wird es am Ostersonntag (14 Uhr, ARD) zum nächsten Aufeinandertreffen der beiden Klubs kommen. In den vergangenen acht Jahren stand Wolfsburg sieben Mal im Endspiel, gewann jedes davon und hatte auf dem Weg dorthin oft den FC Bayern geschlagen, der diesen Titel bisher 2012 holte. Und vielleicht so sehr wie noch nie ist bei den Münchnerinnen der Glaube daran zu spüren, dass sich an diesem Muster nun etwas ändern könnte.

Nach dem Sieg gegen Rosengard ist das Team von Scheuer seit 26 Partien ungeschlagen - bei einer Torbilanz von 104:6. In der Offensive unnachgiebig und effektiv, in der Defensive zuverlässig und diszipliniert war es bisher keinem Verein möglich, dem FC Bayern einen Rückschlag zu verpassen. Neun Zugänge gab es im Sommer und die sind auffällig gut integriert worden. Die Mannschaft harmoniert und zeigt ein hohes Selbstbewusstsein.

Karl-Heinz Rummenigge fordert, der Frauenfußball müsse nachhaltiger entwickelt werden

Und so scheint es immer wahrscheinlicher, dass ein, zwei (oder womöglich sogar drei?) Titel gewonnen werden könnten - und dass damit ein Plan aufginge, der zur Saison 2019/2020 in sportlicher, wirtschaftlicher und vereinsinterner Hinsicht aufgestellt wurde. Was auch mit erhöhten finanziellen Mitteln einherging. "Wir wollen auf Dauer die Nummer eins in Deutschland werden. Das ist das primäre Ziel", erneuerte die Sportliche Leiterin Bianca Rech diese Woche im Kicker die Anspruchshaltung. "Und mittelfristig auch mal im Champions-League-Finale stehen. Das ist der Weg, den wir mit Jens und seinem Team gehen wollen."

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, sagte in einem am Karfreitag auf der Vereinshomepage veröffentlichten Interview, ihm imponiere sehr, wie das Team jede Aufgabe angehe und meistere: "Es ist unser Ziel und Anspruch, auch im Frauenfußball Maßstäbe zu setzen, und da sind wir auf einem sehr guten Weg." Gleichzeitig forderte er, dieser müsse nachhaltiger entwickelt werden, "als es in den letzten Jahren beim DFB möglich war. Das ist keine Kritik am Verband, aber es sollte jetzt einfach als Interesse und als Aufgabe von allen gesehen werden, die Frauen gemeinsam mit dem DFB analog zum Vorbild Männerfußball in die Unabhängigkeit zu entlassen."

Der deutsche Frauenfußball, sagte Rummenigge, solle "insgesamt schleunigst höherschalten". Eine Neuausrichtung sei "dringend nötig, um im internationalen Bereich wettbewerbsfähig zu sein". Und er erinnerte an die Jahre 2015 und 2016, als der FC Bayern die Meistertitel der Frauen und Männer gemeinsam auf dem Rathausbalkon feierte. Dieses Szenario möchte Rummenigge offensichtlich gerne wiederholen.

© SZ/schm/fse
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