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FC Bayern:Das F-Wort ist tabu

Zwei Tore nach vier Spielen: Das gab es noch nie beim FC Bayern. Nach dem 0:0 gegen Köln versuchen Trainer und Spieler, dem schlechten Bundesliga-Start etwas Positives abzugewinnen. Doch zahlreiche Forderungen zeigen, dass etwas nicht stimmt.

Lukas Podolski ist ein grundsätzlich froher Typ, er plaudert gerne, aber manchmal ist er sich der Bedeutung seiner Worte gar nicht so wirklich bewusst. Nach dem Spiel des 1. FC Köln, Podolskis Arbeitgeber und Herzensklub, beim FC Bayern am Samstagnachmittag, da stand Podolski im Bauch der Arena, er redete über dieses 0:0, seine Bedeutung für Köln und über das, was nun noch kommt. Köln trifft am nächsten Spieltag auf den FSV Mainz 05, und Podolski sagte, er blickte ernst: "Mainz wird schwieriger als heute."

Thomas Mueller, Mario Gomez

Den Bayern-Spielern Thomas Müller (rechts) und Mario Gomez ist der Frust über das torlose Remis gegen Köln deutlich anzusehen.

(Foto: AP)

So weit ist es gekommen beim FC Bayern. Aber nun: Mainz ist gegenwärtig Tabellenführer, der FC Bayern hat nach vier Spieltagen einen Sieg erreicht, er ist Achter. Sein Abstand zu Mainz beträgt sieben Punkte.

"Wir dürfen deshalb nicht in Panik geraten", sagte Kapitän Mark van Bommel, sieben Punkte ist nach vier Spieltagen ja noch nicht die Welt. Aber doch genug, um die alten Zahlen und Vergleichswerte herauszuholen: Die Münchner haben dreimal in Folge kein Tor erzielt - 0:2 gegen Kaiserslautern, 0:0 gegen Bremen und nun auch gegen Köln -, das gab es zuletzt 1998, die Folge damals war eine unübertroffene Rede des Trainers Giovanni Trapattoni, in der er lautstark über leere Flaschen sprach.

Fünf Punkte nach vier Spielen, das ist der schlechteste Bundesliga-Start des FC Bayern seit 33 Jahren, und nur zwei Tore: das gab's noch nie.

Das F-Wort mögen sie nicht

Aber der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern, wenn er solchen Zeiten nichts Positives abgewinnen könnte. "Wir haben auch den Supercup und in der Champions League gegen Rom gewonnen", sagte Trainer Louis van Gaal, "wenn Sie trotzdem jedes Mal nach Fehlstart fragen, dann gratuliere ich."

Das F-Wort mögen sie nicht beim FC Bayern, schließlich, findet van Bommel, "spielen wir besser als am Anfang der vergangenen Saison". Das stimmt, und das wäre tatsächlich positiv: Die Bayern treten enorm dominant auf, 69 Prozent Ballbesitz gegen Köln sind deutlich. Was fehlt, sind die Tore - aber dummerweise gibt es im Regelwerk ausschließlich eine maßgebliche Tabelle, deren Grundlage Tore sind.

Es ist also eingetreten, was mancher Klubvorstand vor der Saison prophezeite: Die kaum vorhandene Vorbereitung macht den Bayern zu schaffen. Sie sprechen jetzt viel vom fehlenden Rhythmus, natürlich auch von den so genannten Automatismen; sie mahnen dann immer zur Geduld, die Automatismen, die kämen ja bestimmt bald wieder. Nur Torwart Hans-Jörg Butt sprach aus, was Wahrheit ist: "Man gibt uns nicht die Zeit, und wir selber dürfen uns auch nicht die Zeit geben." Am Dienstag gegen Hoffenheim "müssen drei Punkte her", forderte Butt, nahezu alle Bayern-Profis forderten das am Samstagnachmittag von sich selbst. Punkteforderungen schon nach vier Spieltagen sind ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt.

Trainer van Gaal ist dabei nicht ganz frei von Kritik: Er wechselte gegen Köln lediglich ein Mal (Gomez für Klose/71.), was die Frage aufwirft, weshalb fitte Akteure wie Altintop oder Timoschtschuk derart selten oder gar nicht zum Einsatz kommen. Zumal die Stammspieler offensichtlich noch die kräftezehrende WM-Saison in Kopf und Beinen haben; außerdem ist derzeit ein enger Terminkalender zu bewältigen, mit zwei Spielen pro Woche.

Doch das, wehrte Sportdirektor Christian Nerlinger ab, sei nicht das Problem: "Man weiß doch, dass unser Trainer kein Freund des Rotationsprinzips ist", sagte Nerlinger, außerdem habe ja gerade die Eingespieltheit der Stammelf in der vergangenen Saison maßgeblich zum Erfolg beigetragen.

Und was die Spielweise betrifft: Der Ballbesitz, sagte Nerlinger, sei die Grundlage, um Erfolg zu haben. Mit anderen Worten: Van Gaal lässt derzeit bewusst abwartend spielen, mit vielen Pässen, um Kraft zu sparen und der Mannschaft Sicherheit zu geben. Eine durchaus sinnvolle Vorgabe - die allerdings sehr strapaziert wird, wenn Mannschaften wie Köln oder Rom zu Gast sind, die sich in voller Stärke am eigenen Strafraum versammeln. "Wenn elf Mann hinten drin stehen, muss man wie ein Handballmannschaft außen rum spielen", sagte Holger Badstuber, das mache man ja gut, befand er, "was uns halt fehlt, sind die Tore." Eben.

Aber noch ist die Saison jung, noch ist genügend Zeit für den FC Bayern, auf der Basis des Ballbesitzes zu Punkten und Siegen zu kommen. Wenn auch vielleicht nicht sofort: Nach Hoffenheim, dem Tabellenzweiten, müssen die Bayern gegen den Tabellenführer antreten. Gegen Mainz.

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