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Kimmich beim FC Bayern:Die beste schlechte Lösung

FC Bayern: Joshua Kimmich im DFB-Pokalfinale 2020 gegen Bayer Leverkusen

Vielseitig begabt: Joshua Kimmich.

(Foto: REUTERS)

Bayern-Trainer Flick macht das wirklich nicht gern, aber er hat ja keine Wahl: Joshua Kimmich wird für die Champions League wieder zum Rechtsverteidiger - aber mit Rückkehrgarantie.

Von Christof Kneer

Hansi Flick war damals dabei, in Salvador, Fortaleza und Recife. Er saß als Assistent auf der Trainerbank der deutschen Nationalelf, als Jérôme Boateng in der Vorrunde der WM 2014 hinten rechts anständig verteidigte. Flick war auch vier Jahre zuvor in Port Elizabeth dabei, als Boateng bei der WM 2010 im Spiel um Platz drei hinten rechts einen seriösen Eindruck machte. Flick ist auch jetzt dabei, auf dem Trainingsplatz des FC Bayern, wo er jeden Tag sieht, wie verblüffend nah dieser Boateng seiner früheren Form wieder gekommen ist - aber natürlich: als Innen-, längst nicht mehr als Außenverteidiger.

Auf diese Idee würde Flick also niemals kommen: Boateng im Test gegen Olympique Marseille an diesem Freitag (16 Uhr) und im Champions-League-Spiel gegen den FC Chelsea am übernächsten Samstag hinten rechts einzusetzen. Obwohl er gerade sehr dringend jemanden braucht, der das wenigstens ein bisschen kann.

Man muss nicht zu den zehn besten Spielern der Welt gehören, um unersetzlich zu sein. Der Franzose Benjamin Pavard, 24, ist vermutlich nicht mal der beste Rechtsverteidiger der Welt, aber seine Stellung im Kader der Münchner gleicht etwa der von Robert Lewandowski. Wobei, Lewandowski war jahrelang unersetzlich, inzwischen könnte Flick einigermaßen guten Gewissens Serge Gnabry auf diese Position stellen. Aber wo ist der Gnabry für Pavard?

Flick sieht keine bessere Alternative zu Kimmich

Die Bayern haben Pavards Blessur immer noch nicht genau benannt, von einer "Bänderverletzung an der linken Fußwurzel" ist die Rede, die Ausfallzeit lassen die Münchner demonstrativ offen. Die französische L'Equipe schreibt von einem Bänderriss und raunt von einer vier- bis sechswöchigen Pause - in diesem Fall wäre selbst diese bis Ende August verlängerte Sonderspielbetrieb-Saison für Pavard vorbei. Flick aber hat die Hoffnung nicht aufgegeben, den Franzosen im Verlauf des Champions-League-Turniers in Lissabon (12.8. bis 23.8.) doch noch einsetzen zu können.

Wobei Flick bei so einem Satz jetzt milde schimpfen würde: Bevor jemand an Lissabon denkt, solle seine Elf bitte erst mal im Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea ihre 3:0-Führung ins Ziel bringen.

In der Frage, wer Pavard ersetzen soll, steckt eine beträchtliche Fallhöhe, nicht nur, weil die Außenverteidiger im modernen Fußball viel mehr sind als bloß so Typen am Rand. Die Bayern spielen unter Flick wieder einen durchchoreografierten Fußball, die Außenverteidiger sind auf höchstem Niveau in die Spielmuster einbezogen, da kann man nicht einfach irgendjemanden hinstellen. Und Flick findet eben: auch nicht Alvaro Odriozola, den Leihspieler von Real Madrid - was die Sache innenpolitisch durchaus heikel macht.

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