Elnaz Rekabi:Iran müssen empfindliche Sanktionen treffen

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Iran: Menschen warten am Flughafen von Teheran auf Kletterin Elnaz Rekabi

Empfang in Teheran: Eine Menschenmenge erwartet frühmorgens am Terminal die Ankunft von Elnaz Rekabi.

(Foto: -/AFP)

Das IOC darf staatliche Gewalt im Sport nicht mehr dulden - nur dann können Athleten wie die iranische Kletterin Elnaz Rekabi geschützt werden.

Kommentar von Barbara Klimke

Mittwoch früh war Elnaz Rekabi zurück am Flughafen in Teheran, draußen herrschte noch schwarze Nacht. Ihr Blick war ernst und angespannt, als sie vor den Kameras der Staatsmedien die Aussagen vom Vortag wiederholte, die auf ihrem Instagram-Kanal aufgetaucht waren: In der Eile vor ihrem Wettkampf habe sie beim Anlegen der Kletterausrüstung den Hidschab vergessen. Unabsichtlich. Sie bedaure dies. Sie bitte die Iraner um Entschuldigung für die Sorgen, die sie ihnen bereitet habe. Dann stieg sie einen Wagen, und der Konvoi fuhr mit zunächst unbekanntem Ziel davon.

Wer hätte Elnaz Rekabi schützen können? Wer steht einer Athletin in einer olympischen Sportart bei, die bei einem internationalen Turnier entgegen den strengen Sittenregeln der Mullahs ihres Heimatlands ohne Kopftuch antritt, die Haare sichtbar und zum Zopf gebunden? Dass der Sportkletterin Elnaz Rekabi Repressalien bevorstehen würden, war zu befürchten. Seit Wochen, seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam, gehen die Bürger in Iran auf die Straßen. Der Verhüllungsverzicht einer Sportlerin bei einem öffentlichen Auftritt im Ausland wurde als klares Bekenntnis zur Unterstützung der Demonstranten interpretiert. Menschenrechtsorganisationen fürchteten um ihre Sicherheit.

Den Schutz des eigenen Landesverbands hat Elnaz Rekabi bei der Asienmeisterschaft in Seoul kaum erhoffen können. Wohl aber den Beistand des Internationalen Sportkletterverbandes (IFSC) in Seoul, der am Dienstag immerhin erklärte, dass er den Kontakt zu iranischen Stellen suche und dass er die Sicherheit aller Athleten sehr ernst nehme. Am Mittwoch äußerte sich das Internationale Olympische Komitee dann in ähnlicher Weise: Es habe früh Gespräche mit Funktionsträgern Irans und des Weltverbandes gegeben, heißt es in einer Stellungnahme. Das IOC habe die klare Zusicherung erhalten, dass Elnaz Rekabi nach der Ankunft in Teheran keinerlei Konsequenzen drohen. Unklar blieb allerdings, wie das IOC eine solche Sicherheitsgarantie innerhalb der iranischen Landesgrenzen unabhängig überprüfen will.

Das IOC hat sich mit seiner Menschenrechtsstrategie zu seiner Verantwortung bekannt

Nicht abzustreiten ist der Fakt, dass die höchsten Sportgremien eine Fürsorgepflicht für die Athleten haben - vor allem, wenn die Sportler und Sportlerinnen aus Ländern kommen, in denen sie sich ununterbrochen Diskriminierungen, Einschüchterungen, Schikanen und Drangsalierungen ausgesetzt sehen. Für schwerste Menschenrechtsverletzungen im Sport, etwa die Hinrichtung des Ringers Navid Afkari vor zwei Jahren, ist Irans Regime jedoch kaum zur Rechenschaft gezogen worden. Ebenso wenig wie zum Beispiel China, Ausrichter der diesjährigen Winterspiele, dessen Unterdrückung der Uiguren in den Sportgremien keine Folgen hatte.

Das IOC hat in diesem Jahr seine Menschenrechtsstrategie veröffentlicht - und sich damit zu seiner Verantwortung bekannt. Es will künftig, so heißt es ausdrücklich, auch präventiv handeln. Wenn es seine eigenen Richtlinien ernst nimmt, dann darf es keine Duldung staatlicher Gewalt im Sport mehr geben. Dann müssen den Repressalien in Iran endlich empfindliche Sanktionen, welcher Art auch immer, folgen.

Nur dann wird man Elnaz Rekabi, wird man alle anderen, schützen können.

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