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Elf des Spieltags:Zurück in der Zaubertruppe

Der genesene Bastian Schweinsteiger hat sich offenbar vorgenommen, das Mittelfeld- und Sturmproblem der Nationalmannschaft zu lösen. Robert Lewandowski wandelt auf den Spuren von Jay-Jay Okocha. Und Leverkusen fahndet nach dem alten Stefan Kießling. Die Elf des 26. Spieltags.

11 Bilder

Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC

Quelle: dpa

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Raffael und Ronny: Früher auf den Straßen von Fortaleza, in der fünftgrößten Stadt Brasiliens im Nordosten des Landes, ging es mitunter sehr viel rauher zu als jetzt im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC. Da trug der eine auch mal blaue Flecken davon. Jetzt im Spiel zwischen den beiden Brüdern Raffael (Gladbach) und Ronny (Hertha) kam es während der Partie zu wenigen Berührungungen. Einmal hielt der 28-jährige Raffael seinen einen Jahr jüngeren Bruder am rechten Oberarm fest. Erst im dritten Anlauf hatte es mit dem direkten Aufeindertreffen der beiden geklappt, die schon gemeinsam für Hertha aufliefen. Im Hinspiel durfte Ronny nicht mitspielen und in der Vorbereitung fehlte Raffael in einem Testspiel. "Es war ein Traum gegen meinen Bruder zu spielen", bekannte Raffael. Nach Spielende herzten sich sie auf dem Rasen und küssten sich auf die Wange. So brutal wie früher auf Brasiliens Straßen geht es zwischen den beiden schon lange nicht mehr zu.

(schma)

Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC

Quelle: dpa

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Elf des Spieltags:Adrian Ramos

Adrian Ramos: Je mehr sich die Tage gen Sommerpause bewegen, umso lauter wird das Transfergemunkel in der Fußballwelt. Adrian Ramos von Hertha BSC ist derzeit ein gefragter Mann. Der Deal mit Borussia Dortmund soll kurz bevorstehen, auch wenn Berlins Manager Michael Preetz noch fleißig verkündet: Der Wechsel sei noch nicht perfekt. Am Samstagabend traf Ramos gegen Borussia Mönchengladbach mal wieder das Tor, allerdings das eigene. Beim Freistoß von Juan Arango hüpfte der Kolumbianer am höhsten, was allerdings nicht zur Abwehr langte, sondern nur zum Kopfball Richtung Eigentor. Sei's drum: Der BVB wird mit Sicherheit noch immer Interesse an ihm zeigen.

(ska)

FC Schalke 04 v Eintracht Braunschweig - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Kaan Ayhan: Der Junge hat tasächlich ein faltenfreies Gesicht. Kaan Ayhan sieht wirklich aus wie jemand, der sich gerade aufmacht, das Teenageralter zu verlassen. Wer ihn von der Tribüne aus erlebte, der konnte nicht glauben, dass dieser 19-jährige Deutschtürke aus Gelsenkirchen gegen Eintracht Braunschweig sein Debüt in der Fußball-Bundesliga gab. Wie selbstverständlich führte er alle Freistöße aus, dirigierte seine Nebenleute und erledigte seine Arbeit in der Innenverteidigung so unaufgregt, als mache er seit zehn Jahren nichts anderes. "Unglaublich wie cool er ist", sagt Schalke-Trainer Jens Keller. Unterwürfigkeit scheint er genauso wenig zu kennen wie Angst vor dem Duell am Dienstag bei Borussia Dortmund ("Ich habe in der Jugend schon viele Derbys gespielt"). Aber Respekt, das hat Ayhan. Vor dem Alter. Einen Freistoß überließ er großzügig dem 30 Jahre alten Klaas-Jan Huntelaar. Der Niederländer schoss den Ball einfach ins Tor.

(schma)

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Quelle: AFP

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Elf des Spieltags:Robert Lewandowski

Robert Lewandowski: Mit dem Zickzack-Tor von Jay-Jay Okocha anno 1993 gegen Oliver Kahn kann dieser Lewandowski-Treffer zwar nicht mithalten. Aber das muss er auch gar nicht, es war auch so ein außergewöhnlicher Stürmer-Moment. Der Pole nahm einen Pass an der Mittellinie auf, rannte schnurstracks nach vorne und sah, dass kein Mitspieler da war. Nur lauter rote Trikots. "Ich habe gemerkt, ich war alleine, also bin ich durchgesprintet", sollte er später erklären: "Dann habe ich einfach geschossen, da hat alles gepasst." Fünf Gegenspieler von Hannover 96 plus Torwart konnten ihn nicht am Sprinten und Schießen hindern. Mit diesem Solo zum 2:0 hatte Lewandowski auch noch das Spiel entschieden. Und die Frage eindringlich erneuert, wie seine Dortmunder Borussia ohne ihn eigentlich auskommen soll. Zuerst im Champions-League-Hinspiel bei Real Madrid, in dem er gesperrt fehlen wird. Und dann in der kommenden Saison. Das einzig Gute für Dortmund an seinem Verlust ist, dass er zum FC Bayern München wechseln wird. Und dieser Klub ist für das realistische Ziel Platz zwei auch in der kommenden Saison keine ernsthafte Gefahr.

(hum)

Bayern Munich's Bastian Schweinsteiger celebrates his goal during their German first division Bundesliga soccer match against FSV Mainz 05 in Mainz

Quelle: REUTERS

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Elf des Spieltags:Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger: Es gibt in diesen Tagen viele schlechte Nachrichten für Bundestrainer Joachim Löw. Ein WM-Kandidat nach dem anderen verletzt sich, sinkt in ein Formtief und gleich beides. Zuletzt: Höwedes, Schmelzer, Özil. Lange stand auch Bastian Schweinsteiger auf dieser Sorgenkind-Liste. Doch nun ist der Mittelfeld-Imperator zurück - und scheint sich in der Verletzungspause vorgenommen zu haben, auch gleich das Sturm-Problem der Nationalmannschaft zu lösen. Manche hatten ihn (nicht zum ersten Mal) schon abgeschrieben und geglaubt, er habe keinen Platz mehr in der Zaubertruppe der Bayern. Und jetzt schießt er ein Tor gegen Arsenal, eins gegen Leverkusen, eins gegen Mainz. Auch wenn ein Formtief Schweinsteigers in den kommenden Wochen nach so langer Verletzung nicht überraschend käme, der Bundestrainer weiß: Ein Schweinsteiger kommt immer wieder zurück - manchmal sogar stärker als zuvor.

(hum)

1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Elf des Spieltags:Loris Karius

Loris Karius: Es waren einmal zwei Torhüter in Mainz, die stritten sich jahrelang vehement darum, wer am Wochenende ins Tor gehen durfte. Sie hießen Heinz Müller und Christian Wetklo. Es gab ein ständiges Hin und Her. Doch dann, im November 2013, war der eine verletzt (Müller) und sah der andere Rot (Wetklo) und so sah die Welt, dass Mainz noch einen dritten Torwart hat: Loris Karius. Spätestens seit diesem Samstag ist nun bis München bekannt, dass dieser Karius ein famoser Athlet ist, der wunderbar in diese famose Mainzer Mannschaft passt. Ließen seine Kollegen die bayerische Weltauswahl ausnahmsweise durch, zeigte Karius wunderbare Paraden und hielt lange Zeit die Null. Er hielt stark gegen Robben, gegen Mandzukic, gegen Müller, gegen Shaqiri. Erst einen Kopfball von Bastian Schweinsteiger musste er passieren lassen. Für den 35-jährigen Müller und den 34-jährigen Wetklo sind die Leistungen des 20-jährigen Karius keine gute Nachricht.

(hum)

1. FSV Mainz 05  - FC Bayern München

Quelle: dpa

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Elf des Spieltags:Thomas Tuchel

Thomas Tuchel: Wenn einer anschauliche Sprachbilder parat hat, dann Thomas Tuchel. Der Mainzer Trainer erklärte seine Strategie für das Spiel gegen den FC Bayern mit den Worten: "Wenn der Kleine auf dem Schulhof den Größeren verprügeln will, muss er ihn erst einmal in eine dunkle Ecke locken und das Aufsichtspersonal ablenken." Die dunkle Ecke waren dann viele dunkle Eckchen, die Mainzer hingen an der Guardiola-Elf wie Klettverschluss, mussten aber in der zweiten Hälfte zunehmend mit den Kräften haushalten. "Es gibt wenig, was wir uns vorwerfen können", sagte Tuchel danach zufrieden. Seine Schulhoftaktik war lange Zeit aufgegangen.

(ska)

VfL Wolfsburg v FC Augsburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Elf des Spieltags:Kevin De Bruyne

Kevin De Bruyne: Einer, der für großes Raunen in der vergangenen Transferperiode gesorgt hatte, war Kevin De Bruyne. Der 22-Jährige war im Winter vom FC Chelsea nach Wolfsburg gekommen. Für 22 Millionen Euro, er war der teuerste Transfer der Klubgeschichte. Der Summe gerecht geworden ist er bisher allerdings kaum - am Samstag gegen Augsburg flog er auch noch wegen einer dreisten Rempelei gegen den Schiedsrichter vom Platz. "Die gelb-rote Karte werden wir ihm auch ein Stück weit vor die Nase halten", sagte Trainer Dieter Hecking. Wirklich sauer klingt das nicht. Wolfsburg glaubt noch an seinen Wunschspieler. Oder hofft wenigstens darauf, das Geld nicht vollends verschleudert zu haben.

(ska)

Stuttgart's Maxim celebrates his goal against Hamburg with teammates during their German first division Bundesliga soccer match in Stuttgart

Quelle: REUTERS

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Elf des Spieltags:Alexandru Maxim

Alexandru Maxim: Wer so eine Knäuel-Kuschel-Traube erleben darf wie Alexandru Maxim, der muss seinem Verein eine ordentliche Erleichterung verschafft haben. Nach seinem Treffer zum 1:0 gegen den HSV fand sich der 23-Jährige von seinen Kollegen umgeben wieder - und hinten stand das Maskottchen zur Umarmung bereit. Maxim hatte dem VfB den ersten Sieg nach zehn Spielen beschert, nach seiner Einwechslung in der 63. Minute. Bei Abpfiff, als der Sieg perfekt war, sank Maxim zu Boden, die Kollegen umarmten sich. So emotional wie die Stuttgarter hatte sich schon lange kein Verein mehr über ein schnödes 1:0 gefreut. Maxim sei Dank.

(ska)

1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt

Quelle: dpa

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Elf des Spieltags:Josip Drmic

Josip Drmic: Es gab einige Zaubertore zu bestaunen an diesem Bundesliga-Wochenende. Den wohl formschönsten Treffer kreierte wohl Nürnbergs Josip Drmic beim 2:5 gegen Eintracht Frankfurt. Sein Teamkollege José Campana hatte einen langen Pass im Mittelfeld abgesetzt, der Ball segelt durch die Luft, 30 Meter, 40 Meter, dorthin, wo Drmic wartete. Auch überdurchschnittlich talentierten Fußballern würde eine derart ambitionierte Hereingabe in neun von zehn Fällen verspringen, zumindest minimal. Drmic plumpste der Ball auf den rechten Außenrist, als sei dort ein Magnet versteckt, mehr noch: Der Ball sprang vom Außenrist direkt vor seine Füße, dort setzte er auf, einmal, zweimal - Drmic hatte gar keine andere Wahl, als den Ball im Winkel zu verstauen. Die Deutsche Fußball Liga hätte der 21-Jährigen definitiv zwei Scorerpunkte gutschreiben müssen: einen fürs Tor, einen für die Weise, wie er den Ball annahm und sich selbst vorlegte. Am Ende wurden es dann ein Tor und null Punkte für den Club, dazu kamen verbale Haue von Trainer Gertjan Verbeek ("Die erste Halbzeit war nur Angst"). Doch mit einem Drmic in Zauberform muss sich der 1. FC Nürnberg im Abstiegskampf nicht fürchten.

(jkn)

Bayer 04 Leverkusen - TSG Hoffenheim

Quelle: dpa

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Elf des Spieltags:Stefan Kießling

Stefan Kießling: Es waren schwere Wochen, ja Monate gewesen für Stefan Kießling, seit diesem Freitag im vergangenen Oktober. Kießling hatte gegen 1899 Hoffenheim ans Außennetz geköpft, der Ball war durch ein Loch im Netz ins Tor gesprungen, ein irrwitziger Umstand, vermutlich so wahrscheinlich wie sechs Richtige im Lotto. Kießling beteuerte nach dem Spiel, er habe das alles nicht mitgekriegt, die Fans glaubten ihm nicht, zumindest die gegnerischen. Sie pfiffen ihn aus, hetzten auf seiner Facebook-Seite, Ralf Rangnick warf ihm vor, unehrlich zu sein. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes bestätigte zwar den 2:1-Erfolg der Leverkusener, doch es war ein vergifteter Sieg. Kurz darauf schlitterte Kießling mit Leverkusen in die Krise. Der Zustand hielt bis zum Rückspiel am Sonntag gegen Hoffenheim. Wieder setzte Kießling zum Kopfball an, diesmal war der Ball einwandfrei im Tor. Aber der Treffer verlieh Leverkusen keine Leichtigkeit, seit Wochen fahnden sie in Leverkusen nach dieser Leichtigkeit, auch am Sonntag. Hoffenheim gewann 3:2, Bayer hat fast seinen gesamten Vorsprung auf die Europa-League-Plätze verspielt. Markus Gisdol, der Hoffenheimer Trainer, sagte Kießling nach dem Spiel, Kießling solle dieses "Scheißding" (das sog. Phantomtor, Anm. d. Red.) endlich abhaken und wieder der alte Stefan Kießling sein. Leverkusen könnte ihn gut gebrauchen, den alten Torjäger.

(jkn)

© SZ.de/jkn
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