Frankfurt in der Europa League "Es ist unbeschreiblich, was in diesem Jahr abgeht"

Die Eintracht-Fans feiern das Unentschieden gegen Inter wie einen Sieg.

(Foto: Getty Images)
  • Eintracht Frankfurt spielt im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League nur 0:0 gegen Inter Mailand.
  • Der Bundesligist wird von den Fans aber gefeiert, als hätte er die Partie gewonnen - und hat nun eine gute Ausgangslage für das Rückspiel.
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Von Tobias Schächter, Frankfurt

Kevin Trapp war begeistert wie ein kleines Kind. Gerade hatte Eintracht Frankfurt im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League 0:0 gegen Inter Mailand gespielt. Es gibt wahrlich bessere Vorlagen für ein Rückspiel beim Tabellenvierten der Serie A, dennoch feierten die Fans der Eintracht ihre Mannschaft nach dem Abpfiff minutenlang wie nach einem großen Sieg. "Ich habe gerade zu Seppl gesagt: Es ist unbeschreiblich, was in diesem Jahr abgeht", sagte Eintracht-Torwart Trapp. "Seppl" ist Sebastian Rode und wie Trapp einer, der einst von Frankfurt weg ging, um sein Glück bei einem größeren Verein zu suchen.

Nun sind sie zurück und erleben eine Eintracht, mit der plötzlich große Ziele realistisch wirken. Trapp kam im Sommer auf Leihbasis von Paris Saint-Germain zum Pokalsieger, Rode im Winter aus Dortmund, nachdem er zuvor schon beim FC Bayern den Durchbruch nicht geschafft hatte. Nun erleben die beiden 28-Jährigen einen Europapokaltraum mit der Eintracht: Noch immer ist Frankfurt in der Europa League ungeschlagen. Und vor allem die starke Leistung in der zweiten Halbzeit gegen Inter gibt Hoffnung, dass der Traum nächsten Donnerstag im Rückspiel im Giuseppe-Meazza-Stadion noch nicht beendet sein muss.

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So lässt sich auch erklären, dass bei den Frankfurtern trotz des mauen Ergebnisses Optimismus herrschte. "Wir fahren mit einem guten Gefühl und über 13 000 Fans nach Mailand", kündigte Rode an. Sportvorstand Fredi Bobic sagte: "Das 0:0 lässt uns zwei Optionen beim Rückspiel in San Siro. Inter hat dagegen nur eine Option: Sie müssen gewinnen, uns reicht auswärts ein Unentschieden mit einem Tor." Und Routinier Makoto Hasebe bezifferte die Chancen auf das Viertelfinale hochoptimistisch auf "mindestens 51 Prozent".

In Frankfurt haben sich Fans und die Mannschaft in den vergangenen Wochen in eine "Alles ist möglich"-Stimmung gespielt und gefeiert. "Gänsehaut" habe er schon beim Einlaufen in die mit 48 000 Menschen ausverkaufte Arena gespürt, erzählte Trapp. Grund für Trapps Gefühlslage war eine beeindruckende Choreographie: In drei Kurven schwenkten die Eintracht-Fans rote, silberne und schwarze Fähnchen, in der Nordwestkurve der Frankfurter Fans entfaltete sich eine schwarz-weiße 120 auf goldenem Grund. An diesem Freitag vor 120 Jahren wurde der Vorläuferverein der Eintracht gegründet.

Eine Gala spielte sich in den ersten 45 Minuten nur auf den Rängen ab. Auf dem Spielfeld nahm Inter den Frankfurtern mit Ballsicherheit und Cleverness den Schwung, eine Führung für die Italiener wäre verdient gewesen - und möglich. Aber Kevin Trapp verhinderte einen Rückstand, als er mit einer großartigen Parade einen Strafstoß von Marcelo Brozovic abwehrte (21.). "Es ist ein unfassbares Gefühl, vor der eigenen Kurve den Elfmeter zu halten", schwärmte Trapp hinterher. Zumal der Strafstoßpfiff umstritten war. Inter-Stürmer Lautaro Martinez fiel eher freiwillig im Zweikampf mit Gelson Fernandes.