Europa League Die Inter-Mailand-Telenovela

Inter-Trainer Luciano Spalletti (hier beim 3:3 gegen Florenz).

(Foto: REUTERS)
  • Inter Mailand hat vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League bei Eintracht Frankfurt mit Problemen zu kämpfen.
  • Auf elf Ligaspiele ohne Gegentor in Serie folgten zuletzt fünf Gegentreffer in zwei Begegnungen - darunter war eine 1:2-Niederlage gegen Cagliari.
  • Zudem geht das Theater um Stürmer Mauro Icardi weiter.
Von Birgit Schönau, Rom

In Frankfurt steigt die Partie des Jahres für den FC Internazionale, das sagt eigentlich schon alles. Im fernen 2010 hatten die Mailänder mit ihrem Defensiv-Magier José Mourinho als erster italienischer Klub noch das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal gewonnen, jetzt würden sie viel geben, um die Eintracht zu besiegen und damit einen Fuß ins Viertelfinale der Europa League zu setzen. In der Königsklasse hatte Inter es nicht in die K.-o.-Runde geschafft, Barcelona und Tottenham waren stärker. Frankfurt ist trotz der 23 Europa-Tore kein Angstgegner, das Problem ist nur: Inter spielt im Moment mal wieder gegen sich selbst. Auf elf Ligaspiele ohne Gegentor in Serie folgten zuletzt fünf Gegentreffer in zwei Begegnungen, die 1:2-Niederlage in Cagliari am vergangenen Wochenende nährt auch nicht gerade das Selbstbewusstsein.

Dabei war das Team von Luciano Spalletti lange obenauf, wenn auch nicht mit der alten Erzrivalin Juventus, die den achten Meistertitel in acht Jahren schon so gut wie in der Tasche hat. Aber immerhin reichte es zur hartnäckigen Verfolgung des Verfolgers SSC Neapel. Bis die Krise kam. Inzwischen sind die Neapolitaner immer noch auf Platz zwei, aber mit neun Punkten Vorsprung. Danach kommt der AC Mailand. Inter steht nur noch auf Position vier. Die Fans unterstützen den Klub im Besitz des chinesischen Suning-Konzerns wie lange nicht - in dieser Saison hat der FC Internazionale in Italien die meisten Stadionzuschauer.

Mehr als 37 000 Dauerkarten und ein Durchschnitt von 57 000 in der Fußballoper von San Siro, die beim Derby sogar ausverkauft war: So viel Anteilnahme ist in der Serie A höchst selten geworden. Eine Minderheit der Stadiongänger hat indes dafür gesorgt, dass der Klub ohne eigenes Publikum ins neue Jahr starten musste. Nach rassistischem Gegröle gegen einen dunkelhäutigen Spieler des SSC Neapel bei einem Ligaspiel am zweiten Weihnachtstag verhängte das Sportgericht eine Stadionsperre. Zuvor war ein Inter-Hooligan bei Fankrawallen ums Leben gekommen, möglicherweise, als ihn ein von einem Neapolitaner gesteuerter Kleinbus überfuhr. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch.

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Wie die meisten organisierten Fans in Italien sind auch die Inter-Ultras stramm rechts. Das könnte vor allem beim Rückspiel in Mailand am 14. März mit angekündigten 13 000 Eintracht-Fans brenzlig werden. Im Moment sind die Ultras allerdings vor allem damit beschäftigt, zu Hause einen Spieler auszubuhen, der bis zum 13. Februar Inter-Kapitän war - und lange Zeit unstrittig der Beste im Team. Der Angreifer Mauro Icardi, im Vorjahr zum zweiten Mal Torschützenkönig der Serie A, wird in Frankfurt nicht mit von der Partie sein. Wegen allzu starker Schmerzen im Knie, sagt der Argentinier selbst. Wegen Arbeitsverweigerung, weiß die gezielt informierte italienische Fachpresse.

Motorradlegende Valentino Rossi verkleidete sich als Mauro Icardi

Entsetzt (die Inter-Fans) und amüsiert (alle anderen) verfolgt Italien seit Wochen eine Telenovela, in der Icardi und seine Ehefrau und Managerin Wanda neben Inter-Trainer Luciano Spalletti und Manager Giuseppe Marotta die Hauptrollen spielen. Die Herren aus der Klubleitung hatten nicht goutiert, dass Wanda Icardi in den sozialen Netzwerken offensiv einen neuen Vertrag für ihren Mann und Klienten forderte, selbstredend verknüpft mit einer saftigen Gehaltserhöhung. Für (männliche) Spieleragenten eigentlich eine übliche Praxis.

Icardis Vertrag läuft noch zwei Jahre, er bekommt 4,5 Millionen Euro netto im Jahr und ist damit vom Spitzenverdiener Cristiano Ronaldo bei Juventus (31 Millionen) Lichtjahre entfernt. Doch der Vorstoß seiner Managerin, garniert mit Sticheleien gegen Mannschaftskollegen, namentlich den Ex-Wolfsburger Ivan Perisic, brachte die Inter-Bosse zur Weißglut. Icardi wurde wegen mannschaftsschädlichen Verhaltens die Kapitänsbinde abgenommen, Trainer Spalletti distanzierte sich öffentlich von ihm. Als der Torjäger sich am Tag nach der Degradierung mit Verweis auf ein schmerzendes Knie weigerte, zum Europa-League-Match gegen Rapid Wien zu reisen, wurde das als Ausrede interpretiert.

Inter wurde auch ohne Icardi locker mit den Österreichern fertig, mit fünf zu null Toren. Die Fronten verhärteten sich weiter, als der Spieler sich in einem offenen Brief über mangelnden Respekt beklagte und im Internet ausgerechnet mit Juventus flirtete. Angeblich soll ein Tausch mit dem Juve-Spieler Paulo Dybala schon beschlossene Sache sein. Zu einer Aussprache mit Trainer und Kollegen ließ Icardi sich bislang trotz Aufforderung nicht bewegen, und zu einer Entschuldigung schon gar nicht. Stattdessen verlangt er ein Gespräch mit Präsident Steven Zhang, der nächste Woche in Mailand eintreffen soll. Das Thema will der Fußballer auch vorgeben: Gehaltserhöhung und neuer Vertrag.

Die Mannschaft ist dem Vernehmen nach schon lange ziemlich genervt von dem 26-Jährigen, der eher durch Exzentrik auffällt als durch Gelassenheit und Verantwortungsbewusstsein. Vielleicht will Inter, wie Icardi argwöhnt, ihn wirklich nur noch loswerden. Immerhin aber kann er auf einen Fan bauen, der sehr viel prominenter ist als er selber: Die Motorradlegende Valentino Rossi, neunmaliger Weltmeister und glühender Interista ging zu Karneval als - Mauro Icardi. Und seine Freundin als Wanda.

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