Eintracht Frankfurt:Zeichen der Stärke oder der Schwäche?

Vehs Gezeter löste zwiespältige Reaktionen unter den Fans aus. Manch einer sieht darin den längst fälligen Weckruf an pomadige Profis. Andere interpretierten den Ausbruch des Trainers als populistischen Versuch, von eigenen Schwächen abzulenken. Veh steht im Ruf, ein Trainer zu sein, der einen guten Lauf moderieren kann, sogar bis zur Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 2007 oder der Europapokalteilnahme bei seinem ersten Engagement in Frankfurt mit der Eintracht 2013. Auf die Idee, Veh als Feuerwehrmann in der Krise zu verpflichten, würde aber wohl kein Entscheider in der Branche kommen.

Denn läuft es nicht, geht Veh auf Abstand zur Mannschaft, oder wirft hin - so wie letztes Jahr beim VfB Stuttgart. Damals war er enttäuscht von dieser VfB-Elf, er hatte sich schlicht in der Qualität der Spieler getäuscht. Auch in Frankfurt hat er schnell erkannt, dass mit diesem Kader die bei seiner Verpflichtung gehegten Europapokalträume nicht zu erfüllen sein werden.

Jetzt fordert Veh Zugänge im Winter

Schon vor Wochen erklärte er deshalb, es gehe in dieser Saison vor allem darum, drei Teams hinter sich zu lassen. Vielleicht hat er Recht, aber hätte er das laut sagen müssen? Der Hinweis auf fehlende Qualität in der Mannschaft kommt bei Veh immer, wenn es nicht läuft. Spieler besser zu machen, Talente zum Beispiel, wäre die Aufgabe des Trainers. Veh, der Genießer, wirkt aber immer ein bisschen beleidigt, wenn die Spieler seine Erwartungen nicht erfüllen.

Dass nun auch Veh Zugänge im Winter fordert, belegt die misslungene Kaderzusammenstellung im Sommer. Außer Torwart Lukas Hradecky und mit Abstrichen David Abraham konnte kein Zugang überzeugen. Der Elf fehlen nicht erst seit gestern: ein Offensivspieler mit Tempo und Dribbelqualitäten auf der linken Außenbahn und ein guter Rechtsverteidiger.

Um die Stimmung nicht vollends zum Kippen bringen zu lassen, ruhen die Hoffnungen auf einen Sieg zum Vorrundenabschluss im Heimspiel gegen Bremen. In Dortmund hegt Veh die vage Hoffnung, dass der Druck in diesem Spiel nicht auf den Schultern seiner Spieler laste. "Wir werden unser Heil nicht in der Offensive suchen", kündigt Veh an. David Kinsombi dürfte einiges zu tun bekommen.

© SZ vom 13.12.2015/fued
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