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DFB: "Keiner von uns ist zurückgetreten"

Nations League: Thomas Müller 2018 gegen die Niederlande

Thomas Müller im November 2018 im Nations-League-Spiel gegen die Niederlande.

(Foto: imago images / VI Images)

Auch am Wochenende äußern sich viele Akteure zur Debatte um den Bundestrainer. Jürgen Klopp kann sich den Job nur "in der Zukunft" vorstellen, Thomas Müller erlaubt sich eine Spitze und der DFB bestätigt, dass Bierhoff sich am 4. Dezember erklären muss.

Von Christof Kneer

Von Thomas Müller weiß man, dass er ausführlich, unterhaltsam und auch präzise reden kann, er kann zum Beispiel Sätze sagen wie: "Wie gesagt, keiner von uns ist zurückgetreten." Selbstbewusst kann Müller demnach auch reden, denn mit diesem Satz hat er sich die Freiheit genommen, auch im Namen von Jérôme Boateng und Mats Hummels zu sprechen - jenen Kollegen, die wie er im März 2019 vom Bundestrainer Jogi Löw aus der Nationalelf verabschiedet worden waren. Löw ist damals in einer geheimen Kommandoaktion nach München gereist, und wenn es stimmt, dass er den drei verdienten Weltmeistern durch persönliche Überbringung der Botschaft seinen Respekt erweisen wollte, dann hat er tendenziell das Gegenteil erreicht - die Spieler hätten den überfallartigen Charakter des Besuchs eher als respektlos betrachtet, heißt es.

Müller hätte also auch von seiner Schweigepflicht Gebrauch machen können, als ihn die Reporter nach dem 1:1 gegen Bremen zur DFB-Elf befragten. Aber er sagte, siehe oben, demonstrative Dinge - und zum Beispiel auch, dass er "natürlich mit den Mitspielern im Verein und den früheren Nationalmannschaftskollegen sowie den Zuschauern" mitleide; zurzeit sei "sehr viel Negativität um das Thema herum, das tut einem schon weh". Und dann sagte Müller noch, er sei "nicht der Meinung, dass wir über Spieler diskutieren sollten". Man solle nach dem 0:6 in Spanien "über andere Dinge diskutieren".

Nein, er hat nicht gesagt, man solle über Löw diskutieren. Aber wer ihn so versteht, der würde von Thomas Müller vermutlich keine Gegendarstellung kassieren.

Der DFB verlangt eine Analyse bis zum 4. Dezember

Löw, 60, muss erstmals richtig um seinen Job kämpfen, erst recht, seitdem am Wochenende bekannt wurde, dass der DFB-Direktor Oliver Bierhoff dem Verbandspräsidium am 4. Dezember in Löws Namen eine Analyse vorlegen soll. Am Montag bestätigte der DFB den Termin auch offiziell. Einen "Freifahrtschein für Jogi Löw" gebe es nicht, zitierte die Bild am Wochenende ein Präsidiumsmitglied. Unabhängig von der Qualität und der tatsächlichen Bedeutung der Analyse werden auf dem Markt natürlich längst die Namen möglicher Nachfolger gehandelt, einige haben sich sicherheitshalber gleich mal aus dem Rennen genommen. "Die Frage nach mir stellt sich für mich nicht", sagte Bayern-Trainer Flick, 55, Löws langjähriger Assistent, der Welt am Sonntag, und verteidigte seinen ehemaligen Vorgesetzten ("der Weg ist in Ordnung"). Auch Jürgen Klopp, 53, verwies umgehend auf seinen "ziemlich intensiven Job" beim FC Liverpool. "In der Zukunft vielleicht. Aber jetzt? Nein", sagte Klopp.

Sollte der DFB eine schnelle Nachfolge-Lösung benötigen, bliebe als Kandidat neben dem immer fröhlichen U 21-Trainer Stefan Kuntz vor allem der branchenweit anerkannte Ralf Rangnick, 62, der sich für die Aufgabe mit hoher Wahrscheinlichkeit erwärmen könnte. Auch eine Zusammenarbeit mit dem DFB-Direktor Oliver Bierhoff könnte für Rangnick entgegen ersten Spekulationen durchaus vorstellbar sein.

Was das dann für Thomas Müller bedeuten würde? Das hat am Wochenende noch niemand gefragt.

© SZ vom 23.11.2020/schm
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