bedeckt München 17°

DFB gewinnt den Confed Cup:Sieg der furiosen Musterschüler

Riesenjubel nach dem Schlusspfiff: Niklas Süle, Emre Can, Lars Stindl und Joshua Kimmich (von links) tanzen auf dem Rasen.

(Foto: AP)
  • Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bejubelt den Sieg beim anfangs so ungeliebten Confed Cup.
  • Im Finale gegen Chile genügt ein frühes Tor von Lars Stindl.

Ob es bei der Fifa jemanden gibt, der Sinn für Selbstironie hat? Anders ist es kaum zu erklären, dass der Weltverband eine Komposition von Ennio Morricone einspielte, als vor dem Confed-Cup-Finale zwischen Chile und Deutschland der Sieger-Pokal ins Stadion getragen wurde. Die Melodie stammt aus Sergio Leones Western "Für eine Handvoll Dollar", was natürlich ein wunderbares Motto für den Weltverband ist. Präsentiert wurde die Trophäe vom brasilianischen Fußballer Hulk, der zwar nicht so grün ist wie der Held aus den Marvel-Comics, aber auch sehr stark. Wer würde den goldenen Götzen nach Hause tragen, das war die Frage.

Um 22.55 Uhr Ortszeit, nach fünf Minuten Nachspielzeit, gab es darauf eine Antwort: Die deutsche Mannschaft, angetreten als bunte B-Mischung aus Junioren, Anfängern und einer Handvoll Semi-Routiniers, stand unvermutet als Confed-Cup-Gewinner auf dem Rasen. Der 1:0-Sieg war glücklich und denkbar knapp, aber trotzdem kein Dusel. Bundestrainer Joachim Löw lief jubelnd auf den Platz, es war ihm ein Bedürfnis, seinen Musterschülern zu danken.

"Ich bin megastolz auf sie", sprach er: "Viele Spieler standen noch nicht in so einem Finale. Ich denke, das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen." Es werde Änderungen gegenüber dem Halbfinale geben, hatte der Bundestrainer angekündigt. Er hielt Wort. Anstelle von Benjamin Henrichs kam Shkodran Mustafi in die hintere Reihe, Joshua Kimmich rückte wieder rechts raus, was sich bewähren sollte: Die Abwehr gab ein stabileres Bild ab als gegen Mexiko. Das war dringend nötig gegen Chile, dessen Trainer Juan Antonio Pizzi sagte, sein Team sähe sich "maximal verpflichtet" für ein großes Finale: Dass die Chilenen es ernst meinen mit der Vaterlandsliebe, war in ihren Gesichtern zu lesen, als die Hymne erklang. Da sangen selbst die Reporter mit, wenn auch schräg.

Hinterlistiges Führungstor durch Stindl

Das Spiel begann mit einer Beschwörung. Arturo Vidal bekreuzigt sich noch, während er nach dem Anstoß den ersten Pass stoppte und weiterleitete, auch das ein Ausdruck maximaler Verpflichtung. Das Geschehen entwickelte sich folgerichtig: Das Spiel der Chilenen war als konzertierter Überfall angelegt, die Deutschen ließen sich einschüchtern. Die Nervosität ließ keinen los, selbst der üblicherweise ballsichere Jogi Löw hatte hinter der Seitenlinie Probleme bei der Ballannahme.

Nach vier Minuten folgte der erste große Aufschrei im vorwiegend von chilenischen Sympathien bewegten Publikum: Stindl verlor den Ball an der Mittellinie, Rüdiger und ter Stegen retteten die Situation gegen Arranguiz und Vargas. Es folgten ein Fehlpass von Ginter mit Ansage (7.) und ein Stockfehler von Goretzka (13.), schließlich war selbst Torwart ter Stegen unsicher: Ein Wunder, dass Sanchez den abgeprallten Ball nach Vidals Gewaltschuss nicht nutzte (19.). Die Deutschen hatten bis dahin keinen Angriff zustande gebracht.

Confed Cup "Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen"
Stimmen zum Confed Cup

"Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen"

Joachim Löw ist "wirklich megastolz", Joshua Kimmich lobt den Zusammenhalt im Team und Chiles Torwart trauert. Die Stimmen zum Confed Cup.

Was tun? Am besten in Führung gehen. Werner klaute in der 20. Minute Marcelo Diaz am Strafraum den Ball und schob ihn zu Stindl, der vor dem leeren Tor bereit stand. Das sah fast aus wie eine gerissene Strategie: Erst lässt man sich hinterlistig an die Wand spielen, dann schießt man souverän das 1:0.