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Deutschland steht im EM-Viertelfinale:Warten aufs Spektakel

Deutschlands Nationalspieler sind zufrieden mit sich - obwohl der Sieg gegen Dänemark und der erste Platz in der schweren Gruppe B hart umkämpft war. Der fehlende Glamour des deutschen Spiels dürfte vor allem an der Defensive der Gegner liegen. Ungebrochen ist jedoch das Grundvertrauen: Irgendeiner schießt halt immer noch ein Tor.

Morten Olsen ist nun 62 Jahre alt. Die Haare sind längst weiß, die kleine Brille unterstützt das Image eines Intellektuellen. Morten Olsen gibt den weisen, lebenserfahrenen Lehrer. So jemanden kritisiert man nicht. Außer man heißt Joachim Löw.

Deutsche Elf in der Einzelkritik

Viele Feuerlöscher, wenig Zündholz

"Die Dänen sind ja nur um den Sechzehner rumgestanden und haben das Spiel verschleppt, als wollten sie hier gar nicht gewinnen", analysierte der Bundestrainer. Dabei hätte der Gegner doch gewinnen müssen, um das Viertelfinale dieser Fußball-Europameisterschaft zu erreichen. Doch Löw habe nie das Gefühl gehabt, "dass sie auf Sieg spielen. Andere hätten vielleicht mehr gedrängt."

Joachim Löw ist kein Mensch, der einem Mann wie Morten Olsen fies einen verbalen Ellbogen in die Seite rammt. Er war nur gerade so drin in der Analyse dieser Partie. Man hatte ja durchaus diese Fragen stellen können: Hätten die Dänen nicht mehr riskieren müssen? Hätten sie nicht irgendwann ihren straffen Abwehrverbund mit stets neun Feldspielern um den eigenen Strafraum herum ein wenig lockern müssen?

Eine Viertelstunde nach Löws Analyse saß Morten Olsen auf dem gleichen Stuhl in den Katakomben des Stadions in Lemberg (Lwiw) in der Ukraine. Als er mit Löws Analyse konfrontiert wurde, wurden aus seinen Lippen zwei dünne Striche, seine hektischen Fingerbewegungen verrieten eine innere Wallung: "1:1 wäre ein gutes Ergebnis für uns gewesen. Wenn du zu viel riskierst, dann sind sie im Konter sehr stark, also musst du sehr aufpassen, nicht zu naiv zu spielen." Dann wurde er grundsätzlich: "Wir spielten gegen eine fantastische Mannschaft. Als neutraler Zuseher macht es Spaß, ihnen zuzusehen. Sie haben es verdient, die Gruppe zu gewinnen." Deutschland sei einer der Favoriten auf den Titel.

Erinnerungen ans rauschende Offensivfest der WM 2010

Der Blick von außen auf diese deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist oft ein anderer als die Sichtweise aus der Heimat. Dort haben die Menschen das rauschende Offensivfest der WM 2010 in Erinnerung, die Feiernächte in den Testspielen gegen Holland und Brasilien, die Tormaschinerie in der Qualifikation.

Und nun bei der EM? Läuft diese Mannschaft 90 Minuten lang mühselig gegen elf Dänen an, es scheint ihr kaum was einzufallen, es gibt wenig Chancen. Kein Schwung, wenig Energie, kein Esprit. Am Ende muss der neue Rechtsverteidiger Lars Bender einen Arbeitssieg zum 2:1 retten.

Der Erfolg an diesem heißen Sonntagabend in der Westukraine reihte sich ein in die Ereignisse der Vorrunde. Zuerst das beschwerliche, fast glückliche 1:0 gegen Portugal, dann das am Ende wacklige 2:1 gegen die Niederlande. Wo ist nur das Spektakel, der Glamour geblieben?

Presseschau zu Deutschland gegen Dänemark

"Dänen haben wir's gezeigt"