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Deutsche Nationalelf vor der EM:Warum sich alles nur noch um die Bayern dreht

Wo spielt Lahm? Wie fit ist Schweinsteiger? Und warum hat Gomez schlechte Laune? Die Debatten im Nationalteam kreisen längst wieder um die Profis aus München. Jetzt, da es ernst wird, ist die Regierungszeit der fröhlichen Dortmunder vorbei - Bundestrainer Joachim Löw versucht mit salomonischem Geschick eine Moderation der schwierigsten Baustellen.

Der Angreifer Mario Gomez hat versucht, sich unauffällig aus dem Leipziger Stadion zu stehlen. Das war schon ziemlich auffällig. Sein Gesichtsausdruck war steinern, und seine Hände steckten gut verstaut in seinen Hosentaschen, als er grußlos auf den Mannschaftsbus zusteuerte. Gomez, der Torschütze beim 2:0 im letzten EM-Test gegen Israel, hatte sehr schlechte Laune.

Trainingslager Nationalmannschaft

Hütchenspieler im Training: Bundestrainer Löw baut wieder auf den Bayern-Block.

(Foto: dpa)

Was die Ursachenforschung betrifft, ist dann in Expertenkreisen natürlich wieder viel spekuliert worden. Das Wort "Chelsea" spielte dabei aber nicht einmal mehr eine Randrolle. Stattdessen machten die Fachbegriffe "Klose" und "Dzeko" die Runde. Den einen Konkurrenten (Miroslav Klose) wird Gomez im Nationalteam partout nicht los. Und den anderen, Edin Dzeko, umrankt das Gerücht, er wolle ihm demnächst beim FC Bayern den Stammplatz rauben.

Gomez kann auf ein Jahr mit einer beeindruckenden Torquote verweisen. Wenn nicht alles täuscht, ist er ordentlich genervt, dass er trotzdem weiterhin als der umstrittene Stolper-Mario wahrgenommen wird. Er beansprucht für sich ein Stürmer-Monopol, das ihm derzeit offenbar niemand geben kann. Oder will.

Bundestrainer Joachim Löw, ein erklärter Fan des spielstärkeren Stürmers Klose, unternahm am Donnerstagabend den Versuch, auf diese Causa salomonisch einzuwirken. "Es ist gut für die Mannschaft, dass sie weiß, dass der Miro und der Mario immer Tore machen können. Eines kann ich jetzt schon sagen: Wir werden unbedingt beide benötigen, wenn wir etwas erreichen wollen", beschwichtigte Löw. Gemessen an den eigentlichen Baustellen seines EM-Kaders dürfte es sich hier tatsächlich um eine Nebensächlichkeit handeln.

Um ein persönliches Problem von Gomez. Aber gerade deshalb war es bezeichnend, dass in Leipzig so viel darüber geredet wurde. Der Block des FC Bayern hat bei dieser Gelegenheit nicht nur die Hoheit auf dem Rasen zurückerobert. Er hat auch ganz nonchalant wieder die Stimmungslage diktiert. Jetzt, da es ernst wird, ist die Regierungszeit der fröhlichen Dortmunder vorbei. Alle wichtigen und halbwichtigen Debatten auf dem Weg nach Osteuropa betreffen bayerische Belange.

Die zentrale Denksportaufgabe ist und bleibt: Wo spielt Philipp Lahm? Präziser formuliert: Wo spielt Philipp Lahm nicht? In der kommenden Woche, die Löw als den entscheidenden Teil der Vorbereitung bezeichnete, soll endlich eine Entscheidung in dieser Grundsatzfrage fallen, von der wiederum die gesamte Statik des deutschen Spiels abhängen dürfte. Das Generalpröbchen gegen Israel lieferte in dieser Hinsicht leider wenig neue Erkenntnisse.

Lahm gab diesmal den Linksverteidiger. Auf rechts hinterließ sein Münchner Mannschaftskollege Jerome Boateng einen durchaus beschwingten Eindruck. Da die Gäste aus Israel aber allenfalls "defensiv aufsässig" waren, wie Löw es formulierte, ließ sich daraus nichts für den Ernstfall ableiten. Die DFB-Auswahl hätte hinten auch mit einer Dreierkette spielen können - es wäre vermutlich gar nicht aufgefallen.

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