Deutsche Fußballer bei Real Madrid:Wehende Mähnen in Weiß

Antonio Rüdiger feiert im Supercup gegen Frankfurt sein Pflichtspieldebüt für Real Madrid. Unter seinen deutschen Vorgängern bei den Madrilenen gibt es Allesgewinner, Frisurenkönige und Gescheiterte.

Jonas Beckenkamp

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Antonio Rüdiger

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Quelle: AFP

Ein echter Berliner im Trikot von Real Madrid, das gibt es nun also auch. Antonio Rüdiger stammt ursprünglich aus Neukölln, doch er hat schon Stationen bei so manchem Klub hinter sich: Jugendfußball bei Borussia Dortmund und in Stuttgart, Bundesliga-Debüt 2012 beim VfB, danach ein steter Aufstieg bis ins Nationalteam. Nach Aufenthalten bei AS Rom und zuletzt beim FC Chelsea (wo er die Champions League gewann), ist er heute einer der verlässlichsten deutschen Abwehrspieler. Logisch, dass Real auf ihn aufmerksam wurde und ihn in diesem Sommer holte. Er soll in Carlo Ancelottis Defensivverbund nun Tore verhindern - auch gegen einen gewissen Robert Lewandowski (li.), dem er in der Vorbereitung gegen Barcelona bereits begegnete.

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Toni Kroos

Real Madrid extends contract of Toni Kroos until 2022

Quelle: dpa

Auch Toni Kroos ist in seinem Leben schon ein bisschen rumgekommen. In Greifswald geboren, wechselte er einst von Hansa Rostock zum FC Bayern - ein ziemlich großer Schritt. In München gewann er Meisterschaften und die Champions League. Also blieb ihm eigentlich nur ein weiterer Karriereschritt übrig: Er musste zu Real. Weil die Bayern ihn nicht so fürstlich bezahlen wollten wie etwa Mario Götze, zog er 2014 in die spanische Hauptstadt. Dort entwickelte er sich zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt. 2016 holte er mit Real erneut die Champions League, doch das war nur der Anfang. Es folgten noch drei weitere Königsklassen-Titel, womit Kroos der erfolgreichste Deutsche der Fußballgeschichte ist. In Madrid setzen sie auch in dieser Spielzeit auf ihn als stillen Organisator.

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Günter Netzer

Netzer At Real Madrid

Quelle: Getty Images

49 Jahre ist es her, da setzte der erste deutsche Profi seine Füße dauerhaft auf den Rasen bei Real: Günter Netzer, damals 29 Jahre alt, machte sich auf zum spanischen Edelklub. Nach einigen Problemen zu Beginn spielte er sich als Regisseur immer mehr in den Vordergrund und gewann schließlich 1975 die Meisterschaft und 1976 das Double. Im Halbfinale des Europapokals kam es in jenem Jahr zum Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern um Uli Hoeneß, das die Münchner letztlich gewannen. Unvergessen ist die Episode, als Netzer sich mit einem seiner schicken Autos vom Traningslager der Madrilenen davonmachte und nach Mönchengladbach in seine Diskothek "Lovers Lane" düste. Netzer kam auf 85 Ligaspiele und fünf Tore in Madrid, 1976 wechselte er zu Grasshoppers nach Zürich.

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Paul Breitner

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Quelle: imago sportfotodienst

Mit WM-Titel im Gepäck zu Real Madrid zu wechseln - das ist die Geschichte von Paul Breitner. Die Saison 1973/74 beendete er noch beim FC Bayern (natürlich mit der Meisterschaft), dann schnappte er sich den begehrten Pokal bei der WM - und zog nach Spanien. Damals kostete so ein Weltmeister noch drei Millionen Mark. Der eigentliche Verteidiger Breitner wurde zum Mittelfeldspieler umgeformt und bildete mit Netzer ein gefürchtetes Duo. Nach zwei Meisterschaftstiteln und dem Gewinn des Landespokals nahm Breitner 1977 wieder Abschied: Er wechselte zu Eintracht Braunschweig, einem damals recht liquiden Verein. Aus seiner Zeit bei Madrid sind 84 Spiele und zehn Tore geblieben - und Erinnerungen an eine ungestüme Frisur.

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Uli Stielike

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Quelle: Ferdi Hartung/imago

In den Jahren 1977 bis 1985 herrschte in der weißen Defensive Uli Stielike. Der frühere Gladbacher verbrachte höchst erfolgreiche Jahre in der spanischen Hauptstadt - zwischen 1979 und 1982 wurde er viermal in Folge zum besten ausländischen Spieler der Primera División gewählt. Von seinen Erfolgen im Real-Trikot können die "Galaktischen" der Neuzeit wie Beckham, Ronaldo oder Kaká nur träumen: Mit Stielike gewann Real den Uefa-Cup (1985) sowie drei spanische Meisterschaften (1978, 79, 80). In 215 Spielen brachte er es auf 41 Tore - für einen Defensivspieler eine beachtliche Quote.

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Bernd Schuster

Bernd Schuster

Quelle: imago sportfotodienst

Gleich zweimal in Madrid vorgestellt wurde Bernd Schuster: Als Spieler (1988-90) und als Trainer (2007/2008) verbrachte er insgesamt dreieinhalb Jahre in Madrid. Nach acht verdienstvollen Jahren beim FC Barcelona wechselte der "Blonde Engel" 1988 zum Rivalen Real. Nach kurzer Aklimatisierungsphase entwickelte sich Schuster dort zum wichtigen Spielmacher - und Torschützen. Nach zwei gewonnenen Meisterschaften, 62 Ligaspielen und 13 Toren trennte sich Real von ihm - und der gebürtige Augsburger ging zu Atlético. Als Trainer gewann der 21-fache Nationalspieler 2008 zwar auf Anhieb die Meisterschaft, doch für die anspruchsvollen "Madridistas" ließ er nicht spektakulär genug spielen. Nach einigen Problemen zu Beginn seiner zweiten Saison als Trainer wurde er im Dezember 2008 entlassen.

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Bodo Illgner

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Quelle: imago sportfotodienst

Auch ein deutscher Torhüter sollte es zu Real Madrid schaffen: Bodo Illgner wechselte 1996 vom 1. FC Köln zu den Spaniern, für etwa vier Millionen Mark. Der damalige Trainer Fabio Capello wollte ihn unbedingt, in der Folgezeit entwickelte sich Illgner mit dem "weißen Ballett" zum Titelsammler. Zwei Meistertitel (1997, 2001) sowie zwei Champions-League-Siege (1998, 2000) machten aus dem ewigen Abstiegskämpfer aus Kölner Zeiten einen vermeintlichen Siegertypen - wären da nicht die Querelen zum Ende seines Aufenthaltes in Madrid gewesen: Obwohl er in den letzten beiden Jahren kaum mehr zum Einsatz kam, pochte Illgner auf Erfüllung seines Vertrages. So saß er komplette zwei Jahre seines Kontraktes aus - und kassierte ein Gehalt von fünf Millionen Mark pro Saison. Danach beendete er seine Karriere mit 91 Ligapartien für Real, er war einer der erfolgreichsten Deutschen dort.

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Jupp Heynckes

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Quelle: AP

Illgners beste Phase bei Real war eng mit dem Trainer Jupp Heynckes verbunden, der nach der Entlassung von Capello 1997 und der Absage von Ottmar Hitzfeld kurzerhand in den Trainer-Chefsessel gehievt wurde. Heynckes wurde zwar in der Meisterschaft nur Vierter, doch er gewann 1998 prompt die Champions League mit einem starken Real-Team um die Größen Clarence Seedorf (Mitte), Pedrag Mijatovic und Raúl (re.) - doch weil auch seine Fußballphilosophie nicht dem Gusto der Vereinsführung entsprach, musste Heynckes nach nur einem Jahr wieder gehen. Als amtierender Champions-League-Sieger, wohlgemerkt.

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Christoph Metzelder

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Quelle: imago sportfotodienst

Es sollte mehr als ein halbes Jahrzehnt vergehen, bis wieder ein Deutscher das weiße Leibchen tragen durfte. Diese Ehre gebührte dann Christoph Metzelder. 2007 wechselte der damalige Dortmunder zu Real, nachdem er bei der WM 2006 mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Metzelders Zeit in Madrid verlief dann aber weniger erfolgreich. Zwar gewann er die Meisterschaft, doch meistens erlebte er das Geschehen von der Bank aus. Ausgerechnet während der Trainerzeit seines Landsmanns Bernd Schuster (Saison 2007/2008) wurde Metzelder eher selten berücksichtigt. Letztendlich kam der 47-fache Nationalspieler (auch wegen vieler Verletzungen) in seinen drei Jahren bei Real nur zu 23 Einsätzen in der Liga. Heute ist er abgestürzt, nachdem er des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt wurde.

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Sami Khedira

Real Madrid CF v Olympique Lyonnais - UEFA Champions League

Quelle: Getty Images

Servus Ländle, Buenos días Madrid: Sami Khedira wechselte nach langem Transfergerangel 2010 zu Real. Der damals 23-Jährige sagte seinem Heimatverein VfB Stuttgart auf Wiedersehen und erhielt beim spanischen Rekordmeister einen Fünfjahresvertrag. Der VfB und die Madrilenen einigten sich nach zähen Verhandlungen auf eine Ablöse, die zwischen 13 und 14 Millionen Euro betragen haben soll. In Spanien hat er nun alle erdenklichen Titel gewonnen, unter anderem auch die Champions League 2014, als der nach einem Kreuzbandriss triumphal zurückkehrte. Khedira ist zudem einer der wenigen Deutschen, der in einem Clásico gegen Barcelona traf - 2012 im Nou Camp. Danach ging es für ihn zu Juventus Turin, wo er noch einmal sechs Jahre spielte und fünf italienische Meistertitel holte. Nicht schlecht.

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Mesut Özil

Real Madrid v Valencia - La Liga

Quelle: Getty Images

Ein deutscher Kollege von Khedira war lange Zeit Mesut Özil: Nach der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wechselte er von Werder Bremen zu Real Madrid. Nach wochenlangem Hin und Her einigten sich die beiden Klubs, die Ablösesumme lag bei etwa 15 Millionen Euro. In seinem ersten Jahr spielte sich Özil direkt in die erste Elf. Der Mittelfeldmann lieferte entscheidende Pässe und war insgesamt ein wichtiger Vorbereiter im Team. Doch seine Leistungsschwankungen sahen die Verantwortlichen gar nicht gerne und stellten ihm mit Isco zu Beginn der Saison 2013/14 einen starken Konkurrenten an die Seite. Nach 105 Liga-Partien und 19 Toren wechselte Özil zum FC Arsenal. Heute heißt sein Klub Istanbul Başakşehir FK.

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Nuri Şahin

Nuri Sahin

Quelle: dpa

Den jüngsten Spieler mit deutschem Personalausweis hatte sich Real 2011 geschnappt: Nuri Şahin, damals ein verdienter Dortmunder mit Meisterschale im Gepäck, kostete etwa zehn Millionen Euro Ablöse und wollte sechs Jahre bleiben. Doch daraus wurde nichts: Der türkische Nationalspieler machte eine harte Zeit durch, er wurde von Verletzungen geplagt oder blieb unauffällig im Team der Madrilenen. So kam er nur auf vier Ligaeinsätze, im Pokal schoss er ein Tor - dann verlieh ihn der Klub erst an Liverpool, dann 2013 an Dortmund. Heute ist er Trainer in der Türkei.

© sueddeutsche.de/ebc
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