Chaos-Tage beim TSV 1860 Herzliche Abneigung

Sehr besorgt waren auch die Vizepräsidenten Maget und Hauner. Sie hatten Schneider bekniet, auf keinen Fall zurückzutreten, weil das den Zweitligisten führungslos machen würde. Schneider lenkte ein, er wird also beim Heimspiel am Samstag gegen den Karlsruher SC als Präsident auf der Tribüne sitzen.

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Und er wird im Stadion womöglich Ismaik treffen, und dessen Statthalter Iraki. Und 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer; sowie Otto Steiner, Medien-Manager und Aufsichtsratschef der Fußball GmbH & Co KGaA. Und andere wichtige Löwen-Leute. Manchen von ihnen ist nur noch gemeinsam, dass sie einander in herzlicher Abneigung verbunden sind.

Für Trainer Reiner Maurer und seine Mannschaft sind die Klub-Verantwortlichen derzeit keine Hilfe, sondern eine Belastung. Die Gefahr ist groß, dass die Unruhe im Verein sich auf die Kicker überträgt und erneut eine auch sportlich verkorkste Saison droht, mit einer tristen Stimmung im Stadion und Abstiegskampf.

So hatte sich Investor Ismaik das nicht vorgestellt, als er im Frühjahr mit 18 Millionen Euro beim TSV 1860 eingestiegen war und davon zu träumen begann, mit den Löwen in zehn Jahren dort zu sein, wo heute der FC Barcelona steht. Inzwischen ist Ismaik in der Wirklichkeit angekommen. Er sagte, er gebe doch nicht so viel Geld aus, damit der TSV 1860 "weitermacht wie bisher".

Am Samstag, vor und nach dem Spiel, gibt es viel zu bereden. Der Verein will nicht länger akzeptieren, was Ismaiks Statthalter Iraki bislang so treibt. Die Frage ist nur, mit welcher Autorität Schneider noch auftreten kann. Ein internes Votum im Verein für den Präsidenten war mit so großen Vorbehalten versehen worden, dass der 64-jährige sich bereits als "lahme Ente" gefühlt hatte.

Ein zerzauster Löwe wäre ein noch besseres Bild. Schneider war erzürnt und wollte daraufhin erst recht zurücktreten, bevor ihn seine Stellvertreter davon abbrachten. Im Präsidium herrscht Eintracht, ansonsten wird von Vereins-Funktionären mitunter auch kräftig intrigiert.

Hinzu kommt, dass der Präsident Schneider und Geschäftsführer Schäfer längst gegeneinander arbeiten. Der erst 35 Jahre alte Schäfer will sich offenbar von Schneider nicht in das Tagesgeschäft dreinreden lassen. Und Schneider wiederum soll Schäfer inzwischen als Marionette des Investors betrachten, heißt es in Vereinskreisen.

Investor Ismaik ist irritiert über die vielen Anschuldigungen und Schlagzeilen und beteuert, er wolle doch nur das Beste für 1860. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Schneider, der selbstverständlich Präsident bleiben soll. Öffentliche Debatten ist der Immobilien-Millionär vom Persischen Golf wohl nicht gewohnt. Er bittet die Fans um Verständnis, dass man künftig nur intern diskutieren wolle, "um das Ansehen des TSV 1860 zu schützen".

Um Deeskalation bemüht sich nun auch der Klub. Es habe eben einen "Anpassungsprozess" zwischen Verein und Investor gegeben.