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Juventus gegen Lyon:In Ronaldo stecken noch ein paar Jahre

Serie A - Cagliari v Juventus

Cristiano Ronaldo ist mittlerweile 35 - aber er will natürlich noch viel mehr gewinnen.

(Foto: REUTERS)

Das Selbstbewusstsein von Juve ist lädiert, da kann nur einer helfen, der mehr als genug davon hat. Beim Achtelfinal-Rückspiel gegen Lyon geht es auch im die Zukunft von Ronaldo in Italien.

Von Oliver Meiler, Rom

Als Juventus Turin vor zwei Jahren Cristiano Ronaldo zu sich holte, ins fußballerisch ergraute Italien, da war allen klar, dass der Portugiese vor allem in den wirklich entscheidenden Momenten strahlen sollte, auf den größten Bühnen, in der Champions League. Notfalls als Solist, in kolossaler Abkehr von Juves altem Credo, das immer vom Kollektiv ausging. Aber die Verzweiflung war nun mal groß.

Seit einem Vierteljahrhundert hat Juve die Königsklasse nicht mehr gewonnen, und das ist schmachvoll lange für das Königshaus des Calcio, fast eine Ewigkeit. Und nun fürchtet man vor dem Rückspiel im Achtelfinale einen Bühnensturz. Gegen Olympique Lyon, einen Nachbarn von jenseits der Alpen. Und was dann wäre, im Fall eines solchen Bühnensturzes, das mag sich im Moment lieber niemand ausmalen.

Lyon war in den Nullerjahren mal eine große Nummer, siebenmal in Serie französischer Meister. Jetzt aber darf es im Grunde kein Gegner sein für Juve, das gerade seinen neunten Meistertitel nacheinander gewonnen hat, la nona, wie es heißt, als wäre es Beethoven neunte Symphonie. Mit letzter Kraft, ausgelaugt, nicht mehr sie selbst: nach drei Niederlagen in den letzten vier Begegnungen. Das Selbstvertrauen ist grob lädiert. Da kann nur einer wie CR7 helfen, dem es daran nie gebricht.

Das Hinspiel in Lyon verlor Juventus vor Monaten 0:1, eine tückische Ausgangslage. Kassiert man ein Tor, was bei den jüngst erstaunlich porösen piemontesischen Verteidigungslinien kein Wunder wäre, dann bräuchte es schon eine ganz große Nacht des Tenors aus Funchal, des "Campione assoluto" (La Repubblica), des "Leitsterns" (Corriere della Sera). In den überdrehten Prädikaten der italienischen Zeitungen schwingt immer auch eine meditative, eine schier mantramäßige Note mit.

Alle Rekorde Ronaldos in den Zeitungen

Tagelang listeten die italienischen Zeitungen alle Rekorde Ronaldos aus der Champions League auf, selbstredend dessen Lieblingswettbewerb. Fünfmal hat er ihn gewonnen, einmal mit Manchester United, viermal mit Real Madrid, natürlich kann er nicht genug davon bekommen.

Hier eine kleine statistische Auswahl: 129 Tore hat Ronaldo erzielt in bisher 169 Einsätzen, 65 davon in der Knock-out-Phase, damit steht er auch weit vor seiner sportlichen Nemesis, Lionel Messi. 27 Mal gelangen Ronaldo in einem Spiel zwei Treffer, achtmal sogar deren drei.

Und noch dies: In den vergangenen neun Jahren schaffte er es immer mindestens bis ins Viertelfinale der Champions League. 2010, damals noch mit Real, war schon im Achtelfinale Schluss, der Gegner hieß: Lyon. Das Hinspiel in Lyon hatten die Franzosen gewonnen: 1:0. Parallelen?

Es ist also die Nacht der Nächte, alles wird verhandelt, wohl auch Ronaldos unmittelbare Zukunft in Italien.

Als er im Sommer 2018 in Turin landete, da begingen die Italiener die Ankunft wie eine Renaissance ihres Fußballs - euphorisch, ein bisschen ungläubig auch. Die Zeiten, da die Weltbesten nach Italien kamen, waren im Grunde schon lange vorbei, die Fans hatten sich arrangiert mit der zweiten Riege, den Mitsingern. CR7 war eigentlich viel zu groß für die Serie A, ein Special Act im Meer der Mittelmäßigkeit.

Für die Agnellis, denen der Verein seit 1923 gehört, hat sich die Verpflichtung schnell ausgezahlt. Dank Sponsoren und Merchandising sprang der Umsatz von Juventus im ersten Jahr gleich von 411 auf 494 Millionen Euro. Der globale Bekanntheitsgrad der Marke wuchs exponentiell, Cristiano Ronaldo hat 400 Millionen Follower in den sozialen Netzwerken.

Und er ist eine Rundum-Persönlichkeit, extrovertiert und polarisierend, ein Traum für die Vermarkter. Alles an ihm interessiert, über alles wird ständig berichtet: die Frauengeschichten und die Zweifel daran, das Styling der Haare, der Waschbrettbauch als plastischer Fleißnachweis, seine wohltätige Ader, sein unbescheidenes Ego, die dazu gehörenden teuren Autos, die Luxusyacht in Portofino, die ihm der Hersteller offenbar umsonst zur Verfügung stellt, weil ein Foto mit Ronaldo an Bord mehr wert ist als ein paar Dutzend Werbespots.

Wenn CR7 auf Instagram ein Produkt postet, ist das den Firmen 754 000 Euro wert. In seiner Karriere hat er schon mehr als eine Milliarde Euro verdient.

Er ist eine Welt für sich. Auf dem Platz wirkt es manchmal, als spiele er nur noch für sich allein, für die Fortschreibung der Legende, für die Trophäensammlung, fürs Museum auf Madeira. Die Anweisungen von Trainer Maurizio Sarri klingen bestenfalls wie fakultatives Gesäusel in seinen Ohren, er hält ihn für eine mittelmäßige Besetzung. Im vorletzten Spiel der Saison gegen Cagliari, als Juve schon Meister war, wollte Ronaldo unbedingt mit nach Sardinien fahren. Er rechnete sich aus, dass er noch Torschützenkönig werden könnte, und schoss aus allen Lagen aufs Tor, auch aus unmöglichen. Die Kameraden verzogen das Gesicht, er war frustriert, Juve verlor 0:2. Die Szene war entlarvend, ein bisschen peinlich, das Sinnbild für ein Missverständnis.

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