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Juventus Turin:Ronaldo hört nur auf Ronaldo

Juventus Turin - Sampdoria Genua

Der so wichtige Torgarant in dieser unsteten Saison: Cristiano Ronaldo (l.).

(Foto: dpa)

Juve holt zum neunten Mal in Serie den Titel in der Serie A. Doch nie wirkte das Team verwundbarer - unter Trainer Sarri ist in Turin kaum ein echter Plan zu erkennen.

Von Oliver Meiler, Rom

Als der Druck dann endlich weg war, der Druck des Siegenmüssens, steckte sich Maurizio Sarri eine Zigarette an, in der Umkleidekabine, und sagte zu seinen Spielern: "Wenn ihr sogar mit mir gewinnt, seid ihr wirklich stark." In dieser selbstironischen Aussage des Trainers war alles drin, der ganze Spannungsabfall zum Ende einer Saison, von der man dachte, sie bringe Turin und damit Italien eine Revolution, oder mindestens eine philosophische Neuausrichtung: den "Sarrismo".

Juventus Turin ist Meister, zwei Spieltage vor Schluss, zum 36. Mal in der Vereinsgeschichte und zum neunten Mal in Serie. Das hat noch keine Mannschaft aus einer der fünf großen Ligen in Europa geschafft. Der FC Bayern steht bei acht, Olympique Lyon brachte es einmal auf sieben, Real Madrid zwei Mal auf fünf in Folge.

Ein bisschen etwas für die Ewigkeit ist das also schon. "Unendliches Juve", schreibt Tuttosport. Die Zeitung hat einen natürlichen Hang zur Totalverklärung, sie wird in Turin gemacht. Und doch schwingt in allen Elogen zu dieser "Neunten Symphonie", wie die römische Repubblica den Titel nennt, viel Verwunderung mit, auch etwas Ernüchterung. Und Hoffnung für alle anderen.

Juventus war "nie so zerbrechlich und widersprüchlich"

Juve war nämlich in diesem Herrschaftszyklus der dreitausend Tage, seit Mai 2012, nie schlagbarer gewesen als in dieser Saison. "Nie war es so menschlich", schreibt die Gazzetta dello Sport, "nie so zerbrechlich und widersprüchlich".

Und das hatte nicht unwesentlich mit dem Trainerwechsel im vergangenen Sommer zu tun. Maurizio Sarri, 61, früher Angestellter der toskanischen Bank Monte dei Paschi di Siena und dann lange Jahre Trainer in der Provinz, untere Ligen, sollte der Fidanzata d'Italia, der ehrenwert gealterten Verlobten Italiens, einen neuen Fußball beibringen - einen moderneren, angriffigeren, schnelleren. Weg vom Abwarten, von der obsessiven Kontrolle. Hin zu ganz engen, riskanten Linien, zum schnellen Kombinationsspiel, in dem vorne alle wirbeln - wie beim Flipperkasten mit diesen Springfedern, nur dass die Bälle im Spiel Sarris selten wild wegspringen.

So sah das früher bei Napoli aus, wo er sein Modell in drei Jahren perfektionierte und damit beinahe Meister wurde. Die Enzyklopädie Treccani hat den "Sarrismus" damals in seine Begriffssammlung aufgenommen. "Sarrismo" steht auch für die undiplomatische Art des Urhebers, für seine meistens finstere Miene und seine rauchige Stimme. Nach einem Abstecher zum FC Chelsea in die Premier League war er nun also bei Juve gelandet, das er so oft kritisiert hatte, beim Primus. Eine kitschige Karriere.

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