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Champions League: Real - Barça:Das Gift des José

Nach dem Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona lenkt Real-Trainer José Mourinho vom eigenen Versagen ab und übertrifft sich selbst. Er greift den Schiedsrichter an, die Uefa, Barça-Trainer Guardiola. Und die ganze Welt.

Es ist inzwischen schwer festzustellen, ob José Mourinho, der "puto amo" des Pressesaals, wie ihn Josep Guardiola nannte, seine Worte als psychotaktische Angriffe einsetzt. Oder ob er wirklich glaubt, was er da sagt.

Real Madrid v Barcelona - UEFA Champions League Semi Final

Alle gegen einen: José Mourinho bedankt sich hämisch beim Schiedsrichter.

(Foto: Getty Images)

Etwa eine Stunde, nachdem der FC Barcelona das völlig überhitzte erste Champions-League-Halbfinale 2:0 gewonnen hatte, setzte sich der Trainer von Real Madrid vor die internationale Presse. Und legte los, wie vielleicht selbst der "puto amo", frei übersetzt der "verdammte Chef", noch nie losgelegt hat.

"Wir sprechen von einer phantastischen Mannschaft, dem FC Barcelona, damit niemand meine Worte verdreht", begann Mourinho. Doch zum Verdrehen gab es keinen Anlass, denn die Worte waren so eindeutig, dass selbst der böswilligste Wortverdreher nichts mehr zum Drehen gefunden hätte.

"Manchmal ekelt es mich ein wenig an, auf dieser Welt zu leben, aber so ist unsere Welt." Voll Ekel sprach Mourinho dann über Schiedsrichter Wolfgang Stark aus Landshut, der sich in einem von Real Madrid wieder überhart geführten Duell mit dem Erzrivalen erlaubt hatte, das überharte Einsteigen der Gastgeber irgendwann zu ahnden. "Wir müssen nun voller Stolz nach Barcelona fahren, ohne Pepe, der nichts gemacht hat, ohne Ramos, der nichts gemacht hat und ohne den Trainer, der sich nicht auf die Bank setzen darf."

Sergio Ramos hatte nach einem Foul an Lionel Messi völlig zu Recht von Stark eine gelbe Karte gesehen, womit der Verteidiger für das Rückspiel gesperrt ist. Pepe hatte nach einem vehementen Foul an Dani Alves Rot gesehen, eine harte aber vertretbare Entscheidung und eine Folge des sehr körperbetonten Spiels der Gastgeber. Anschließend unterstellte Mourinho dem Schiedsrichter-Assistenten, einen vorher verabredeten Auftrag auszuführen, um Real Madrid zu schwächen. "Well done" - "Gut gemacht" rief er ihm zu, reckte den Daumen nach oben, zwinkerte ihm zu und sah dabei aus wie der oberste Mafia-Pate der Provinz Madrid. Schiedsrichter Stark verwies Mourinho auf die Tribüne.

Doch nicht nur der (in dieser hitzigen Partie außerordentlich gut pfeifende) deutsche Schiedsrichter wurde Opfer von Mourinhos Verschwörungstheorien. Auch der europäische Fußball-Verband Uefa soll sich konspirativ mit dem Rivalen aus Barcelona zusammengetan haben. "Heute wurde demonstriert, dass du gegen Barcelona keine Chance hast. Weil die Uefa lässt keine andere Mannschaft gegen sie gewinnen", fabulierte Mourinho. "Ich verstehe nicht warum. Vielleicht, weil sie für Unicef geworben haben. Vielleicht, weil sie sehr sympathisch sind." Und: "Ich hoffe, dass ich nicht mein ganzes Leben mit dieser Frage leben muss und eines Tages eine Antwort erhalte."

Dass Mourinho ein Meister darin ist, die Schuld an Niederlagen bei anderen zu suchen, daran hat sich die Fußball-Gemeinde inzwischen gewöhnt. Während ihm das Umfeld des eigenen Vereins für die "Wir-gegen-alle"-Stimmung dankt und die Reihen schließt, blickt der Rest verwundert bis belustigt auf diesen skurrilen Mann, der mit seinem bizarren Verhalten den faszinierenden Bösewicht im Fußballtheater gibt.

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