bedeckt München 22°

Champions League:Lewandowski ist Bayerns Starkmacher

Champions League - Round of 16 Second Leg - Bayern Munich v Chelsea

Robert Lewandowski (oben): Wird zum Lohn auch schon mal durch die Arena getragen.

(Foto: MICHAEL DALDER/REUTERS)

Der FC Bayern im Jahr 2020 wird angetrieben von frischen Kräften wie Leon Goretzka und Joshua Kimmich. Doch die meiste Energie verströmt gerade der bald 32-jährige Robert Lewandowski.

Von Benedikt Warmbrunn

Ganz am Ende dieses letzten Fußballabends der Saison in der Münchner Arena knarzte und rauschte es noch einmal. Die meisten Spieler hatten das Feld verlassen, auf den Tribünen hockten noch ein paar Funktionäre, Journalisten und Ersatzspieler. Da war aus den Lautsprechern plötzlich eine Stimme zu vernehmen, allerdings nicht die fröhlich glucksende von Stadionsprecher Stefan Lehmann.

Es war für die erfahrenen Besucher der Arena keine unbekannte Stimme, aber wer da ein paar schwer verständliche Anweisungen ins Mikrofon krächzte, das war zunächst nicht zuzuordnen. Dann aber lachte der Mann aus dem Off, und nun war es nicht mehr zu überhören, wer sich da einen Scherz erlaubt hatte. Javier Martínez kam unter dem Dach der Ersatzbank hervor, wo er sich der Stadiontechnik bemächtigt hatte. Er lief auf den Platz raus. Er hatte nun alles vorbereitet für einen letzten kleinen, großen Auftritt.

Und der, den Martínez ausgerufen hatte, der hatte auch verstanden. Martínez reichte sein Smartphone weiter an Lucas Hernandez, dann stellte er sich auf den Rasen, unten die Badelatschen, oben ein Grinsen, und so blickte er empor auf die Tribünen, von denen aus sie ihm jahrelang zugejubelt hatten, die nun aber leer waren und auf die Martínez vielleicht nie wieder blicken wird. Dann machte Hernandez, der teuerste Spieler der Bundesliga, ein Foto von dem Spieler, der einst der teuerste Spieler der Liga war und einer der besten.

Ein paar alte Helden sind immer noch nicht wegzudenken

Die Reise zum Finalturnier der Champions League nach Lissabon, für die sich der FC Bayern am Samstag durch ein weitestgehend lässig herausgespieltes 4:1 im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea qualifiziert hatte, wird für Martínez wohl zur Abschiedsreise; wohin es den bald 32 Jahre alten Basken ziehen könnte, ist noch offen; der kicker berichtete zuletzt, Stade Rennes sei interessiert. Sportlich werden sie Martínez kaum vermissen, gegen Chelsea wurde er wenige Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt, als alles entschieden war. Der Mann, der beim Champions-League-Titelgewinn 2013 als entscheidendes Puzzleteil gefeiert worden war, wird in Lissabon nur noch als einfaches Delegationsmitglied dabei sein.

Aber eben auch als eine Erinnerung daran, was für Typen es braucht für den ganz großen Triumph.

Die Bayern werden gerade oft mit ihren Vorgängern von vor sieben Jahren verglichen, um den Martínez der Gegenwart geht es dabei kaum noch. Ein paar alte Helden sind immer noch nicht wegzudenken, in der Offensive läuft Thomas Müller immer noch seine Thomas-Müller-Wege, im Tor hält Manuel Neuer wieder wie Manuel Neuer (außer beim Gegentor durch Tammy Abraham am Samstag, da war ihm der Ball entglitten wie ein glitschiges Stück Seife), in der Abwehr verteidigt Jérôme Boateng wieder mit der wuchtigen Autorität seiner früheren Jahre (dass er gegen Chelsea angeschlagen ausgewechselt wurde, beunruhigte Trainer Hansi Flick am späten Samstagabend nicht; er weiß, dass Boateng zäh sein kann).

Doch so wie die Bayern von 2013 auch angetrieben wurden von frischen Kräften wie dem damals für 40 Millionen Euro geholten Martínez, so werden auch die Bayern von 2020 angetrieben von ein paar frischen Kräften. Vom kraftvollen Leon Goretzka, vom flinken Alphonso Davies und natürlich von dem in Ehrgeiz getauften Joshua Kimmich. Doch die entscheidendste frische Kraft in diesem August ist ein Spieler, der seit 2014 für Bayern spielt und der zwei Tage vor dem auf den 23. August terminierten Finale in Lissabon 32 Jahre alt wird. Robert Lewandowski ist in diesen Wochen für den FC Bayern so wichtig wie nie zuvor.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite