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Champions League:Bayern löschte das Feuer an der Anfield Road

Die Taktik und ihre Umsetzung nahm Klopps Mannschaft die Wucht und löschte das Feuer an der Anfield Road. Dabei gab das mystische Backstein-Stadion, an dem noch nie eine deutsche Mannschaft gewinnen konnte, alles. Das berühmte "You'll never walk alone" sangen die Fans so laut, dass man die zeitgleich aus den Boxen kommende Champions-League-Hymne nicht hören konnte. Das Spiel begann also durchaus mit einem Orkan, aber so wie Salah und Mané ins Leere liefen, so verstummten auch die Gesänge von den Tribünen nach und nach wie die Schläge eines Boxers, der nach den ersten harten Fausthieben auf den Boxsack müde wird. Am Ende kam statt einem Sturm von den Rängen jedenfalls nur noch Nieselregen - die Trumpfkarte Anfield hat Klopp damit in diesem Duell verloren.

Liverpools Trainer saß dann auch vor den Mikrofonen wie jemand, der unfreiwillig geduscht wurde. "Das war ganz offensichtlich nicht das Spiel, von dem wir geträumt haben", sagte er. "In Germany, we say, it was a little bit like the Hornberger Schießen", erklärte Klopp: großes Ballyhoo vor dem Spiel und dann nicht so viel Action in den 90 Minuten. Er habe Bayern nicht so erwartet, gab er zu. Die tiefstehenden Außenverteidiger, wie Gnabry verteidigt hätte - das sei alles überraschend gewesen. Er denke auch, dass Bayern sich im Augenblick besser fühle als seine eigene Mannschaft.

Zum Rückspiel kehrt Liverpools Abwehrchef zurück

"Aber", sagte Klopp dann ein bisschen lauter, "Tag für Tag wird sich das Ergebnis ein bisschen besser für uns und ein bisschen schlechter für Bayern anfühlen." Ein 0:0 sei rechnerisch das beste Unentschieden, dass man in der Champions League zu Hause holen könne, und wenn Liverpool 1:0 gewonnen hätte, dann hätte sich für das Rückspiel nicht so viel geändert: "Es war nicht perfekt, aber gut genug, um damit zu arbeiten."

Das Fiese an diesen Aussagen war, dass darin ein Kern Wahrheit liegt: Jeder Liverpool-Treffer im Rückspiel am 13. März würde die Notwendigkeit eines zusätzlichen Bayern-Tores nach sich ziehen. Bei Klopps Mannschaft kehrt dazu voraussichtlich der im Hinspiel gesperrte Abwehrchef Virgil van Dijk zurück, beim FC Bayern dagegen wird Joshua Kimmich wegen seiner dritten gelben Karte fehlen. Vielleicht herrschte auch deswegen in der Bayern-Kabine "keine Partystimmung", wie Rummenigge berichtete. Wobei der Bayern-Boss das ausdrücklich gut fand: Er deutete es als Zeichen der Konzentration.

Spätestens da wurde klar: Die Münchner ließen in dieser Regen-Nacht von Liverpool keine Schmuddelwetter-Gedanken zu. Der FC Bayern wollte ausnahmsweise in dieser Saison einfach mal stolz auf sich sein.

© SZ.de/ebc/stein
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