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0:4 gegen FC Bayern:Dortmund gleicht einer Sandburg bei Sturmflut

"Bayern hat extrem foregecheckt, hat übers ganze Feld fast eins-gegen-eins gespielt", sagte Hummels, "wir haben es verpasst uns da rauszulösen."

(Foto: Christof Stache/AFP)
  • Borussia Dortmund verliert 0:4 gegen Bayern München - und lässt dabei elementare Qualitäten vermissen.
  • "Eine Nicht-Leistung" sei das gewesen, sagte Sportdirektor Zorc, "das war überhaupt kein Fußball."
  • Bei Trainer Lucien Favre sucht er trotzdem nicht die Schuld und sagt: "Fragen Sie die Spieler."

Seine Karriere verdankt der Fußballprofi Mats Hummels auch der Tatsache, dass er seinen Ehrgeiz nur schwer verstecken kann. Bei einem Heimspiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund zum Beispiel gewann Hummels einmal in der zweiten Halbzeit einen Zweikampf, aber er sicherte den Ball dabei nicht, er grätschte ihn ins Aus. Also schnappte sich Hummels den Ball, hielt ihn sich vor das Gesicht, brüllte ihn an, und wenn er nicht von Millionen Menschen beobachtet worden wäre, dann hätte er den Ball vielleicht auch noch aufgegessen. Das war in diesem Jahr im April, Hummels spielte noch für den FC Bayern, der FC Bayern gewann 5:0.

Am Samstag, als wieder der FC Bayern zu Hause gegen Dortmund spielte, klopfte sich Hummels zum Ende der ersten Halbzeit auf die Brust, einmal, zweimal, dreimal, wieder brüllte er, doch dieses Mal nicht zum Ball, sondern zu seinen Mitspielern. Doch keiner schien ihm zuhören zu wollen, verschämt warteten sie auf den Eckball des Gegners, und wenn sie nicht von Millionen Menschen beobachtet worden wären, wären sie vielleicht zur Eckfahne gerannt, um sich dort im Ball zu verstecken, um sicher zu sein vor Hummels' Ehrgeiz. Hummels spielt inzwischen wieder für Dortmund, der FC Bayern gewann 4:0.

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"Wenn ich es auf eine Sache beschränken muss", sagte Hummels später darüber, was seinem Team gefehlt habe bei dieser Niederlage, "dann ist es: dagegenhalten, wenn der Gegner körperlich voll da ist."

Dortmunds Auftritt war erschreckend

Hummels, der im Sommer nach drei Jahren bei seinem Jugendverein in München nach Dortmund zurückgekehrt ist, wo er zuvor acht Jahre lang gespielt hatte, muss sich am Samstagabend vorgekommen sein wie in einem persönlichen Albtraum. In der vergangenen Rückrunde war er beim FC Bayern der Spieler, der wie kein anderer mit seiner inneren Haltung für die Aufholjagd stand.

Doch weil er dann in München nicht die Wertschätzung bekam, die er sich erhofft hatte, wechselte er nach Dortmund, um einer jungen, begabten, auf Geschwindigkeit aufgebauten Mannschaft das nötige staatsmännische Gegengewicht zu geben. Am Samstagabend aber wirkte Hummels in seinem Ehrgeiz, in seinem Willen zum Dagegenhalten wie ein Gymnasiast, der versehentlich noch einmal in der Vorschulgruppe eingeordnet wurde.

Dass der Dortmunder Auftritt erschreckend war, das versuchten nicht einmal die Verantwortlichen des BVB zu beschönigen. "Eine Nicht-Leistung" sei das gewesen, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Angesprochen auf den von ihm in den Tagen vor dem Spiel geforderten "Männerfußball", sagte Zorc (weiterhin erstaunlich unironisch): "Das war überhaupt kein Fußball." Und: "Das war einfach nichts."