Bundesliga Fürsorglicher Laufbahnberater

Drei Klubs sind dabei, sich spektakulär von ihren Trainern zu trennen - und trotz aller Unterschiede im Einzelnen: Die Vorgänge um Louis van Gaal (FC Bayern), Felix Magath (Schalke04) und Armin Veh (HSV) haben zwei Charakteristika gemein. Zum einen sind alle drei mit ihren Umgangsformen erheblich aus der Zeit geraten. Sie trafen nicht mehr den Ton, in dem die neue Generation unterrichtet werden will. Zum anderen betrifft es drei Großklubs, Dinosaurier der Liga, die fürchten müssen, den Übergang zu einer moderneren, toleranteren Betriebs-Kommunikation zu verpassen.

Fußball-Bundesliga: Trainer

Das Lame-Duck-Syndrom

Ein Blick auf die Tabelle klärt schnell die Notlage der großen Drei: Einsam zieht oben Borussia Dortmund seine Kreise, angeleitet von Jürgen Klopp, 44, der vielen nun als Idealtyp des neuen Trainers erscheint. Als einer, der gruppendynamische Prozesse rhetorisch geschickt moderieren kann, der den Ton der Jugend trifft, der andererseits aber auch autoritär seine Ziele verfolgt.

Aus einer flachen, aber klaren Hierarchie zaubert Dortmund Samstag für Samstag kleine Meisterstücke auf den Rasen. Die Nationalspieler kennen diese Personalpflege, die vieles, aber längst nicht alles toleriert, aus ihrer Zeit bei Bundestrainer Joachim Löw. Auch bei ihm dürfen sie das Gefühl haben, als Erwachsene behandelt zu werden - und als das, was sie längst sind: Jungmanager ihrer eigenen Karriere.

Der Fußball vollzieht einige gesellschaftliche Entwicklungen verspätet nach. Dass daraus nicht zwangsläufig ein Generationenkonflikt entstehen muss, beweist Jupp Heynckes, 65. Der Liga-Älteste hat Bayer Leverkusen nicht nur auf Platz zwei gebracht, er hat noch einmal einen Stilwandel vollzogen, er versteht sich heute ebenso als Lehrmeister wie als fürsorglicher Laufbahnberater.

Für wache Jungprofis, von denen viele in ihren Klubs nicht nur angestellt sein wollen - sondern die ganz genau wissen, bei wem sie ihr Wort erheben müssen, wenn ihnen ein Alleinherrscher zu radikal, zu willkürlich wird. Dann mischen sie sich auch mal ein und machen Politik. Zwar nur Vereinspolitik, aber immerhin.