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Borussia Dortmund:Der BVB beraubt sich seiner gefährlichsten Waffe

Sport-Club Freiburg v Borussia Dortmund - Bundesliga

Es wird düsterer beim BVB: Mats Hummels.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Dortmund spielt zum dritten Mal in Folge 2:2.
  • Diese negative Serie rückt nun auch Trainer Favre in den Fokus der Kritik.
  • Seine Spieler müssen sich weiterhin die viel thematisierte "Mentalitäts-Frage" stellen lassen.

Bevor der Dortmunder Mannschaftsbus davonrollte, bekamen Spieler und Trainer des BVB jede Menge Zuwendung ab. Gut 200 Gästefans, die es auf die Freiburger Haupttribüne verschlagen hatte, applaudierten und winkten den Spielern auf dem Weg zum Flughafen freundlich hinterher. Kredit haben sie also noch, die Hauptdarsteller beim BVB - obwohl auch der Ausflug in den Breisgau arg enttäuschend geendet hatte. "Wir haben einen Punkt geholt, aber das fühlt sich eher wie eine Niederlage an", sagte Angreifer Julian Brandt - und lieferte dazu eine fachlich völlig korrekte Analyse: "Spielerisch läuft es nicht gut momentan. Und wenn es dann ums Kämpferische geht, gibt es Mannschaften, die besser sind als wir."

So zutreffend diese Feststellung war, sie ähnelte einer ehrlichen Bankrotterklärung für eine Mannschaft, die ihre dritte gefühlte 2:2-Niederlage im dritten Ligaspiel in Serie erlitten hatte, gegen drei qualitativ gewiss niedriger anzusiedelnde Gegner: Frankfurt, Bremen und Freiburg. Die zarte Hoffnung, dass nach dem Sieg in der Champions League bei Slavia Prag das Dortmunder Selbstbewusstsein wieder gewachsen sein könnte, hat sich am Samstag jäh zerschlagen. Und nach dieser Serie von Mängelleistungen in der Liga, die die Eindrücke der leichtfertig verspielten Meisterschaft im Frühjahr zu untermauern scheinen, nehmen intern offenbar auch kritische Fragen an Trainer Lucien Favre zu.

Den Fans fehlt es an Maloche

Wieder war die meisterschaftsambitionierte Borussia in Führung gelegen, zweimal sogar. Aber erneut kassierte sie kurz vor dem Abpfiff den Ausgleich gegen ein Team, das alles tat, um zum Teilerfolg zu kommen, während der BVB mal wieder mit dem Status Quo zufrieden zu sein schien: "Wenn du 1:0 und 2:1 führst und unsere Qualität hast, musst du das spielerisch lösen können", seufzte Brandt, der mit diesem Aufruf zur Ergebnissicherung durch das Ausspielen technischer Vorteile auch einer in Dortmund weit verbreiteten Sichtweise entgegentrat. Dort wird zurzeit ja oft der urdeutsche Vorwurf der nutzlosen "Schönspielerei" gegen den BVB erhoben. Die vom schöngeistigen Favre geprägte Borussia lasse zwar gefällig den Ball laufen, versage aber bei kämpferischen Tugenden, heißt es oft. In Fankreisen ist derzeit auch nicht die zuletzt viel diskutierte "Mentalität", sondern Maloche (also die fehlende) das am meisten verwendete M-Wort.

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Doch all das, fand Julian Brandt, sei höchstens ein Teil der Wahrheit. Denn dass eine Mannschaft, die mit solch vielen feinen Kickern besetzt ist, grundsätzlich den Ball nicht zum Feind erklärt, versteht sich von selbst und macht an guten Tagen auch Charme und Klasse dieser BVB-Elf aus. Doch im Moment fehlt nicht nur jener Plan B, den Favre in Freiburg mit einem wuchtigen Schlag mit seiner rechten auf die linke Hand illustrierte: "So muss man Zweikämpfe führen!" Auch Plan A, der das Spielkonzept auf eigene Dominanz ausrichtet, wird fehlerhaft ausgeführt.

In Freiburg lief sich Mario Götze in der ersten Halbzeit im vorderen Drittel einen Wolf. Den Ball bekam er selten serviert, und wenn doch, dann in den Fuß und nicht in den Lauf, so dass er keine Fahrt aufnehmen konnte. Das Dortmunder Spiel beraubte sich damit selbst seiner gefährlichsten Waffe: Es fehlte schlicht an Tempo.