Bundesliga:Schalke und Leverkusen sind für Adidas uninteressant geworden

Refinanziert werden die Ausgaben zum Teil über Schuh- und vor allem Trikotverkäufe. Beim Blick auf die Bundesliga ist die Konzentration von Adidas etwa auf Bayern München rein wirtschaftlich betrachtet verständlich, werden von den Leibchen des Rekordmeisters doch mehr Exemplare verkauft als von denen aller Erst- und Zweitligisten zusammen. Die Hälfte davon übrigens ins Ausland. Am Rest der Bundesliga verliert Adidas jedoch erkennbar das Interesse, Heimatmarkt hin oder her.

Um die immer teureren Deals mit den Großen bezahlen zu können, wird bei den kleinen Klubs gespart. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Adidas 14 und der Herzogenauracher Lokalrivale Puma die restlichen vier Bundesligisten ausstattete. Der Rückzug von Adidas aus der Liga begann vor einem Jahr, als nach 40 Jahren die Zusammenarbeit mit Bayer Leverkusen auslief. Auch an Schalke 04 hat man in Herzogenaurach das Interesse verloren; ab der Saison 2018/19 werden die Königsblauen in Trikots und Hosen der britischen Marke Umbro auflaufen. Für kolportierte sechs Millionen Euro im Jahr; Adidas wäre Schalke nur noch 3,5 Millionen Euro wert gewesen. Und hätte nicht der dahinsiechende Hamburger SV einen langfristigen Vertrag - gut möglich, dass Adidas auch diese alte Bindung kappen würde. Dann bliebe nur noch der FC Bayern.

5 Millionen

Euro pro Saison lässt es sich Adidas bislang kosten, dass in der Bundesliga ausschließlich mit Bällen des fränkischen Unternehmens gekickt wird. Ab der Spielzeit 2018/19 wird jedoch gegen solche des Herstellers Derbystar getreten. Adidas wollte den Ausrüstervertrag nicht mehr verlängern und gab bei der Ausschreibung ebenso wenig ein Angebot ab wie Konkurrent Nike. Beim Ballspezialisten Derbystar freut man sich. In der Liga dürften die Gefühle gemischter sein. Denn der neue Partner zahlt dem Vernehmen nach nur mehr gut die Hälfte.

Die Bundesliga wird dadurch bunter. Noch nie tummelten sich hier mehr kleine Ausrüster wie Jako, Lotto oder Hummel, die normalerweise im Wettbieten mit Nike oder Adidas chancenlos sind. So aber stoßen sie in Lücken, die ihnen die Branchenführer überlassen. Bestes Beispiel ist der Spielball, den bisher Adidas stellt. Ab 2018/19 kommt er vom kleinen, aber feinen Ballspezialisten Derbystar; Adidas und Nike hatten kein Interesse. Das spricht nicht unbedingt für die Attraktivität der Liga.

Doch ob sich speziell Adidas als deutsche Firma einen Gefallen tut, bezweifeln Ligaexperten. Wer Traditionsklubs wie Schalke oder den Zweitligisten 1. FC Nürnberg, letzter ist immerhin in direkter Nachbarschaft zum Firmensitz in Herzogenaurach angesiedelt, nach Jahrzehnten links liegen lasse und sich nur noch global bewegen wolle, verliere an Bodenhaftung, sagen Kritiker. Das komme bei Fans und Amateurkickern nicht gut an.

Doch für Nike und Adidas ist Fußball nicht mehr nur ein Spiel auf Rasen, sondern verstärkt in sozialen Netzwerken. So postete Nike ein Foto, auf dem Shane Kluivert seinen Vertrag unterzeichnete. Alles Show. Denn mit seinen neun Jahren ist der Dreikäsehoch noch nicht geschäftsfähig.

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