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Bundesliga:Beim FC Bayern brodelt es in ganz schön vielen Töpfen

Former Bayern Munich President Hoeness speaks to Rummenigge, CEO of Bayern Munich during official foundation stone laying ceremony of Bayern Munich's youth training centre in Munich

Wer hat das Sagen beim FC Bayern? Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge (rechts).

(Foto: REUTERS)

Vielleicht ist Uli Hoeneß am Montag ja wirklich im Vorhaben zum Münchner Flughafen hinausgefahren, dort einzig und allein über Basketball zu reden. Ausschließen lässt sich das nicht. Die Teilnahme des Vereinspräsidenten des FC Bayern an einer Pressekonferenz der vereinseigenen Basketballabteilung dürfte ohnehin länger geplant gewesen sein. Zumal die Anreise zum Flughafen ja einer elendigen Plackerei gleichkommt, da dieser sich ja gar nicht in München befindet, sondern ein ganzes Stück entfernt von der Landeshauptstadt liegt - im sogenannten Erdinger Moos. Andererseits kam Hoeneß am Montag kaum dazu, über jene Jux-Partie zu reden, die seine Basketballer am Wochenende an eben diesem Flughafen gegen Real Madrid veranstalten werden. Dafür war die Niederlage der vereinseigenen Fußballer in Hoffenheim viel zu erstaunlich, womöglich auch unnötig, oder, wie Hoeneß sagt, "alles andere als angenehm. Weil ich mich wahnsinnig geärgert habe".

Und das war nun die eigentliche Überraschung: Dass sich Uli Hoeneß wahnsinnig viel mehr über jenes 0:2 geärgert hatte als über ein vom Klub nicht autorisiertes Interview seines Stürmers Robert Lewandowski im Spiegel, über das sich wiederum der vereinseigene Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ganz fürchterlich geärgert hatte - weil Lewandowski darin die Transferpolitik seines Arbeitgebers deutlich kritisiert hatte. Es müsse mehr Geld in neue Spieler investiert werden, hatte Lewandowski gefordert, Investitionen wie die 41,5 Millionen Euro für Corentin Tolisso, den teuersten Spieler der Klubgeschichte, seien im internationalen Vergleich "eher Durchschnitt als Spitzenwert" und somit, so war Lewandowski zu verstehen, nachgerade ein Transferwitz.

Er habe sich, sagte nun Hoeneß im Erdinger Moos, am Wochenende das Interview ganz in Ruhe durchgelesen. Und dann sei er zu dem Ergebnis gekommen: "Wenn ich jetzt den ganzen Artikel lese, dann habe ich den nicht als so schlimm empfunden." Rummenigge schon: Aus dessen Sicht hat Lewandowski "schlau dahergeredet, statt sich auf das Fußballspielen zu konzentrieren". Und nicht nur er. Auch Thomas Müller, der ja zwei Wochen zuvor in Bremen öffentlich sein Reservistensdasein beklagt hatte, habe sich "nicht okay" verhalten. Und auch für einen "Parade-Bayern", sagte Rummenigge der Bild, gebe es "keine Stammplatzgarantie".

Nun stellt sich also die Frage: Widersprechen sich Hoeneß und Rummenigge? Oder ergänzen sie sich auf kongeniale Weise nach dem Prinzip der beliebten Krimi-Blaupause mit einem guten Cop (ausnahmsweise Hoeneß) und einem bösen Cop (ausnahmsweise Rummenigge)? Oder ist alles noch sehr viel komplizierter?

Rummenigge kritisiert auch Thomas Müller

An diesem Dienstag (20.45 Uhr) startet der FC Bayern mit dem Heimspiel gegen den RSC Anderlecht in die Champions-League-Saison, es ist das erste von sechs Spielen in zweieinhalb Wochen, und in der aktuellen Gemengelage ist es auch der erste von sechs Stimmungstests. Es brodelt beim FC Bayern, was in diesem Verein ja schon mal vorkommt - aber zurzeit brodelt es in ganz schön vielen Töpfen. Die Niederlage in Hoffenheim. Die bisher nie komplett überzeugenden Spiele des Teams in dieser Saison. Lewandowskis Kritik an der Transferpolitik des Vereins. Müllers Kritik an Trainer Carlo Ancelotti. Und dann eben noch die Frage, wer der gute, wer der böse und wer der Obercop des FC Bayern ist.

Bundesliga "Wer öffentlich kritisiert, kriegt Stress mit mir"
FC Bayern München

"Wer öffentlich kritisiert, kriegt Stress mit mir"

Bayern-Vorstandschef Rummenigge reagiert mit scharfen Worten auf die Kritik von Robert Lewandowski. Auch den Berater des Stürmers greift er an.

Rummenigge und Hoeneß haben sich nach Lewandowskis Kritik an ihrer Arbeit Zeit gelassen, um dann mit zwei Stimmen zu antworten, auch wenn Hoeneß, der als Zweiter sprach, das natürlich so nicht herausarbeitete. Er habe "die Aussagen von Karl-Heinz" als "sehr ausgewogen" empfunden, sagte Hoeneß sehr ausgewogen. Das schon. Einig sind sich beide zum Beispiel in ihrer Kritik an Müller. Er sehe, sagte Hoeneß, Müller "sehr gerne bei uns spielen. Aber er kann natürlich nur dann spielen, wenn er gut spielt". Müllers aus Sicht von Rummenigge nicht okaye Worte an Ancelotti seien hingegen "noch im Rahmen" gewesen. Es habe "nicht mal den Ansatz für eine Strafe" gegeben. Und überhaupt, sagte Hoeneß: "Mir gefällt es sowieso nicht, dass man bei uns jedes Wort auf die Goldwaage legt. Auch intern. Wir müssen mal wieder ein bisschen lockerer werden."