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Bundesliga, 15. Spieltag:Heynckes tadelt seine Sieger

Manuel Friedrich und Stefan Reinartz warteten nicht ab, bis sie in der warmen Kabine saßen, sie begannen mit der Diskussion über ihre Partie gleich nach dem Abpfiff. Beide waren, das ließ sich auch im Schneetreiben ausmachen, überaus unzufrieden, sie gestikulierten und fuchtelten mit den Händen, und für ihren Verdruss über den Verlauf des Derbys zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln wählten sie wenige Minuten später klare Worte. "Wir haben die Kölner stark gemacht und das Spiel komplett aus der Hand gegeben", klagte Verteidiger Reinartz.

Bayer Leverkusen v 1. FC Koeln - Bundesliga

Auch der stärkste Lukas Podolski seit langem konnte die Kölner Pleite beim Rheinnachbarn aus Leverkusen nicht verhindern.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

"Wir haben es nicht gut gemacht, wir haben uns von den Kölnern hinten reindrängen lassen", sagte sein Abwehrpartner Friedrich, und während der Bayer-Kapitän Simon Rolfes über die Wendung der vermeintlich schon gewonnenen Partie rätselte ("eigentlich hatten wir sie doch schon im Sack."), drohte Jupp Heynckes, der Trainer, eine ungemütliche Nachbetrachtung an: "Darüber wird zu reden sein."

Noch enttäuschter als die Leverkusener waren nur die Kölner, denn die hatten trotz vereinten Drängens gegen das Leverkusener Tor das Spiel 2:3 verloren. Der Frust beim Tabellenvorletzten war entsprechend groß, nur ein wenig Trost durften sie mit auf die andere Rheinseite nehmen. Zwar kamen sie sich nicht wie die moralischen Sieger vor - so gut hatten sie dann doch nicht gespielt -, aber durch ihren entschlossenen Auftritt hatten sie wenigstens das Recht erworben, sich ihrer Niederlage nicht schämen zu müssen. "Wir haben bewiesen, dass wir mit einer Top-Mannschaft der Bundesliga mithalten können", befand Martin Lanig und hatte partiell sogar recht damit.

Lanig, eingewechselt in der 64. Minute, war der Spieler, der die Dramaturgie des Derbys entscheidend beeinflusste. 55 Sekunden lief er über den Platz, da schoss er schon das Tor, das die Kölner zum 2:3 heranbrachte und unerwartet neue Spannung in die Begegnung brachte, und kaum zwei Minuten später war er einem weiteren Treffer so nahe wie kein Zweiter mehr in dieser Partie. Keine fünf Meter trennten ihn von der Torlinie, als der Flankenball von Ehret vor seinen Füßen aufsprang, aber die rutschige Kugel ließ sich nicht kontrollieren und Lanig verfehlte das nahe Ziel um viele Meter.

Ein Remis hatten die Kölner nicht nur für ihre kämpferische Leistung verdient, sie trugen auch spielerisch zum aufregenden Duell bei. Allen voran Lukas Podolski, der sich häufig gegen harten Widerstand durchsetzte und als offensiver Motor seines Teams gute Ideen verwirklichte. Beide Tore seines Teams bereitete er vor, und das 2:2 hatte er auch erzielt, nur ein Irrtum der Schiedsrichter verhinderte, dass der regelgerechte Treffer zählte.

Bayer-Verteidiger Reinartz sprach von einem "sehr glücklichen Sieg" seiner Elf, das ehrt ihn, dennoch war die Niederlage der Kölner folgerichtig, denn auf der Schattenseite ihres Zeugnisses standen schlimme Deckungsfehler bei sämtlichen Gegentreffern, beim 0:1 durch Helmes, beim 1:2 durch Barnetta und beim 1:3 durch Reinartz waren die Leverkusener jeweils frei wie Vögel. Außer einem Remis war deswegen für den FC auch ein Debakel möglich.

Text: Philipp Selldorf

© SZ vom 06.12.2010/jbe
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