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Bayern-Remis gegen Manchester United:Deutliche Ansprache an Kroos

Schweinsteiger, der seit Wochen seine verbesserte Form mit Toren unterstreicht, steckte so voller Tatendrang, dass er es am Ende noch übertrieb. Ein Fußfeger irgendwo zwischen Ball und Wayne Rooneys Schlappen bescherte ihm in der Schlussminute Gelb-Rot - und so entfachte sich nach dem Spiel eine rege Diskussion.

"Es ist okay, wir müssen damit leben", sagte Guardiola, um sich gleich selbst zu widersprechen: "Aber es ist unfair." Ähnlich empfanden die Szene andere Münchner Beobachter. "Wenn man sieht, wie Valencia (Uniteds nur mit Gelb bestrafter Außenstürmer, d. Red.) reingeht, ist das nicht nachvollziehbar", klagte Müller.

Philipp Lahm dachte schon einen Schritt weiter: "Der Platzverweis für Basti ist natürlich bitter, genauso wie die Gelbsperre für Javi Martínez." Der Spanier kassierte seine dritte Gelbe im Wettbewerb und bildet nun mit Schweinsteiger und dem verletzten Thiago ein tragisches Trio. Martínez fehlt als umsichtige Abwehrkraft, Thiago als Inspirationsquelle und Schweinsteiger als Typ. "Wir werden auch in München mit elf Leuten spielen, aber es ist sehr schade", fand Guardiola.

Einem, auf den es im Rückspiel wegen der angespannten Personallage besonders ankommt, verpasste der Trainer eine deutliche Ansprache. Nach 74 Minuten beorderte Guardiola Toni Kroos vom Feld. Der Nationalspieler war eine weitere seltsame Figur dieses Abends. Nach einem zupackenden Vortrag in der ersten Halbzeit verfiel er grundlos in den Schluffimodus und bekam dafür einiges zu hören. Guardiola fuchtelte herum, redete auf Kroos ein, ehe er ihn in die Kabine schickte. "Wir haben nur über seinen tollen Auftritt geredet", erklärte der Katalane auf Nachfrage. Wirklich? "Ja." Es folgte ein vielsagendes Grinsen.

Kroos selbst hatte eine andere Erinnerung: "Wir haben ein, zwei taktische Sachen besprochen." Bedenkt man die stockenden Vertragsgespräche zwischen dem Spieler und dem Verein sowie Kroos' Handschuhwurf nach seiner Auswechslung in Stuttgart, bieten sich ungemütliche Rückschlüsse an. Vielleicht entwickelt sich auch dieses Verhältnis in eine seltsame Richtung.

© SZ.de/ska/rus
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