FC Bayern in der Einzelkritik:Ein Tänzchen mit den Wandschränken

Bastian Schweinsteiger wirft sich gierig in jeden Zweikampf. Toni Kroos fängt sich einen Rüffel von Pep Guardiola ein. Und Franck Ribéry dribbelt gegen Manchesters Abwehr an, doch vieles bleibt wirkungslos. Der FC Bayern beim 1:1 in Manchester in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp, Manchester

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Bayern Munich's Neuer kicks the ball past Manchester United's Welbeck during their Champions League quarter-final first leg soccer match at Old Trafford in Manchester

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Manuel Neuer bleibt weiter Sir Alex Liebling. Bastian Schweinsteiger wirft sich gierig in jeden Zweikampf. Und Toni Kroos fängt sich einen Rüffel von Pep Guardiola ein. Der FC Bayern beim 1:1 in Manchester in der Einzelkritik.

Manuel Neuer: Kam mit gemischten Gefühlen nach Manchester, denn gegen United lieferte er einst als Schalker zwei Raketenspiele ab - und schied trotz Lobeshymnen von Alex Ferguson aus. War diesmal wieder eine Macht: Trat bei Welbecks lätschertem Lupfer den Beweis an, dass gute Torhüter sich nie auf den Boden legen, sondern stehen bleiben. Wirkte auch sonst überaus souverän und konnte beim Gegentor überhaupt nix ausrichten. Ist auch weiterhin ein Liebling von Sir Alex.

Manchester United vs Bayern Munich

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Rafinha: War auch mal Schalker, ist nun aber der bayerischste Brasilianer nach Giovane Elber. Freute sich auf dem Flügel über das "Leben und leben lassen" des Gegners, indem er munter mit nach vorne rannte. Probierte es mit hohen Flanken, bis er merkte: Bringt nix gegen die Wandschränke Ferdinand/Vidic. Probierte es dann mit der Variante sicherer Kurzpass, was besser klappte. Schwenkte schließlich wieder zur Variante "hoch und weit" zurück - und bereitete so den Ausgleich vor.

Manchester United  - FC Bayern München

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Javier Martínez: War nie Schalker, aber dafür mal Spieler bei Athletic Bilbao. Die gewannen vor zwei Jahren mal 3:2 in Old Trafford - mit einem Martínez als kolossalem Defensivkämpfer. Klärte auch diesmal immer dann, wenn es nötig war und stand oft am richtigen Fleck. Als lufterprobter Kopfballspezialist auch dafür verantwortlich, dass United vorne kaum mal einen Ball halten konnte. Beim Gegentreffer eng am Mann - im Gegensatz zu Boateng.

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Jérôme Boateng: Kennt Manchester aus seiner kurzen Zeit bei City, was seine Beliebtheitswerte in Old Trafford etwas schmälerte. Erwies sich vor allem zu Beginn als Abfangjäger und Passstation im Spielaufbau. Später, als die Bayern hinten wegen Unterbeschäftigung fast eingeschlafen waren, unterlief ihm aber ein Wackler gegen Welbeck, der fast zum Rückstand führte. Blieb im Schlummermodus hängen und ließ kurz nach der Pause Vidic frei zum 1:0 einköpfeln. Manchester und Boateng, irgendwie eine blöde Sache.

Manchester United's Fellaini goes for a header with Bayern Munich's Alaba during their Champions League quarter-final first leg soccer match at Old Trafford in Manchester

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David Alaba: Bekam es links hinten mit einem gewissen Antonio Valencia zu tun, weshalb er in Gedanken vielleicht ein Kerzchen für Holger Badstuber anzündete. Der erlitt vor vier Jahren gegen den Turbo-Typ aus Ecuador reihenweise Schwindelanfälle. So etwas passiert einem Alaba aber nicht, denn statt hinten in Kalamitäten zu gelangen, stürmte er einfach selbst. Nahm sich gar die Freiheit, ein Kopfballduell gegen den drei Meter großen Fellaini zu gewinnen - da raunte Old Trafford. Verlor nach dem Wechsel aber seinen Elan.

Manchester United  - FC Bayern München

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Philipp Lahm: Hat sie auf der Insel alle schon erobert: Die Stadien von Wembley, Arsenal oder Manchester. Setzte sein Pendler-Dasein fort und platzierte sich wieder im Zentrum als Ober-Aufpasser - dabei ist eh wurscht, wo er spielt: Lahm taugt immer was. Gab vor der Abwehr die wandelnde Billardbande und leitete viele Angriffe geschickt ein. Als United nach der Pause anrannte, schwamm auch er ein wenig. Aber nur sehr kurz.

Manchester United  - FC Bayern München

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Bastian Schweinsteiger: Erinnerte geschichtsbewusst an den "Wirbelsturm in den ersten 25 Minuten", der 2010 in Old Trafford über die Bayern hereinpreschte. Erinnerte außerdem mit seinen grauen Schläfen ein wenig an sein Alter: Bald ist auch er 30, der ewig junge Ex-Schweini. Ließ es im Mittelfeld ordentlich "chefeln", verteilte die Bälle und warf sich gierig in jedes Duell. Es sind ja Schweinsteiger-Wochen und deshalb nagelte der Boss den Ball nach Mandzukics Ablage zum 1:1 unters Gestänge. Dann aber übertrieb er es ein kleines bisschen mit dem Chef-Dasein, sammelte zwei gelbe Karten, was in der Summe einen Platzverweis ergab. Beim zweiten Foul, dem gegen Rooney, traf er zwar irgendwie den Ball, scheffelte den Kollegen aber doch recht unsaft von den Beinen. Ein taktisches Foul, die Bayern protestierten, aber Gelb-Rot war zumindest vertretbar.

Manchester United vs Bayern Munich

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Arjen Robben: Genoss auf seiner Seite das, was die Engländer ein "Mismatch" nennen: Sein Gegenspieler hieß Alexander Büttner, ein grünschnabeliger Holländer aus Manchesters Kader-Mottenkiste. Beschäftigte seinen Landsmann mit der gewohnten Mischung aus Haken, Körperwacklern und Positionswechseln - und natürlich zeigte er wieder seinen "signature move": Zog von rechts nach innen, zirkelte aufs lange Eck, doch De Gea machte den Spielverderber. Blieb bis zum Schluss eine Nervensäge für den armen Büttner.

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Toni Kroos: Weil aus "Thiago oder nix" kurzfristig "Nix Thiago" geworden ist, durfte er im Getümmel den erhabenen Ballstreichler geben. Berührte die Kugel beinahe im Sekundentakt, zeigte hübsche Kleinkunstwerke bei jedem Pass und trat auf wie einer, den die Kulisse in Old Trafford beflügelte. Kroos und United - das war ja was: Angeblich sehnen sich die Engländer nach einem wie ihm. Baute in der zweiten Halbzeit ab, musste raus und bekam einen deutlichen Rüffel von Guardiola.

Bayern Munich's Ribery and Boateng challenge Manchester United's Welbeck during their Champions League quarter-final first leg soccer match at Old Trafford in Manchester

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Franck Ribéry: Beherrscht von der Streicheleinheit bis zur Kraftmeierei fast alles und ist damit Alleinführender der Kategorie "Ribery oder nix". Stellte sich bei seinem Widersacher Phil Jones mit einigen rasanten Anritten vor. Und weil man sich dann kannte, hörte der Münchner gar nicht mehr auf zu wuseln. Es hatte was vom Tanz in den Frühling: Ribery gegen Jones (der Langsame), Ribery gegen Ferdinand (der Klotz), Ribery gegen Vidic (noch der Haltungsstärkste) - nur die entscheidende Aktion fehlte dem Franzosen.

Manchester United's Jones fights for the ball with Bayern Munich's Mueller during their Champions League quarter-final first leg soccer match at Old Trafford in Manchester

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Thomas Müller: Kaum jemand fürchten sie in England mehr als diesen Müller, auf der Insel auch bekannt als "Raumdeuter". Machte es sich als seltenes Exemplar der Spezies "falsche Neun" zwischen den Linien bequem, um den Grobianen Ferdinand/Vidic zu entkommen. Vertändelte einige Situationen, weil er Kunst statt Klarheit wählte. Verhedderte sich auch danach zu häufig im Dickicht der United-Abwehr und musste wegen Wirkungslosigkeit raus.

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Mario Mandzukic: Kam ins Spiel, weil Thomas Müller als falsche Neun verloren wirkte - sollte als echte Neun die Dinge ändern, was ideal klappte: Sein Kopfball vor Schweinsteigers Treffer war Gold wert.

Mario Götze: Kam für Toni Kroos und half noch ein wenig mit. Freute sich über das völlig untypische Riviera-Wetter in Manchester.

© Süddeutsche.de/schma
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