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Bayern-Aus in der Champions League:Die Saisonbilanz ist gestört

Gleich zweimal trudelten ruhende Bälle in den Strafraum genau auf den Kopf von Real-Verteidiger Sergio Ramos. Der konnte sein Glück kaum fassen und erzielte mit jener Wucht das 0:1 (16. Minute) und das 0:2 (20.), die dem Titelverteidiger flöten gegangen ist. Standards, diese simplen Routine-Übungen des Fußballs - für die Bayern ein Riesenproblem gegen deutlich entschlossenere Kontrahenten.

"Diese Aktionen haben wir einstudiert: Ein Ball auf den zweiten Pfosten und dann mit aller Macht zum Kopfball", erklärte ein beglückter Real-Trainer Carlo Ancelotti. Seine Elf sezierte die Münchner mit dem Skalpell taktischer Überlegenheit. Und mit einem Cristiano Ronaldo, der weder beim Überfall-Angriff zum 0:3 (34.), noch bei seinem gewieften Freistoß zum 0:4 (90.) aufzuhalten war.

"Wir sind heute abgestraft worden. 0:4 ist knallhart zu Hause. Zwei Gegentore nach Standards, da weißt du, dass es vorbei ist", erklärte Arjen Robben. Und natürlich stellte sich die Frage nach der nun arg gestörten Saisonbilanz. Die Verteidigung des Triples sollte es werden, doch jetzt ist der wohl wichtigste Titel futsch, das schmerzt in der Seele.

Die Bundesliga haben die Bayern früh wie nie gewonnen, aber seit sie das erreicht haben, bröckelt ihr Nimbus. Es geht womöglich gerade einiges kaputt in dieser Mannschaft, nur richtig eingestehen will sich das noch keiner. "Wir müssen jetzt nicht zu negativ sein. Weinen, nach Hause gehen, weiter machen", so Robbens Devise.

Das Pokalfinale gegen Dortmund erhält plötzlich den Charakter eines Entscheidungsspiels: Bei einer weiteren Niederlage verkommt Guardiolas erste Saison in München zu einer geplatzten Seifenblase.

Sind die Münchner am Ende zu früh Meister geworden? Hat der Coach einen rhetorischen Fehler gemacht, als er die Bundesliga verfrüht für beendet erklärte? Diese Fragen fand Sammer "relativ uninteressant" und erbat sich, "jetzt nicht den Super-Bruch über der Saison auszurufen". Fakt ist aber, dass die anvisierte Geschichtsschreibung jetzt ein dunkles Kapitel erhalten hat. Guardiola ist dieses Dilemma bewusst, er schloss seine Ansprache mit dem deutlichen Hinweis, dass "nach all den Titeln der Vergangenheit die Meisterschaft nicht genug ist".

In Dortmund werden sie interessiert zugehört haben. Wie man die Bayern quält, wissen sie nur zu gut. Und die Rede ist nicht von Schnulzenliedern der Band Aerosmith.

© Süddeutsche.de/jbe/sonn/ebc/lala
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