Fußball-WM Argentinien leidet

  • Argentinien verliert 0:3 gegen Kroatien und kann den Einzug ins Achtelfinale nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Kroatien ist bereits eine Runde weiter
  • Argentiniens Torwart Caballero unterläuft ein schwerer Fehler, dann fällt das 0:1.
  • Lionel Messi kommt nur selten zum Zug, die Kroaten schirmen ihn clever ab.
Von Maik Rosner, Nischni Nowgorod

Lionel Messi schaute, als habe sich das ganze Schicksal dieser Welt gegen ihn und Argentinien verschworen. Gerade noch war er Augenzeuge gewesen, wie Marcos Acunas Schuss von Kroatiens Torwart Danijel Subasic abgewehrt worden war. Keine 20 Sekunden später lag Argentinien zurück, und ganz maßgeblich zu tun hatte das mit dem eigenen Torwart. Einen harmlosen Rückpass verwandelte Wilfredo Caballero in eine groteske Vorlage für Ante Rebic, und als der Angreifer von Eintracht Frankfurt den Ball ohne Umstände mit seinem rechten Fuß volley ins Tor wuchtete, schien Messi so langsam den Glauben zu verlieren, dass es bei seiner vierten WM endlich etwas werden könnte mit dem Titel und damit mit der Krönung seiner Karriere. Starren Blickes trottete er über den Rasen.

Am Ende dieses intensiven Spiels fügten Kapitän Luca Modric dem geschenkten Tor aus der 53. Minute noch das 2:0 (80.) und Ivan Rakitic in der Nachspielzeit den 3:0 (0:0)-Endstand hinzu, garniert vom vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale, erstmals seit 1998. Argentinien, dem WM-Zweiten 2014, droht dagegen das erste Aus nach der Gruppenphase seit 2002. Am Dienstagabend in St. Petersburg ist gegen Nigeria ein Sieg nötig. Doch auch der könnte nicht reichen, da Island erst an diesem Freitag sein zweites Gruppenspiel austrägt.

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Es hatte viel Aufregung gegeben in Argentinien nach dem 1:1 gegen Island zum Auftakt samt Lionel Messis verschossenem Elfmeter. Als eine "Schande" hatte Diego Maradona die Taktik von Trainer Jorge Sampaoli gegeißelt. Wenn Messi nicht glänzt oder Argentinien nicht gewinnt, gerät die Nation in Aufruhr. Fällt beides zusammen, scheint das Ende der Welt nahe zu sein. Das gilt aus argentinischer Sicht nun umso mehr.

Dabei schien all der Verdruss am Donnerstagabend in Nischni Nowgorod zunächst einem plötzlichen und trotzigen Optimismus gewichen zu sein. Das Maskottchen Maradona schwenkte auf der Tribüne wild einen Schal, die vielen weiß-himmelblau gewandeten Fans sangen erwartungsfroh - und auch Messi erweckte den Eindruck, entspannt in das Spiel zu gehen.

Mandzukic kommt zu Chancen wie beim Freizeitkick

Doch kaum hatte dieses begonnen, stellten sich schon wieder ähnliche Ungereimtheiten ein wie gegen Island. Kroatiens ehemaliger Bundesligaprofi Ivan Perisic kam rasch zu einem gefährlichen Linksschuss nach einem Konter. Bald darauf war Argentiniens Abwehr erneut ausgehebelt, konnte die Situation aber noch nachträglich bereinigen. Sampaolis diesmal angeordnete Dreierkette, die Acuna im Spiel gegen den Ball zu einem Viererverbund erweiterte, erwies sich als nicht sonderlich abwehrbereit. Und dass der Trainer erwartungsgemäß Marcos Rojo, Lucas Biglia und Ángel Di Maria aus der Startelf genommen und dafür Gabriel Mercado, Enzo Pérez und Acuna aufgestellt hatte, entfaltete auch offensiv nur bedingt Wirkung. Immerhin wurde Maximiliano Meza nach einer knappen Viertelstunde mit einem gefährlichen Abschluss auffällig, in dessen Schussbahn sich Innenverteidiger Dejan Lovren gerade noch rechtzeitig werfen konnte. Zudem touchierte Acunas verrutschte Flanke bald darauf die Latte des kroatischen Tores.

Es fügte sich ins Bild, dass Argentiniens beste Torchance aus gleich mehreren Ungeschicktheiten in Kroatiens Defensive hervorging. Lovren und Torwart Subasic waren sich nicht einig, Domagoij Vida spielte den Ball auch noch in die Füße von Perez. Dessen Schuss verfehlte allerdings das leere Tor. Und Messi? War anders als gegen Island nur äußerst selten am Ball, bis zur 26. Minute wies die Statistik 13 Kontakte auf und bis zur Halbzeit keinen einzigen Torschuss. Das lag erstens daran, dass die Kroaten ihn geschickt abschirmten. Aber zweitens waren Messis Kollegen erkennbar angewiesen worden, nicht die Gesamtverantwortung auf el Diez, die Nummer zehn, abzuwälzen. Überzeugend geriet das Offensivspiel der Argentinier dennoch nicht.

Ebenso wenig die Leistung in der Defensive. Kroatiens Stürmer Mario Mandzukic kam unbehelligt am Fünfmeterraum zum Kopfball wie sonst nur beim Freizeitkick, der frühere Bayern-Stürmer verfehlte das Tor aber knapp. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit profitierte Argentinien zudem davon, dass Ante Rebic einen Konter verschluderte.

Dank Caballeros Aussetzer zu Beginn der zweiten Halbzeit konnte Rebic Versäumtes nachholen. Das versuchten danach auch die Argentinier. Immer wilder griffen sie an, doch ihre Aktionen gerieten zunehmend fahrig. Meza und Messi besaßen nach einer guten Stunde eine Doppelchance, doch wieder stand Subasic im Weg. Maradona kaute auf der Tribüne Fingernägel. Von Optimismus war nun nichts mehr zu sehen. Nach dem 0:2 und 0:3 hingen die Köpfe der Argentinier umso mehr. Erst recht bei Messi.

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